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„Altenburger Kind“ fordert Antworten zu Umgang mit verschwundenen herzöglichen Gebeinen

Fürstengruft „Altenburger Kind“ fordert Antworten zu Umgang mit verschwundenen herzöglichen Gebeinen

Skandalös findet Frank von Olszewski die mysteriösen Vorgänge um die Fürstengruft auf dem Altenburger Friedhof. Daher wollte der gebürtige Skatstädter und Autor Ende Juni von Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) wissen, wie er gedenkt, mit der Problematik umzugehen. Eine Antwort hat er bis heute nicht bekommen.

Ein Blick in die in schlechtem Zustand befindliche Fürstengruft auf dem Altenburger Friedhof.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Frank von Olszewski ist erbost. Ende Juni schrieb der 72-Jährige an Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) einen digitalen Brief, der der OVZ vorliegt. Darin bat der gebürtige Altenburger, der nun in Rostock lebt, den Rathauschef, sich der verschwundenen Gebeine der jüngeren Linie der herzoglichen Familie und den mysteriösen Vorgängen um die Fürstengruft auf den Altenburger Friedhof anzunehmen. Antwort hat von Olszewski bis heute nicht erhalten – und macht seinem Ärger in einem offenen Brief Luft.

Dabei sei der Eingang der E-Mail von Wolfs Sekretärin „als gelesen bestätigt worden“, scheibt der Rostocker, den die hiesigen Geschehnisse weiterhin interessieren und beschäftigen. „Nun haben wir fast August. Vor über 60 Jahren lernte ich in meiner Gebrüder-Reichenbach-Schule, was Regeln und Betragen anderen gegenüber ausmachen.“ Dazu gehöre – „auch wenn ein Gegenstand oder eine Frage für den Adressaten etwas abwegig erscheint“ –, dass man antworte. „Da Sie gern mit Begriffen wie ,Residenzstadt‘ operieren, was sehr richtig ist, verwundert mich Ihre Antwortlosigkeit doch sehr stark.“ Daher fühle er sich als Verfasser missachtet. „Da ich immer noch Altenburg sehr im Herzen habe, es gern besuche und viele Menschen kenne, denen es ebenso ergeht, ist eben diese Missachtung besonders fühlbar.“

Stein des Anstoßes war für Frank von Olszewski, der Autor ist und früher Museologe war, ein Beitrag bei TV Altenburg vom 23. Juni, in dem der ruinöse Zustand der Fürstengruft und eine neue Initiative für eine Erinnerungsstätte der verschwundenen Überreste der jüngeren Linie der Herzogfamilie zu Sachsen-Altenburg thematisiert wird. Konkret führt der Historiker Uwe Gillmeister darin aus, dass es nach dem Einsturz des Daches Anfang der 1970er-Jahre, durch den die Gruft zu einer Ruine wurde, zu seltsamen Vorgängen gekommen sei. Demnach habe der damalige Direktor des kirchlichen Friedhofs zwar die Särge gerettet, dabei aber Schindluder betrieben.

Laut Gillmeister soll der Missetäter die Metallsärge geöffnet, die Gebeine entnommen, in eine Holzkiste gesteckt und die Metallhüllen an den DDR-Rohstoffverwerter Sero verkauft haben. Darüber gebe es auch Belege, so der Geschichtsforscher. Die herzöglichen Gebeine habe er in der Grabstätte der Familien von Lindenau und Ranniger verscharrt, wo sie bei einer Begehung durch einen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung auf dem Boden der Gruft liegend gefunden worden seien. Dieser habe sie schließlich eingepackt.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Thronentsagung der Herzöge zu Sachsen-Altenburg 2018 zum 100. Mal jährt, wollen Gillmeister und Co. den sterblichen Überresten der Adelslinie einen würdigen Ort des Gedenkens geben. Auserkoren hat man dafür bei einem Rundgang mit dem zuständigen Referatsleiter im Altenburger Rathaus die Grabstätte der Familie Goldmann. Allerdings braucht man dafür das Okay des OB, den Gillmeister nach eigener Aussage bereits mehrfach erfolglos angeschrieben habe.

Dies setzt nun Frank von Olszewski fort. Dabei hat der Wahl-Rostocker einen ganz persönlichen Bezug zur Gruft und der herzöglichen Familie. „In der Jugend haben wir als Schüler die Särge im Keller gesehen“, schrieb das „Altenburger Kind“ an Wolf. „Auch wusste ich, wessen Ruhestätte da war.“ Zudem habe er mit seinem Großvater 1955 an der Beerdigung von Ernst II., dem letzten der Altenburger Herzöge, teilgenommen, der aber genauso wie Ernst I. nicht in der Gruft begraben wurde. Auch „weil mein Großvater und ich viel auf dem Friedhof spazieren gingen und ich immer Lebensjahre und Aufschriften zu lesen hatte“, wie er weiter schreibt, wollte er von OB Wolf nun wissen, „in welcher Form die Stadt mit der Problematik umgehen wird“.

Angesichts des persönlichen Bezugs lässt sich der Ärger des 72-Jährigen über das Schweigen Wolfs verstehen. Allerdings weilt der OB derzeit im Urlaub. Dennoch wünscht von Olszewski sich: „Möge es solche Wiederholungen, Sprachlosigkeiten, auch gegenüber Bürgern Altenburgs, nicht mehr geben!“

Von Thomas Haegeler

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