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Altenburg Altenburger Kirchenkreis: Seit 1993 zwei Drittel Pfarrstellen weniger
Region Altenburg Altenburger Kirchenkreis: Seit 1993 zwei Drittel Pfarrstellen weniger
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00:17 23.01.2016
Man müsse die Energie und die Kräfte konzentrieren, sagt der Altenburger Pfarrer Reinhard Kwaschik.  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg/Leipzig

 Seit 1993 habe der Kirchenkreis Altenburger Land knapp zwei Drittel seiner Pfarrstellen eingebüßt. Von zuvor 58 Pfarrstellen und drei Superintendenturen blieben im Jahr 2013 noch 17 hauptamtliche Pfarrer und ein Superintendent übrig. Dies führte zu einer „starken individuellen Belastung der Geistlichen und anderer Kirchenbediensteter“, schreiben die Autoren. Neben den vielen Streichungen hätten auch zahlreiche Konflikte zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen die Situation weiter aufgeheizt. Viele Ehrenamtliche fühlten sich allein gelassen und sähen ihr Engagement nicht ausreichend gewürdigt.

Dass es im Verhältnis zwischen Leitung und Basis in den vergangenen Jahren geknirscht hat, gibt auch Superintendent Michael Wegner zu. „In der Vergangenheit ist es zu einem Kommunikationsabriss und damit verbunden zu einem Vertrauensverlust zwischen der Leitung und den einzelnen Kirchengemeinden gekommen“, schreibt der Theologe im Anhang der Studie. Beide Seiten hätten zudem mit Überlastung zu kämpfen gehabt.

Diesen Eindruck bestätigt der Altenburger Pfarrer Reinhard Kwaschik. Während er zu seinem Amtsantritt 2007 noch auf ein achtköpfiges Team zurückgreifen konnte, um sich um die Brüderkirche und die Gemeinde in Kosma zu kümmern, hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich verringert. Mittlerweile, so Kwaschik, seien noch „anderthalb Pfarrer, ein Kantor und eine Gemeinde- und Jugenddiakonin“ im Einsatz – für alle drei Altenburger Stadtkirchen sowie die Gemeinden Kosma und Gödern-Romschütz. „Das ging zeitweise schon an die Substanz“, berichtet der Kirchenmann. „Die Kunst ist es jetzt, sich der Herausforderung zu stellen.“

Altenburger Land habe Vorbildfunktion

Mögliche Lösungswege haben die Autoren der Studie schon parat. Sie rufen dazu auf, das Ehrenamt stärker aufzuwerten und die Kommunikation und Transparenz bei Entscheidungsprozessen zu verbessern. Zudem müsste über neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, auch über Konfessionsgrenzen hinweg, nachgedacht werden.

Reinhard Kwaschik hat für seinen Bereich bereits einige Lösungen gefunden. Der Trick sei es, „die Energie und die Kräfte zu konzentrieren“, erklärt er. Das scheint ihm gelungen zu sein. Die Dorfgemeinden etwa wechseln sich alle zwei Wochen mit der Ausrichtung der Gottesdienste ab. Zudem habe er bereits viele Aufgaben an Ehrenamtliche übertragen. In den Dörfern werde mittlerweile alles, was nicht das geistliche Kerngeschäft sei, etwa die Verwaltung, selbstständig von den Gemeindekirchenräten organisiert. Zudem seien die Gemeinden insgesamt selbstständiger geworden. „Man braucht nicht den Pastor, um die Kirche aufzumachen“, erläutert Kwaschik seinen Ansatz. Jede Woche um 18 Uhr finde etwa das „Gebet fürs Dorf“ statt – mittwochs in Romschütz und donnerstags in Kosma.

Kwaschick betont aber auch, dass das Kerngeschäft, die geistliche Begleitung, sich durch diese neuen Ansätze nicht verschlechtert. Nach wie vor ist der Kirchenmann bei Gottesdiensten, Taufen und Trauungen, aber auch bei Beerdigungen im Einsatz, leistet Beistand bei schwerer Krankheit oder am Sterbebett.

Von Bastian Fischer

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