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Altenburger Land, Greiz und Gera gründen Fußballkreis

Altenburger Land, Greiz und Gera gründen Fußballkreis

Die Landkreise Altenburger Land und Greiz sowie die Stadt Gera haben einen gemeinsamen Fußballkreis gegründet. Zum Vereinigungsfußballtag in Gera wählten über 80 Delegierte den neuen Vorstand sowie die Mitglieder des neuen Kreisausschusses Ost- thüringen.

Gera.

 

 

 

 

Von Jörg wolf

Als sporthistorischen Tag bezeichnete Klaus Hübschmann, der einstimmig zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kreisfußballausschusses Ostthüringen gewählt wurde, die Fusion. Der aus Schmölln stammende Funktionär wagte vor dem vormittäglichen Wahlmarathon in einem Möbelhaus am Geraer Stadtrand vor 82 Delegierten einen Blick in die Fußballgeschichte. In Leipzig hätten sich am 28. Januar 1900 insgesamt 86 Vereine aus ganz Deutschland getroffen, um den Deutschen Fußballbund ins Leben zu rufen. "Die heute anwesenden Delegierten repräsentieren sogar 92 Vereine aus Gera, dem Altenburger Land und Greiz mit 9654 Mitgliedern. Allein dies zeigt, welchen immensen Stellenwert der Fußball hat", sagte Hübschmann. Ob die neue und bedeutend großflächigere Organisationsstruktur jedoch die gewünschten Effekte bringe, vermochte auch er nicht zu sagen. "Es liegt an uns allen, dies umzusetzen", appellierte er. Und der Vorsitzende ließ leise Kritik durchklingen. Sicher sei es richtig, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung neue, großzügiger zugeschnittene Organisationsstrukturen braucht. Aber die vom Deutschen Fußballbund angestoßenen und von den Landesverbänden letztendlich mitgetragenen Veränderungen kämen von oben und müssten unten, eben in den Fußballkreisen, umgesetzt werden. "Das ist nicht immer gut", so Hübschmann. Glücklicherweise habe der Thüringer Fußballverband schon vor zwei Jahren das heiße Eisen einer Strukturreform angepackt und die Fußballkreise beizeiten an den Diskussionen beteiligt. Den heutigen Tag als eine Art Endpunkt dieser Entwicklung müsse man deshalb als historisch bezeichnen. Denn sowohl am Samstag als auch gestern fanden überall in Thüringen solche Fusionen statt. Aus bislang 21 Fußballkreisen wurden neun.

Der Chef des Kreissportbundes Greiz, Uwe Jahn, bezeichnete die Reform als "mutigen Schritt". Er selber habe anfangs zu den Skeptikern gehört, meinte er mit Blick auf die derzeit in Thüringen stattfindenden Diskussion einer Gebietsreform. "Aber auch der Sport muss sich solchen Tendenzen stellen, um zu vermeiden, dass mangels Personal Mannschaften nicht mehr spielfähig sind oder ganze Ligen ausgedünnt werden. Das ist nicht nur im Fußball so, dem müssen sich auch andere Sportarten stellen", sagte er. Sehr deutlich unterstützte er Hübschmanns einleitende Worte: "Solche Reformen müssen von unten nach oben und nicht umgekehrt vollzogen werden."

Der Landrat des Altenburger Landes, Sieghardt Rydzewski (parteilos), erklärte, die Debatte "sehr aufmerksam" verfolgt zu haben. Kein Wunder: Wird diese sportorganisatorische Reform doch exakt in jenen Grenzen vollzogen, die auch bei einer möglichen Kreisgebietsreform gezogen werden könnten, gegen die sich Rydzewski mehrfach vehement ausgesprochen hatte. "Ich bin heute ein wenig zusammengezuckt, als immer wieder der Begriff Großkreis fiel", erneuerte der Landrat seine Kritik. Natürlich wünschte er den Fußballern mit ihrer Reform "viel Glück und gutes Gelingen". Auch weil er selbst um die großen Probleme weiß, die der Fußball vor allem im ländlichen Raum angesichts fortwährender Abwanderung hat. Die Entscheidung bezeichnete Rydzewski trotz aller Skepsis als vorausschauend "über die nächsten zehn bis 15 Jahre hinweg". Von den Fußballern würde eine Signalwirkung auf andere Sportarten ausgehen, die vor ähnlichen Problemen stehen.

Welche Mannschaften in der kommenden Saison in welcher Liga antreten, steht aber vor allem im Unterbau noch nicht fest. Klar ist schon, dass vor allem auf die derzeit in den Kreisligen antretenden besten Mannschaften in der kommenden Saison längere Fahrtwege im Punktspielbetrieb zukommen. Aus den bisher zwei Kreisligen und der Geraer Stadtliga werden zwei Staffeln in einer sogenannten Kreisoberliga zusammengefasst. Auch Klassen tiefer könnte eine Ausdünnung folgen: "Wir wissen derzeit noch nicht, wie viele Mannschaften insgesamt auf der Ebene der Kreisklassen antreten werden. Kommen da in den jeweiligen alten Kreisen nicht genug zusammen, dann müssen dort auch Staffeln zusammengelegt werden", sagte Hübschmann der OVZ. Thematisiert wurde dieses für viele Vereine gravierende Problem am Samstag allerdings nicht.

Unspektakulär verliefen die Wahlen. Eine Strukturkommission hatte schon im Vorfeld Kandidaten für die zu vergebenden Ämter in den drei Fußballkreisen gesucht und konnte für alle Posten Vorschläge machen. Diese gingen bei den Delegierten einstimmig durch - mit Ausnahme des neuen Chefs des Sportgerichts. Der Greizer Michael Fritsch bekam eine Gegenstimme und ein Delegierter enthielt sich. Der 44-jährige Studienrat im Weidaer Gymnasium, in Fußballerkreisen als harter, aber gerechter Richter bekannt, sah das völlig sportlich. "Ich weiß, dass mich nicht alle mögen. Aber ich werde alle Vereine gleich behandeln", sagte er.

Einstimmig gewählt wurden neben Klaus Hübschmann als Vorsitzender Dieter Köbke aus Greiz zu seinem Stellvertreter und Schatzmeister sowie Martina Klebsch aus Gera zur Stellvertreterin und Verantwortlichen für Mädchen- und Frauenfußball. Der Altenburger Gerd Meister ist neuer Spielausschusschef, Reinhard Weber, ebenfalls aus Altenburg, Vorsitzender des Öffentlichkeitsausschusses.

 

-Kommentar Seite 13

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