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Altenburger Land droht Hebammen-Mangel

Altenburger Land droht Hebammen-Mangel

Dem Altenburger Land droht ein massiver Mangel an Geburtshelferinnen. Auf der jüngsten Sitzung des Kreistagsausschusses für Soziales und Gesundheit ist schnell klar geworden: Das deutschlandweite Problem, dass die selbstständigen Hebammen ihre Versicherungen nicht mehr bezahlen können, macht auch um den Landkreis keinen Bogen.

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Nicht nur im Kreißsaal, sondern auch in der Nachsorge haben die Geburtshelferinnen viel zu tun. Hier betreut Hebamme Ute Hofmann die Gößnitzerin Anja Hupfer und ihre am Sonntag geborene Amelie im Klinikum Altenburger Land.

Quelle: Mario Jahn

"Es nimmt zu, dass mich Ärzte oder Frauen anrufen, weil sie keine Hebamme finden", sagte Birgit Knoll, die seit sieben Monaten selbstständige Beleghebamme am Klinikum Altenburger Land ist, vor dem Ausschuss. Viele schwangere Frauen hätten bis wenige Wochen vor der Geburt keine entsprechende Betreuung. Diesen Eindruck bestätigte auch Ulrike Dittmar. "Immer mehr ziehen sich aus der Geburtshilfe zurück", so die freiberufliche Familien-Hebamme aus Thonhausen. "Wir haben in Thüringen bereits einen Hebammen-Mangel."

 

Konkrete Zahlen gibt es dazu laut Ausschusschef Christian Gumprecht (CDU) bisher aber nicht, weil diese Berufsgruppe verschiedene Einnahmenquellen hat und zudem oft kreis- oder länderübergreifend arbeitet. "Eine Studie wurde aber in Auftrag gegeben."

 

Hintergrund des drohenden Mangels sind die stetig steigenden Beiträge zur Berufshaftpflicht. "In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich verzehnfacht", sagte Gumprecht und Knoll ergänzte: "Derzeit zahlt eine selbstständige Hebamme 4242 Euro pro Jahr, ab Juli sind es 5090 Euro und im Juli 2015 werden es über 6000 Euro sein. Das muss man erst mal verdienen." Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Schlimmstenfalls gibt es gar keine Versicherung mehr, wodurch der Berufsstand aussterben würde.

 

Dabei ist das ein Paradox. Denn keineswegs machen Geburtshelferinnen mehr Fehler als früher. Allerdings leben kranke oder behinderte Kinder durch den medizinischen Fortschritt länger und verursachen daher höhere Kosten. Einige Unternehmen wollten dieses Risiko nicht länger eingehen und stiegen deshalb aus dem Versicherungskonsortium aus. Dabei steht schon jetzt das Einkommen einer Hebamme nicht im Verhältnis zu ihrem Aufwand und ihrer Verantwortung.

 

"Laut Igel-Studie verdienen wir pro Stunde 8,50 Euro", so Dittmar. "An Anerkennung fehlt es nicht, aber wenn eine Hebamme gut ist und nichts macht, gibt es auch kein Geld." Das gebe es nur für den Einsatz einer Glocke, für Schnitte und Co. "Und: Angesichts dessen, dass zehn bis 15 Prozent der Frauen eine Wochenbett-Depression entwickeln und wir für einen Hausbesuch nur eine halbe Stunde bezahlt bekommen, reicht das hinten und vorne nicht." Zumal die Arbeit als Familien-Hebamme viermal so viel Kraft koste wie die Betreuung "nur" einer Schwangeren oder Wöchnerin.

 

Den immensen Aufwand unterstrich auch ihre Kollegin Knoll: "Wir sind sieben selbstständige Hebammen am Klinikum, die 24 Stunden präsent sind. Wir gewährleisten die Betreuung von der Schwangerschaft bis zum Ende des Stillens und haben alle eine Akupunktur- und Homöopathie-Ausbildung." Aufgrund dessen fordern die Hebammen eine angemessene Entlohnung und eine Deckelung der Schadensrisiken bei Geburten.

 

Eine wirkliche Hilfe konnte ihnen der Sozialausschuss aber nicht anbieten, da weder die Versicherungs- noch die Vergütungsproblematik in seinen Einflussbereich fallen. Allerdings sicherten die Kreisräte den Hebammen moralische Unterstützung zu und hoffen auf eine Lösung auf Bundesebene. Einzige direkte Möglichkeit, das Problem zumindest für die am Krankenhaus tätigen Geburtshelferinnen zu lösen, wäre eine Festanstellung und damit eine Übertragung der persönlichen Haftung auf das Klinikum. "Wir haben im Aufsichtsrat die Geschäftsführung darum gebeten, dies zu prüfen", erklärte Gumprecht dazu.

 

Von angestellten Hebammen hatte sich das kreiseigene Unternehmen allerdings vor sechs Jahren aus Kostengründen verabschiedet.

Thomas Haegeler

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