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Altenburger Landfrauen informieren über den Einsatz von Enzymen beim Reinigen

Waschen bei 30 Grad Altenburger Landfrauen informieren über den Einsatz von Enzymen beim Reinigen

Eine Waschmaschine ausschließlich mit weniger als 60 Grad Celsius zu betreiben, ist nicht empfehlenswert. Denn um Bakterien abzutöten, braucht es mindestens 60 Grad Celsius. Zwar schaffen Waschmittel mit Enzymen Abhilfe. Doch die meist gentechnisch veränderten Enzyme landen am Ende im Abwasser.

Kalte waschen ist weit verbreitet, das spart Energie und schonempfindliche Kleidung. Industrie versieht Waschmittel deshalb mit Enzymen, um Bakterien trotzdem abzutöten.

Quelle: dpa

Altenburg. Es ist gar nicht so lange her, da gab es in jedem Haushalt ein Waschbrett. Die große Wäsche war damals zwar eine kräfteraubende Pflichtaufgabe, viel zu beachten gab es dabei aber nicht. Zumindest nicht im Vergleich zu heute. Hightech-Maschinen und spezielle Waschmittel für beinahe jedes Kleidungsstück bieten viel Raum für Fehler, die nicht nur die Kleidung, sondern vor allem auch die Umwelt belasten können. Seit nunmehr zwölf Jahren lädt deshalb der Kreisverband der Landfrauen in Altenburg im Frühling zu einer Informations- und Aufklärungsveranstaltung zum Thema nachhaltiges Waschen ein.


Kalt waschen ist weit verbreitet

Kalt waschen ist weit verbreitet. Das spart Energie und schont empfindliche Kleidung. Die Industrie versieht Waschmittel deshalb mit Enzymen, um Bakterien trotzdem abzutöten.

Quelle: dpa

„Das Hauptproblem ist, dass die Leute von den hochkonzentrierten Waschmitteln viel zu viel nehmen“, weiß Landfrau Carmen Wolf. Aufklärung tue not, da die Chemie Flüsse, Seen und das Grundwasser belastet. Wie sie weiter erklärte, habe sich die Industrie bereits in den 1990er-Jahren selbst verpflichtet, die Waschmittelmenge um die Hälfte zu senken. Damit sollte dem schlechten Image auf Grund der hohen Phosphatbelastung begegnet werden. Das sei eigentlich auch mit der Einführung der Kompaktwaschmittel erreicht worden. Jedoch würden die Verbraucher eben nicht den Mengen-Empfehlungen folgen, erklärte Wolf den Zuhörern zur jüngsten Auflage des Infonachmittags, der wieder in den Räumlichkeiten der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) stattfand.

Neben solchen allgemeinen Ratschlägen, zu denen auch der Verweis auf Hausmittel wie das Waschen mit Essig gehörte, stand die Veranstaltung aber unter der Überschrift „Waschen bei 30 Grad Celsius“. Denn der Trend zum Sparen hält an. Und bei geringer Temperatur zu waschen, spart viel Energie. „Dazu kommt, dass gerade junge Leute heute kaum noch Wäsche haben, die hohe Temperaturen vertragen“, so Wolf. Doch das „Kalt“-Waschen habe auch Nachteile. Denn um Bakterien abzutöten, braucht es eigentlich mindestens 60 Grad Celsius – jene Temperatur, bei der Eiweiß zu gerinnen beginnt. „Wer immer nur kalt wäscht, schafft in seiner Maschine Bedingungen, unter denen sich Bakterien wohl fühlen und stark vermehren“, klärte Wolf auf.

Industrie rückt Bakterien mit Enzymen zu Leibe

Abhilfe schaffen Waschmittel mit Enzymen. Die Enzyme – in lebenden Zellen steuern sie den Stoffwechsel – greifen Zellen an. So töten sie Bakterien ab oder sorgen beispielsweise im Schwarzwaschmittel für kräftige Farben, in dem sie helle Fusseln gewissermaßen auffressen. Ob diese Zusätze völlig unproblematisch sind, ließ Wolf offen. Jedoch verwies die Fachfrau, die jahrelang Hauswirtschafterinnen ausgebildet hat, darauf, dass die Enzyme ein Produkt der umstrittenen Gentechnik sind. Und dass sie wie die Phosphate und andere Waschmittelzusätze im Abwasser landen.

Darum kümmert sich die Ewa beziehungsweise deren Tochterfirma, der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsbetrieb Altenburg (Waba). Dieser erklärt auf Anfrage der Osterländer Volkszeitung: Nach allen Veröffentlichungen sei davon auszugehen, dass ein hoher Anteil der Waschmittel Enzyme und inzwischen auch gentechnisch veränderte Enzyme enthält. „Das ist jedoch vom Abwasserentsorger nicht zu kontrollieren.“ Maßgebend sei die Einhaltung der gesetzlichen Standards. Was die Auswirkung der Enzyme auf die Abwasserklärung angeht, seien weder positive noch negative Auswirkungen festgestellt worden, so die Waba.

Auch was das Wassersparen angeht, gibt die Firma Entwarnung. Zwar könne grundsätzlich ein abschnittsbezogener, deutlich sinkender Verbrauch zusätzliche Maßnahmen und Kosten zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität erfordern, teilt der Waba mit. Im Gebiet der Stadt Altenburg gebe es aktuell diesbezüglich aber keine Probleme. Nicht zuletzt, weil sich der Wasserverbrauch seit 2005 in Altenburg stabilisiert hat. Die circa 85 Liter pro Tag und Haushaltsabnehmer liegen jedoch unterhalb des Bundesdurchschnitts, der rund 121 Litern beträgt.

Von Jörg Reuter

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