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Altenburg Altenburger Landrätin bringt neues Kreiskonstrukt ins Spiel
Region Altenburg Altenburger Landrätin bringt neues Kreiskonstrukt ins Spiel
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20:53 22.04.2016
Oben spielt die Musik, unten gibt es Smalltalk an den Stehtischen. Etwa 400 Gäste kommen zum Jahresempfang des Landkreises. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Integration von Flüchtlingen, wirtschaftliche Entwicklung und Gebietsreform – diese drei Themen bestimmten am Freitag die Festansprache von Landrätin Michaele Sojka (Linke) zum Jahresempfang von Landkreis, Sparkasse und Klinikum Altenburger Land. Und nachdem es im vorigen Jahr Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow war, hatte die Kreischefin dieses Mal mit dem Linken-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch einen weiteren prominenten Parteifreund als Gastredner geordert. Als passionierter Skatspieler habe er zu Altenburg nicht Nein sagen können, so der 58-Jährige vor den rund 400 Gästen.

„Ja, wir haben das gemeinsam bis hierher gut geschafft“, meinte Sojka angesichts des Flüchtlingsansturms im vorigen Jahr. Die Aufnahme und Unterbringung der Menschen habe aus ihrer Sicht „hervorragend geklappt“. Bei der Integration „steht noch ein weiter und schwerer Weg bevor“, sagte die 53-Jährige. „Angesichts des demografischen Wandels ganz besonders in unserem Landkreis, können und werden Flüchtlinge eine Bereicherung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft sein, wenn es uns gemeinsam gelingt, Ängste abzubauen.“ Es werde an den eigenen Integrationsbemühungen liegen, ob sich die meist jungen Familien im Landkreis niederlassen oder in große Städte abwandern. Bartsch sprang Sojka später zur Seite. „Zur Integration gibt es keine Alternative“, so der Mann aus Berlin. Ein Zurück zum Nationalstaat sei der absolut falsche Weg, er würde zu Kriegen und Auseinandersetzungen führen.

Zur Gebietsreform brachte Sojka ein Konstrukt ins Spiel, das in Erfurt keiner auf dem Tableau haben dürfte. Sie erinnerte, dass von 1603 bis 1918 das Holzland als „Westkreis“ Bestandteil des Herzogtums Sachsen-Altenburg mit Altenburg als Residenzstadt war. Das heutige Altenburger Land habe mit Ronneburg den „Ostkreis“ gebildet. Eine Fusion mit Teilen des Saale-Holzlandkreises ist aus ihrer Sicht eine bessere Lösung als ein „Großkreis mit Gera und Teilen des Thüringer Vogtlandes“. Was weniger wundert, ist, dass die Linken-Politikern hinter der Reform steht. Ziel sei die Stärkung der kommunalen Ebene und Gerechtigkeit in der Verteilung der Schlüsselzuweisungen. Aber auch Sojka hat Bauchgrimmen. Der Zeitplan sei „mehr als sportlich“, die Funktionalreform „noch viel zu wenig sichtbar“, und auch die Parallelität aller Reformen machten ihr Sorge. Ein Weiterso werde aber schon wegen der finanziellen Rahmenbedingungen nicht gehen.

Wirtschaftlich ist das Altenburger Land aus Sojkas Sicht auf einem guten Weg. Der positive Trend habe in den vergangenen Monaten angehalten, was sich an den Beschäftigten- und Umsatzzahlen ebenso zeige wie am überdurchschnittlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Der hohe Anteil Langzeitarbeitsloser sei für sie aber noch immer „unerträglich“. Insgesamt seien 2015 im Landkreis 20 Millionen Euro Gewerbesteuern vereinnahmt worden. Gehe es den Unternehmen gut, gehe auch den Kommunen im Kreis gut.

Äußerst solide seien auch die kreiseigenen Gesellschaften aufgestellt, betonte die Landrätin. Selbst der Flugplatz sei aus den negativen Schlagzeilen heraus. Seine Ausrichtung zum Industrie- und Geschäftsflughafen sei der einzig erfolgversprechende Weg. Für einen leistungsstarken Landkreis spreche auch die Investitionssumme von 45 Millionen Euro seit 2012.

Der Landkreis werbe mit den Attributen „Wirtschaftsstark, familienfreundlich, kulturvoll“, bekräftigte Sojka: „Wir brauchen dringend Familien, die das Altenburger Land verjüngen.“

Nach dem offiziellen Teil wurde es im Lichthof des Landratsamtes laut an den Stehtischen. Der Ratskeller reichte Häppchen und Getränke, und die Bläsergruppe des Luckaer Blasorchesters thronte mit ihren Instrumenten über allen. Eingangs hatte das Altenburger Akkordeonorchester unter Leitung von Matthias Fiero aufgespielt.

Von Frank Prenzel

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