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Altenburger Landwirte suchen regionalen Schulterschluss mit Mühlen und Bäckern

Erntestart steht bevor Altenburger Landwirte suchen regionalen Schulterschluss mit Mühlen und Bäckern

Die Getreideernte auf den 4000 Hektar Wintergerste, 7500 Hektar Raps und den 12 500 Hektar Winterweizen, die in dieser Saison auf den Feldern des Altenburger Landes reifen, startet am Wochenende. Erwartet werden 80 Dezitonnen pro Hektar, was dem langjährigen Mittel entspricht. Um dem Preisdruck zu entgehen, streben die Bauern eine regionale Vermarktung an.

Bäcker-Obermeister Henning Gerth, Landwirt Tom Bauer und Müller Mathias Kertscher (v.l.) fachsimpeln über Weizeneigenschaften.

Quelle: Jörg Reuter

Mockzig. Ist der Mai kühl und nass, füllt er dem Bauern Scheune und Fass – von solchen einfachen Weisheiten wollen die Landwirte des Altenburger Landes nichts wissen. Zu viele Faktoren haben Einfluss, ob unterm Strich ein Ernteerfolg oder Misserfolg steht. Deshalb wollte sich am Montag kein Bauer auf Spekulationen über zu erwartende Erträge auf den 4000 Hektar Wintergerste, 7500 Hektar Raps oder den 12 500 Hektar Winterweizen einlassen, die in dieser Saison auf den hiesigen Feldern reifen. Es werde ein Ertrag von rund 80 Dezitonnen pro Hektar erwartet, verweist Kreisbauernchef Bernd Apel nur auf das langjährige Mittel.

Indes steht fest, Erntestart ist am Wochenende. Aus diesem Grund luden der Kreisbauernverband und der Erzeugerverband Thüringer Qualitätsgetreide zum ersten Erntegespräch nach Mockzig. Damit soll eine alte Tradition wiederbelebt werden, so Apel. Außerdem wollten die Gastgeber die gesamte Produktionskette von Samen bis zum Brötchen an einen Tisch bringen. „Denn wir haben festgestellt, dass Landwirte, Müller und Bäcker so gut wie nie zusammen kommen und deshalb von ihren jeweiligen Problem nichts wissen“, so Reiner Hecht, ehemaliger Geschäftsführer der Agrar T & P Mockzig. Und offensichtlich hatten die Saatguthändler, Getreideerzeuger sowie Müller Mathias Kertscher – der letzte im Altenburger Land – und die Vertreter der Bäckerinnung viel zu fachsimpeln.

Dabei ging es aber erst in zweiter Linie um Eiweißgehalt und Backeigenschaften. Denn Problem Nummer eines für alle ist der Preisdruck durch große Konzerne, egal ob Saatguthersteller, Hightech-Mühle oder Industriebäckerei. Auskömmliche Einnahmen, von denen die kleinen regionalen Betriebe, Handwerker und Agrarunternehmen sowie deren Mitarbeiter leben können, lassen sich in der Anonymität eine freien Marktes immer schwerer erzielen, so der Tenor. „Dabei ist es schade um den ausgezeichneten Weizen des Altenburger Landes“, fand Hecht.

Der größte Teil des Getreides werde nämlich aus dem Kreis exportiert, und dann würden Backmischungen ohne regionalen Bezug eingeführt. Ein Alternative dazu mit vielen Vorteilen könnte ein regionaler Produzentenverbund sein, den die Anwesenden zum Teil bereits praktizieren. Wie die Bäcker berichteten, würden regionale Produkte auch von den Kunden zunehmend nachgefragt und die Bereitschaft steige, dafür mehr auszugeben.

„Wir sind auf einem guten Weg“, so der Obermeister der Bäckerinnung, Hennig Gehrt, der aber betonte: Wenn das als künftige Geschäftsgrundlage taugen soll, müssten aber die Betriebe erhalten bleiben, eine Sorge gerade bei Bäckern und Müllern. Die Vorteile liegen auf der Hand, das wurde deutlich. Der Umgang untereinander sei fairer, die Lebensmittel seien gesünder und in der Region werden Arbeitsplätze gesichert.

Weil es nur noch sehr wenige Kleine gibt, kommt den Mühlen eine Schlüsselstellung zu. Im Kreis etwa gibt es nur noch die Mühle Gartschütz. „Wir verarbeiten ausschließlich Getreide aus Thüringen und produzieren circa 3000 Tonnen im Jahr. Früher waren es aber bis zu 6000 Tonnen“, so Mathias Kertscher. Zum Vergleich: Großmühlen haben eine Kapazität von 2000 Tonnen (Einheits-)Mehl pro Tag.

Von Jörg Reuter

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