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Altenburger Lindenau-Museum: Direktorin Nauhaus muss gehen

Keine Vertragsverlängerung Altenburger Lindenau-Museum: Direktorin Nauhaus muss gehen

Seit 1. Juli 2012 leitet Julia M. Nauhaus als Direktorin das renommierte Lindenau-Museum in Altenburg – ein kultureller Leuchtturm in Ostdeutschland. Nun muss die Kunsthistorikerin im Sommer ihren Posten räumen. Das Museum soll nach dem Willen seines Trägers einen neuen Leiter bekommen. Das sorgt beim Kuratorium für Protest.

Muss Abschied vom Lindenau-Museum in Altenburg nehmen: Julia M. Nauhaus, die das rennomierte Kunstmuseum seit 2012 leitet.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Altenburg.  Die geplante Ablösung von Julia M. Nauhaus an der Spitze des Lindenau-Museums im thüringischen Altenburg stößt auf Widerstand. Aus Protest erklärten am Mittwoch fünf Mitglieder des Kuratoriums für den Gerhard-Altenbourg-Preis ihren Rücktritt. Dazu zählen die Direktorin des Dresdner Albertinums, Hilke Wagner, und der Leiter des Ernst-Barlach-Hauses in Hamburg, Karsten Müller. „Mit der Nichtverlängerung des Vertrages von Dr. Julia M. Nauhaus haben Sie eine weitere Entscheidung getroffen, die aus unserer Sicht das Haus und den Preis zurückzuwerfen droht“, schrieben sie in einem Brief an Landrätin Michaele Sojka (Linke).

Sojka hatte zuvor in einer zwölf Zeilen langen Mitteilung erklärt, dass der Vertrag nach vier Jahren Ende Juni auslaufe und ein Nachfolger gesucht werde. Der Landkreis ist Träger des Museums. Zu den Hintergründen wurden keine Angaben gemacht. Auch Nauhaus wollte nichts zum Thema Vertragsablauf sagen: „Ich kann und werde mich dazu nicht äußern, weil das zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich  ist“, war das einzige, was die Kunsthistorikerin und Germanistin erklärte. Und, dass sie aus ihrer Sicht eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet habe, wie steigende Besucherzahlen und erfolgreiche Ausstellungen.

Protest gegen die Entscheidung

Dass ihr Vertrag nicht verlängert wird, wusste sie schon seit November. Informationen dieser Zeitung zufolge war ihr das von Vize-Landrat Matthias Bergmann mitgeteilt worden. Diese Information mailte Nauhaus danach unter anderen auch Mitgliedern des Kuratoriums für den Gerhard-Altenbourg-Preis. Darin bedauerte sie, dass sie nun wichtige Projekte nicht fortsetzen können wird. Lange Zeit behielten die Kuratoriums-Mitglieder diese Meldung für sich.

Heiß ging es offensichtlich in der letzten Kuratoriumssitzung zur Vergabe des Altenbourg-Preises her. Er wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert – zu den Preisträgern gehören Künstler wie Cy Twombly, Micha Ullman und Olaf Holzapfel. Offenbar stieß Sojka dort mit ihrem Ansinnen, die Auszeichnung nur noch alle drei Jahre auszuloben, auf Kritik. „Mit dieser Entscheidung wird die Bedeutung des Preises geschwächt“, erklärten die Nauhaus-Unterstützer am Mittwoch in ihrem Schreiben. Ein Preisträger für 2016 wurde bislang noch nicht öffentlich genannt.

Wer Wertvolles leistet, dessen Vertrag sollte eigentlich verlängert werden. Warum wird er es also nicht? Auf diese Frage wollte Sojka am Mittwoch nicht antworten. „Jeder Mensch habe Stärken und Schwächen“, sagte sie und warf die Frage auf, ob ein Mitarbeiter, dessen Vertrag verlängert werden soll,  jemand sei, den man brauche oder nicht. Sie, die Landrätin, brauche jemanden, der konstruktiv mitdenkt, wie das Lindenau-Museum saniert wird und wie die Arbeit auch ohne den geforderten Anbau in Zukunft bewältigt werden könne.

Besucherzahlen blieben unter der Marke von 20.000

Nauhaus hatte wegen erheblichen Sanierungsbedarfs am Museum Alarm geschlagen. Zugleich wurde in ihrer Zeit mit der Aufarbeitung des Nachlasses des Malers und Grafikers Gerhard Altenbourg (1926-1989) begonnen. Dazu wurden den Angaben nach bereits mehr als 3000 Werke in einer Datenbank erfasst. Bekannt ist das Lindenau-Museum für seine Sammlung frühitalienischer Tafelbilder, von denen einige derzeit in Vaduz (Liechtenstein) zu sehen sind. Zudem beherbergt es nach eigenen Angaben den weltweit größten Werkbestand von Altenbourg, einen Fundus antiker Keramik sowie eine Sammlung zu Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts mit Werken von Künstlern wie Conrad Felixmüller und Otto Dix.

Die Besucherzahl des abgelegen von Touristenströmen gelegenen Hauses blieb allerdings unter der Marke von 20.000 im Jahr.

Von Jens Rosenkranz (mit dpa)

Lindenau-Museum, Altenburg 50.99312 12.436657
Lindenau-Museum, Altenburg
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