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Altenburg Altenburger Markt zeugt von Weltgeschichte
Region Altenburg Altenburger Markt zeugt von Weltgeschichte
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07:07 10.11.2018
Der Altenburger Markt, hier in einer undatierten Aufnahmen aus dem 20. Jahrhundert, hat im Großen und Ganzen stets sein Gesicht gewahrt. Quelle: Alexander Vogel
Altenburg

In seiner über 800-jährigen Geschichte ist der Altenburger Markt direkt oder indirekt durch die Ereignisse der Weltgeschichte geprägt worden. Er hat verschiedene Staatsformen kommen und gehen sehen, Herrscher haben sich in Kutschen über sein Kopfsteinpflaster rollen lassen, Händler verkaufen seit jeher das, was die Altenburger Bevölkerung zum Leben braucht und sogar gestorben wurde zwischen den geschichtsträchtigen Gebäuden, bis der Galgen 1776 verlegt wurde.

Etwas überspitzt formuliert könnte man sagen, dass die frühe Entstehung des Altenburger Marktes auf den Stich einer Malariamücke zurück geht. Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa, machte sich im 12. Jahrhundert einige Feinde in Norditalien, sogar der Papst exkommunizierte den Staufer. Erst im Angesicht seiner Malaria-Erkrankung fürchtete Barbarossa um sein Seelenheil und schloss Frieden, um wieder in die Kirche aufgenommen zu werden. In der Absicht den Waffenstillstand zu wahren, zog der Kaiser sich auf seine Besitzungen nördlich der Alpen zurück und ließ die Konflikte in Italien vorerst ruhen.

Seit jeher wechseln Hopfen, Getreide und Wolle den Besitzer

Unter seiner Herrschaft blühte auch die Reichsstadt Altenburg auf, eine klare Anordnung von Straßen, Gassen und Märkten entstand. Mindestens sechs Mal besuchte Barbarossa selbst die Stadt. Zwar fällt die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Altenburger Marktes im Jahr 1192 in die Zeit nach seinem Tod, dennoch lässt sich davon ausgehen, dass sein Einfluss die Entstehung maßgeblich prägte.

Von da an wechselten Hopfen, Getreide, Honig und Wolle den Besitzer auf dem Marktplatz. Im Jahr 1419 ordnete ein weiterer Herrscher, Wilhelm II. „der Reiche“, an, dass es einen Jahrmarkt zwischen dem Sonntag nach Ostern und dem Sonntag nach Christi Himmelfahrt geben solle. Im 16. Jahrhundert wurde den Altenburger Händlern dann auch der Kramhandel sowie der Verkauf von Textilien und Gewürzen erlaubt – gute Zeiten für das Altenburger Land.

Als die Soldaten kamen, wurde die Nahrung knapp

Aber auch manche Krisen haben die Bewohner Altenburgs und ihr Markt überstanden. Der Herbstmarkt des Jahres 1598 musste abgesagt werden, weil die Pest das Land fest im Griff hatte. Die schlechte Hygiene an den öffentlichen Wasserstellen stellte eine Gefährdung der Gesundheit dar. Im Jahr der Völkerschlacht von Leipzig 1813, mussten preußische, sächsische und französische Truppen in der Skatstadt versorgt werden, für die Bevölkerung wurden daraufhin Butter, Käse, Salz und Branntwein knapp. Als die Franzosen vertrieben wurden, feierte das Volk umso mehr.

Das Angesicht des Marktes wurde immer wieder dem vorherrschenden Zeitgeist angeglichen. Im 19. Jahrhundert mussten beispielsweise viele einstöckige Bürgerhäuser den Neubauten der Gründerzeit weichen, so auch die im Stil der Renaissance gehaltene 400-jährige Ratswaage. Die Art zu handeln, wechselte so oft wie die Staatsform. Die Nationalsozialisten hoben die 1847 gegründete Konsum-Vereinigung Altenburgs wieder auf, zu DDR-Zeiten wurde sie wieder eingeführt und nach der Wende erhielt der Kapitalismus Einzug auf den Marktplatz. All diese Launen der Geschichte prägten und prägen seit jeher nicht nur das Angesicht des Marktes, sondern auch das Leben jener, die auf ihm ihre Waren verkaufen.

Von Pia Siemer

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