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Altenburger Naturschützer feiern Geburtstag

Zwei Sonderschauen im Mauritianum Altenburger Naturschützer feiern Geburtstag

Seit Donnerstag sind zwei neue Ausstellungen im Mauritianum zu sehen. „Unterwegs in Sachen Biodiversität“, Teil eins und zwei. Beide beschäftigen sich mit aktuellen oder in Kürze startenden Projekten der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg. Die feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen.

Die Sonderschauen zeigen aktuelle Projekte und erinnern an die enge Verbindung der Altenburger Naturforscher zur Familie Brehm.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Umweltministerin Anja Siegesmund konnte sich den kleinen Spaß am Donnerstagabend nicht verkneifen: Es gebe „gewisse phänotypische Ähnlichkeiten“ zwischen Mauritianums-Direktor Mike Jessat und Alfred Brehm, der mit „Brehms Tierleben“ international berühmt wurde. Der lange Rauschebart – eine unverkennbare Gemeinsamkeit. Doch die beiden eint noch weit mehr: die Freude an der Natur vor allem. Und gegenseitige Besuche, wenn auch mit Zeitversatz. Brehm als Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, sein Vater Christian Ludwig Brehm, veröffentlichte in Altenburg schon Anfang des 19. Jahrhunderts Artikel mit der Aufforderung, Arten wie Kreuzotter oder Saatkrähe zu schützen. Nun kommt Jessat nach Renthendorf, in die Heimat der Brehms. Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg, wie sie jetzt heißt, baut dort seit Jahresbeginn eine Natura-2000-Station auf. Sie ist landesweit tätig, steht in Verantwortung für den Erhalt von Auen, Mooren und Feuchtgebieten, beherbergt zudem die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in Thüringen. All das unterm Dach der Brehm-Gedenkstätte.

Natura 2000 ist ein Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union. „Hinsichtlich des Aufbaus dieser Strukturen lag Thüringen am Ende der vergangenen Wahlperiode bundesweit auf dem letzten Platz“, schilderte Anja Siegesmund. Seit ihrem Wechsel von der Opposition ins Ministerium setze sie sich ein, dass Versäumte nachzuholen, unter anderem mit einer Million Euro im aktuellen Landeshaushalt, mit der die Installation von elf Natura-2000-Stationen im Freistaat finanziert wird. Noch zwei weitere davon kamen in Obhut der Altenburger: die Station „Obere Saale“ in Pößneck, zuständig für die EU-Schutzgebiete in den Landkreisen Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt, sowie die Station „Gotha/Ilmkreis“. „Alle Stationen werden jeweils mit Partnern vor betrieben“, betonte Mike Jessat. „Sie hatten uns gefragt, ob wir diese Aufgabe übernehmen können.“

Es ist ein offenkundig guter Ruf, den die Naturkundler und Wissenschaftler aus Altenburg im Lande haben. Projekte aus der Region, die auch andernorts Nachahmung finden, sorgen dafür. „Die Arbeit der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg geht über den Betrieb des Museums Mauritianum weit hinaus“, schilderte der Direktor. Erst recht seit 2015, als im Zuge einer neuen Satzung die Themen Artenerhalt und aktiver Naturschutz gestärkt wurden. „Wir wollen nicht nur zugucken und schlimmstenfalls Sterbebegleiter sein, sondern selbst etwas tun und verändern“, erklärte Jessat.

Was das bedeutet, ist seit Donnerstag in zwei neuen Ausstellungen im Mauritianum zu sehen. „Unterwegs in Sachen Biodiversität“, Teil eins und zwei. Beide beschäftigen sich mit aktuellen oder in Kürze startenden Projekten der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg. Im Parterre geht es um die Natura-2000-Stationen, im Obergeschoss um Aktivitäten im Altenburger Land sowie der näheren Umgebung. Auffällig sind die vielen Angebote für Kinder: An diversen Tischen kann die Natur spielerisch erfahren werden – beim Blatthornkäfer-Memory, beim Scheckenfalter-Puzzle oder Wiesenknopf-Ameisenbläuling-Domino.

Thematisiert werden in den Schauen zum Beispiel die Weideflächen in der Wieraaue, wo das Grünland zugunsten von Kräutern und Insekten mit robusten Rinderrassen kurzgehalten wird. Oder die Reaktivierung der Gerstenbachaue nördlich von Altenburg, wo Bachschleifen und Überschwemmungsflächen angelegt werden. Auch an den weiter entfernten Stationen soll zum Teil wiederhergestellt werden, was der Natur verloren gegangen ist, um zum Beispiel den Lebensraum bedrohter Falter- oder Käferarten zu erhalten. „Die Natura-2000-Stationen ein echter Meilenstein. Ich nenne sie die drei kleinen Schwestern des Mauritianums, die an ihrer Arbeit vor Ort wachsen sollen“, so Jessat.

Gewachsen ist die Altenburger Naturforschung mit den neuen Aufgabenfeldern schon jetzt. „Dass das mit unserem 200-jährigen Bestehen zusammenfällt, ist Zufall, aber ganz hervorragend.“ Der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten soll zum Gründungstag im Juli sein. Bis dahin, so hofft Jessat, ist auch der Vertrag zwischen Landkreis und Gesellschaft verlängert worden, der dem Verein als Museumsbetreiber jährlich 269 000 Euro Finanzierungszuschuss sichert. Der jüngste Kontrakt läuft bald aus. Landrätin Michaele Sojka (Linke) und Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) bekräftigten am Donnerstag den dringenden Wunsch, dass der Kreistag im Juni der Verlängerung zustimmen möge.

Von Kay Würker

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