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Altenburger Schlachthof rüstet um: Ab Juli soll’s weniger müffeln

Neue Investitionen Altenburger Schlachthof rüstet um: Ab Juli soll’s weniger müffeln

Mit Investitionen in neue Technik will der Schlachthof Altenburg weniger Lärm und Gestank machen und die Auflagen erfüllen, um die Produktionsmengen steigern zu dürfen. Unklar ist allerdings die Finanzierung einer Abwasserdruckleitung vom Betrieb zum Klärwerk, die bis Ende 2017 gebaut werden und die Gerüche in Wohngebieten reduzieren soll.

Die neue Betäubungsanlage im Inneren des Betriebes zählt zu den Investitionen, die zu weniger Lärm beitragen sollen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Weniger Lärm und Gestank hatten die Altenburger Schlachthofbetreiber im Mai letzten Jahres versprochen. Anlass war eine beantragte Produktionsweiterung von 440 auf 660 Tonnen am Tag. Zumindest einen Teil der dafür nötigen neuen Technik will der Betrieb nun installieren. Derzeit entsteht ein neuer Abluftkamin, der Brühtunnel und Stalllüfter gleichzeitig bedienen soll. Ebenso wird eine Waschhalle für die Reinigung der Viehlaster gebaut, die bislang im Freien gesäubert werden, was eben lärmt. Zu den Investitionen zählen eine neue Betäubungsanlage einschließlich eines CO 2-Tanks.

Auf die ebenso angekündigten und auch vom Landesverwaltungsamt geforderten baulichen Veränderungen am Kamin der Verpackungsanlage verzichtet die Geschäftsführung. Die dafür vorgesehene Verpackungsmaschine werde nicht länger eingesetzt, sondern durch eine andere Anlage ersetzt wird. Das teilte Thomas van Zütphen, einer der Pressesprecher von Vion Food Deutschland, dem Eigentümer des Schlachthofs, auf eine Anfrage mit. „Die Umrüstung der Betriebsanlagen soll bis Anfang des Sommers abgeschlossen sein“, sagte er. Dann stehe die Abnahme durch die Behörden an. Planmäßig solle dann im Juli die neue Infrastruktur in Betrieb genommen werden.

Das Landesverwaltungsamt war dem Schlachtbetrieb bei der Genehmigung seiner Produktionserweiterung immer wieder weit entgegengekommen, obwohl es massive Beschwerden der Bevölkerung wegen Lärms und Gestanks gegeben hatte. So wurden die angestrebten Schlachtmengen schon längst erreicht, ehe die Erweiterung überhaupt öffentlich erörtert worden war. Eine Erlaubnis wurde schließlich nur für den Fall in Aussicht gestellt, dass sämtliche Auflagen erfüllt sind. Davon rückte das Landesverwaltungsamt ab, als es am 23. September 2015 die Kapazitätserweiterung genehmigte, obwohl die geforderte Umrüstung des Betriebes nicht stattgefunden und nun erst im Sommer abgeschlossen sein soll.

Auch deshalb war der Schlachthof im November erneut Thema im Bauausschuss des Altenburger Stadtrates. Denn die Volksvertreter wollten wissen, wann das Unternehmen mit seinen Bauarbeiten beginnt. Bürgermeisterin Kristin Moss schätzte diese Thematik jedoch als so vertraulich ein, dass sie darüber nur im nicht öffentlichen Teil informierte. Viel brennender interessierte die Stadträte allerdings, was aus dem ebenso geforderten Bau einer Abwasserdruckleitung vom Betriebsgelände zur Kläranlage bei Primmelwitz wird. Denn im Moment laufen die müffelnden Abwässer noch durch Wohngebiete, wie beispielsweise die Brunnenstraße. Geschätzte Kosten für den Kanal: zwischen 2,5 und 4,5 Millionen Euro, die zunächst beim Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsbetrieb Altenburg (Waba) landen.

Da der Waba diese Summe nicht aufbringen kann, hofft Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) auf eine Förderung von bis zu 90 Prozent. Der Waba hatte deswegen eine Fördervoranfrage gestellt, deren Ergebnis spätestens in diesem Monat vorliegen soll. Erst danach kann mit den Planungen begonnen werden, die vorsehen, dass die Leitung Ende 2017 fertig ist und 2018 in Betrieb geht.

Vorausgesetzt, die Finanzierung ist gesichert. Das ist sie aber nicht. Denn Rathaus und Waba gehen davon aus, dass sich auch der Schlachthof an den Kosten beteiligt, einschließlich bei der ebenso nötigen Umrüstung der Kläranlage. Noch ist unklar, ob der Betrieb dies tut. Vion, der Eigentümer, ließ eine entsprechende Anfrage nahezu unbeantwortet: „Mit Hinblick auf die Abwasserdruckleitung haben die Geschäftsführung der Südostfleisch GmbH und die kommunale Verwaltung aktuell ihre Gespräch aufgenommen.“, hieß es lapidar.

Ex-Stadträtin Stefanie Apel, die jetzt als berufene Bürgerin im Bauausschuss sitzt, ist mit dem Stand des Verfahrens deswegen völlig unzufrieden. „Bis jetzt hat sich gar nichts getan, und das ist nach so langer Zeit völlig unbefriedigend“, sagte sie. Von der Verwaltung höre sie immer wieder, dass sie sich gedulden soll. Doch mit der Geduld sei für sie und viele Anwohner bald Schluss. Fakt sei, dass es weiter stinke und der Betrieb nachts lärmt.

Von Jens Rosenkranz

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