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Altenburger Schlossgeheimnisse: Wer hinterließ im alten Fouriergebäude das französische Graffito?

OVZ-Serie Altenburger Schlossgeheimnisse: Wer hinterließ im alten Fouriergebäude das französische Graffito?

Verborgene Gänge und Räume, düstere Winkel, mysteriöse Malereien – das Altenburger Residenzschloss fasziniert seit jeher Besucher und befeuert deren Fantasie. Das alte Ensemble meint man gut zu kennen, es besitzt allerdings viele Geheimnisse, die sich erst auf den zweiten Blick auftun. Die OVZ ist ihnen auf der Spur und sah sich diesmal im Fouriergebäude um.

Nur eines Geheimnisse im Fouriergebäude: Die rätselhafte Inschrift eines Franzosen über einer alten Holztür.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Man sieht es dem alten Gemäuer nicht an, dass es sich um eines der rätselhaftesten Gebäude im Schlossensemble handelt. Und eigentlich gehen viele Besucher auch achtlos an ihm vorbei, wenn sie den Torturm durchschreiten und sich dem Hauptgebäude, der Junkerei, dem Hausmannsturm oder anderen repräsentativen Bauwerken im Rund zuwenden: Das Fouriergebäude. Es ist dem Nebenschiff der Schlosskirche vorgesetzt, verdeckt sie damit und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Man muss schon sehr genau hinsehen, um den Knick in der Mitte zu erkennen, der nur erahnen lässt, dass es sich um zwei Häuser handelt. Der linke Teil gehört zur Schlosskirche, worauf auch das spitzbogige Fenster hinweist. Der rechte ist jenes Fouriergebäude.

Seine Bezeichnung weist zunächst auf eine militärische Bedeutung hin, wonach ein Fourier für den mit den Verpflegungsgeschäften beauftragter Unteroffizier ist. Fourierräume sind auch Lager für Lebensmittel, Bekleidung, Ausrüstung und Waffen, was nicht wundert, weil sich gleich nebenan die alte Schlosswache befindet. Die Bezeichnung in Altenburg bezieht sich nachweislich auf die Nutzung des Gebäudes im 19. Jahrhundert, als der Hoffourier dort seine Amtsstube hatte und darin säuberlich und bis heute nachweislich dokumentierte, wer und was im Schloss herein- und herauskam.

Dennoch birgt das Gebäude mehrere Geheimnisse, und im Dachboden befindet sich außerdem die älteste Holztreppe des Schlosses, die um 1595 errichtet wurde und noch im Originalzustand erhalten ist. Das größte Rätsel sind jene Reste einer Wandmalerei, die man eigentlich gar nicht richtig sehen kann, denn sie verstecken sich in einem Zwischenraum, der nur einen Meter hoch ist und den man wegen seiner Enge und des hohen Alters gar nicht betreten mag. Denkbar ist, dass er zum darunterliegenden dritten Geschoss gehörte, der dann auf einen großen gewölbten Raum aus dem 16. Jahrhundert schließen lässt. Sein Umfang und die Qualität der Malerei deuten darauf hin, dass hier eine wichtige Persönlichkeit wirkte und lebte. Nur um wen handelte es sich? War es der Hofmarschall, auf dessen Amtssitz alte Akten hinweisen und der im Dachgeschoss auch seine Kammern hatte? Warum aber wurde der repräsentative und kunstvoll bemalte Raum mit einer Zwischendecke verkürzt und damit völlig verunstaltet? Wollte man Heizkosten sparen, gab es statische Probleme oder gingen die Malereien irgendjemandem auf den Zeiger?

Ebenso mysteriös sind jene alten Türstürze, die mit einer französischen Inschrift versehen sind, die von einem Henry aus der Picardie stammen, der offenbar im Dienste der Herzöge von Sachsen stand. Doch was war seine Aufgabe, was hatte er mit dem Fouriergebäude zu tun und warum hinterließ er sein mittelalterliches Graffito? Baugeschichtlich schleierhaft sind zum Dritten jene alte Farbfassungen in verschiedenen Räumen des Gebäudes unter alten Malschichten. Studenten hatten sie schon 1995 an etlichen Stellen hervorgearbeitet und dokumentiert.

Was sich leider nicht mehr finden lässt, ist jene Spindel- oder Wendeltreppe zwischen Erdgeschoss und erster Etage, auf die das runde Mauerwerk im Inneren und auch die in der Fassade bis heute sichtbar schräg nach oben gestellten Fenster hinweisen. Seit dem 19. Jahrhundert wird die runde durch eine eckige Holztreppe ersetzt. War das alte Teil den Bewohnern oder Bediensteten zu eng oder bekamen sie einen Drehwurm, auf den sie keine Lust mehr hatten? Die meisten Rätsel werden sich nicht mehr lösen lassen. Einige hätte dabei helfen können: die Herzöge und ihre Familien. Vom Fouriergebäude aus hatten sie einen direkten Zugang zur Fürstenloge in der Schlosskirche.

Eine Sonderführung durchs Fouriergebäude findet am 11. Juni statt.

Von Jens Rosenkranz

Altenburg Schloss 50.9882438 12.439564
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