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Altenburger Schlossmuseum erweitert seine Dauerausstellung

Spektakulär Altenburger Schlossmuseum erweitert seine Dauerausstellung

Das Residenzschloss ist für viele Altenburger sozusagen „seit Menschengedenken“ ein Museum mit vielen kostbaren Schätzen. Doch das stimmt so nicht ganz. Dies wurde am Donnerstag einmal mehr deutlich, als eine bemerkenswerte Neuerung verkündet wurde: Drei einst vom Herzog genutzte Räume werden bald zugänglich sein.

Schloss- und Kulturdirektor Christian Horn mit Fotos von Arbeitszimmer und Bibliothek des Herzogs und einem Blick in beide.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Das Residenzschloss ist für viele Altenburger sozusagen „seit Menschengedenken“ ein Museum mit vielen kostbaren Schätzen. Doch das stimmt so nicht ganz. Dies wurde am Donnerstag einmal mehr deutlich, als auf einer Pressekonferenz im Schloss eine bemerkenswerte Neuerung verkündet wurde: Ab Herbst 2017 soll die zweite Schlossetage für die Besucher vollständig als Teil der Dauerausstellung geöffnet werden. Drei Räume, die bisher ganz oder teilweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, werden gerade renoviert, restauriert und neu gestaltet.

Zur Geschichte: Ab 1920 wurde das Hauptgebäude des Altenburger Schlosses auf allen drei Etagen museal genutzt. Doch das änderte sich mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 abrupt. „Für Flüchtlinge musste Wohnraum geschaffen werden. Das Museum wurde geschlossen. Erst ab 1950 waren auf sehr beengtem Raum, nämlich ausschließlich in der dritten Etage, wieder Ausstellungen zu sehen“, erzählt Museumsleiterin Uta Künzl. Die anderen beiden Etagen beherbergten zu DDR-Zeiten unter anderem die Kreisparteischule der SED, das Wohnheim des Instituts für Lehrerbildung und weitere Behörden. „Leider“, so bedauert Künzl, „gibt es aus diesen Zeiten überhaupt kein Bildmaterial.“

Die politische Wende brachte auch dem Altenburger Schlossmuseum einen Umschwung. „Seit 1990 breiten wir uns wieder amöbenhaft im Haus aus“, freut sich die Museumsleiterin über die neuen Möglichkeiten für die Präsentation. Besonders spektakulär war die Nutzung der ersten Etage für die Spielkartensammlung. In der dritten Etage wird vorrangig die fürstliche Wohnkultur aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts gezeigt. Ein großer Traum aller Mitarbeiter war es deshalb, auch die zweite Etage – derzeit genutzt für die Ausstellung zum Prinzenraub – durchgehend präsentieren zu können. Nun wird er wahr.

Dies ist eines der ersten Ergebnisse einer Workshop-Reihe, die unter Leitung des neuen Schloss- und Kulturdirektors Christian Horn im Sommer dieses Jahres gestartet wurde. Nach den konzeptionellen Vorarbeiten haben nun erste restauratorische Maßnahmen begonnen. Die zweite Schlossetage wird der Präsentation des herzoglichen Wirkens im 19. und frühen 20. Jahrhundert gewidmet sein.

Konkret geht es um das sogenannte Zimmer 70, bisher für diverse Veranstaltungen wie Vorträge oder Lesungen genutzt wurde. Hier soll nach altem Vorbild das Arbeitszimmer des Herzogs wieder entstehen. Ein Gutteil des originalen Mobiliars ist glücklicherweise noch vorhanden. Die sich daran anschließende Bibliothek ist ohnehin kaum verändert worden. Auch sie wird künftig zu besichtigen sein.

Den größten Aufwand bringt wohl die Restaurierung des dritten Raums mit, der in den zurückliegenden Jahren bei größeren Veranstaltungen im Schloss immer fürs Catering genutzt wurde. Hier soll das Raucherzimmer wiederentstehen. „Wir wissen zwar nicht, ob der Herzog selbst geraucht hat, aber zumindest seine spätere Ehefrau soll Raucherin gewesen sein“, erzählt Uta Künzl.

Restaurator Mario Gawlik entfernt die alten Farbschichten von den Wänden

Restaurator Mario Gawlik entfernt die alten Farbschichten von den Wänden.

Quelle: Mario Jahn

Eine historische Aufnahme des Raums aus dem Jahr 1908 mit tollem, aber total verrußtem Kamin und einem Waffenschrank mit Wendeltreppe soll Anhaltspunkt und Vorlage sein. „Dort lag übrigens auch ein Bärenfell mit Kopf mitten im Zimmer, dass es leider nicht mehr gibt. Wir würden uns deshalb freuen, wenn wir eines bekommen könnten“, so Christian Horn. „Auf legalem Weg natürlich.“ Restaurator Mario Gawlik ist gerade dabei, die Originalbemalung aus Zeiten des Herzogs an den Wänden freizulegen – zu DDR-Zeiten einfach mit Leimfarbe überpinselt. „Sie ist einem wunderbaren Zustand“, freut er sich.

Insgesamt 15 000 Euro will das Schloss in die Gestaltung der drei neuen Räume investieren. „Für Vorträge und die Caterer müssen wir nun eine neue Lösung finden, denn es gilt Prioritäten zu setzen. Wir haben nicht täglich Vorträge, aber täglich Besucher“, so Horn.

„Die geplante Öffnung der zweiten Schlossetage als neuer Teil des Dauerausstellungsbereichs ist ein großer Gewinn für die Bürger der Stadt und für Touristen. Es gelingt dem Schloss- und Kulturbetrieb, auch bei knappen kommunalen Kassen kreative, neue Wege zu gehen“, freut sich Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD).

In der öffentlichen Wahrnehmung sollen in Zukunft außerdem die Besichtigungsangebote des Schloss- und Kulturbetriebes stärker entflochten werden, informierte Christian Horn. Das Schloss steht für die fürstliche Kultur, die Roten Spitzen für die Glaubenskultur und der Nikolaiturm für die Stadtkultur.

Von Ellen Paul

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