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Altenburger Schöffengericht verurteilt Alkoholiker zu Bewährungsstrafe

Diebstahl und Körperverletzung im Vollrausch Altenburger Schöffengericht verurteilt Alkoholiker zu Bewährungsstrafe

„Das war eine Ausnahme“, beteuert Jens Z. auf die Frage von Richter Sandy Reichenbach, ob zwei Flaschen Pfeffi und noch einige Bier hinterher so etwas wie sein täglich Brot seien. Denn nur mit einem derartigen „Training“ war Jens Z. wohl in diesem Zustand noch zu der Tat fähig, die ihn jetzt auf die Anklagebank des Altenburger Schöffengerichtes führte.

Vor dem Altenburger Schöffengericht wurde jetzt ein Alkoholiker zu einer Bewährungsstrafe und einer Therapie verurteilt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. „Das war eine Ausnahme“, beteuert Jens Z. auf die Frage von Richter Sandy Reichenbach, ob zwei Flaschen Pfeffi und noch einige Bier hinterher so etwas wie sein täglich Brot seien. An jenem 30. Juni 2015 schienen derartige Mengen an Alkohol doch Grundnahrungsmittel des 34-Jährigen gewesen zu sein, was ein später gemessener Alkoholpegel von sagenhaften 3,2 Promille bewies. Ein Wert, der schon zeigt, dass Z. einiges an Erfahrung mit Teufel Alkohol hat, ihm trotzdem nahezu tagtäglich in nicht geringem Maße zuspricht. Denn nur mit einem derartigen „Training“ war Jens Z. wohl in diesem Zustand noch zu der Tat fähig, die ihn jetzt auf die Anklagebank des Altenburger Schöffengerichtes führte.

An jenem Junitag hatte der Angeklagte seinem Stammdiscounter in Altenburg wieder einmal einen Besuch abgestattet. Biernachschub landete im Einkaufswagen, zwei Päckchen Tabak allerdings ließ der 34-Jährige in der Jacke verschwinden, und die zu klauen. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte schon der in dem Markt beschäftigte Detektiv Jens Z. genau im Auge. Auch weil der doch mit ziemlicher Schlagseite unterwegs und beileibe kein Unbekannter mehr war. Marktleiter und Detektiv stellten den Ladendieb und geleiteten ihn in ein Hinterzimmer, wo er den Tabak herausgeben sollte. Was Z. nicht einsah und den Raum verlassen wollte. Dabei griff er auch den Detektiv an, trat ihm unter anderen gegen das Bein. Ohnehin sei Z. ziemlich aggressiv gewesen. „Wie immer, wenn er betrunken ist. Nüchtern hingegen ist er eigentlich ein netter Kerl“, so der Detektiv im Zeugenstand. Die Polizei stellte wenig später den rekordverdächtigen Rausch von Z. fest.

„Räuberischer Diebstahl und vorsätzliche Körperverletzung“, warf Staatsanwältin Beate Kohlus-Kaminski dem Angeklagten vor, der seit einigen Jahren im betreuten Wohnen des Obdachlosenheimes lebt.

Alkohol als Treibstoff: Bei Jens Z., so stellte sich in der Verhandlung sehr schnell heraus, war das eigentlich der Alltag. Im Alter von gerade zwölf Jahren habe er mit dem Trinken angefangen, sagte er auf die Frage seines Verteidigers Dirk Schwerd. Sein Vater, selber Alkoholiker und an seiner Sucht schon 2004 verstorben, servierte allabendlich Bier. „Und später in der Lehre ging das richtig los, kam auch Schnaps dazu“, erzählte Z., der zwar eine Berufsausbildung als Hochbauer erfolgreich abschloss, aber danach niemals einer geregelten Arbeit nachging. Statt dessen hangelte er sich von Maßnahme zu Maßnahme und füllte die viele freie Zeit zwischendrin mit Bier und Schnaps.

Wer derart drauf ist, der macht schnell die ersten Schritte auf der berühmten schiefen Bahn. Noch dazu, wenn man wie Jens Z. im Rausch aggressiv wird, wie er auch selber sehr gut weiß. 25 Eintragungen stehen schon in seinem Bundeszentralregister: Ladendiebstähle, Hausfriedensbrüche, Beleidigungen, Fahren unter Alkohol und, und, und. Für sich genommen nicht die Schwerkriminalität in Reinkultur. Der räuberische Diebstahl und die Verletzung des Detektivs seien da schon ein anderes Kaliber gewesen, konstatierte Richter Reichenbach.

Aber die Konstanz, mit der Jens Z. an der Flasche hing und hängt, lasse einen um eine mögliche Perspektive auf ein geregeltes und trockenes Leben schon sorgen. Denn so richtig abstinent sei Z. nur in jenen Monaten gewesen, in denen er wegen seiner wiederholten Straftaten im Gefängnis saß.

Dabei spricht für den 34-Jährigen, dass er erst kürzlich aus eigenem Antrieb eine qualifizierte Entgiftung mit anschließender Langzeittherapie anschob, um vom Alkohol wegzukommen. Allerdings brach er die Therapie erst vor wenigen Wochen in Bad Klosterlausnitz ab, weil er Probleme mit einem anderen Patienten hatte.

„Ich würde es aber noch mal machen“, betonte der Angeklagte, wohl wissend, dass er im konkreten Fall mit mehr als einem Bein schon wieder im Knast stand. Noch dazu, wo er unter Bewährung stand, als er den Tabak stahl und den Detektiv angriff.

Das Gericht fällte letztendlich ein Urteil, mit dem Z. sehr wohl leben, aber sich nicht ausruhen kann. Da ein Promillewert über drei als Vollrausch, einhergehend mit nicht mehr vorhandener Steuerungsfähigkeit gewertet wird, verurteilte das Gericht Jens Z. wegen „vorsätzlichen Vollrausches“ zu acht Monaten Haft, die nochmals, aber unter strengen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wurden. „Sie werden angewiesen, eine stationäre Therapie wegen der Alkoholerkrankung durchzuführen und die nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Therapeuten abzubrechen“, so Richter Reichenbach.

Danach muss Z. in die ambulante Suchtberatung und zwölf Monate 40 Stunden monatlich an Arbeitsstunden ableisten, „damit sie wieder einen strukturierten Tagesablauf lernen“, so Reichenbach. „Und bei der kleinsten Übertretung werde ich sofort wieder ermitteln.“ Zudem solle es der Angeklagte bis zum Therapiebeginn tunlichst bei den fünf Flaschen Bier am Tag belassen, die er vorgab nur noch täglich zu konsumieren.

Das Urteil ist rechtskräftig. Denn bemerkenswert: In ihren Plädoyers hatten Staatsanwältin Kohlus-Kaminski wie auch Verteidiger Schwerd sich übereinstimmend für eine Verurteilung wegen vorsätzlichem Vollrausch ausgesprochen und exakt jene acht Monate Haft auf Bewährung gefordert, die das Gericht dann auch aussprach.

Von Jörg Wolf

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