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Altenburger Schüler gedenken der Pogromnacht vor 74 Jahren

Altenburger Schüler gedenken der Pogromnacht vor 74 Jahren

Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung haben zahlreiche Altenburger auf dem Markt gestern Abend an die Opfer der Pogromnacht vor 74 Jahren erinnert.

Altenburg.

 

 

Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung haben zahlreiche Altenburger auf dem Markt gestern Abend an die Opfer der Pogromnacht vor 74 Jahren erinnert. Altenburger Schüler breiteten ein meterlanges Banner aus, auf dem die Namen von 221 ehemaligen jüdischen Mitbürgern sowie ihrer Lebenspartner und Kinder mit ihren Kurzbiografien standen.

 

Vor dem Altenburger Rathaus erklangen zu leiser Musik Familiennamen wie Bucky, Kohn, Berlinski oder Dannemann. Allesamt einstige Einwohner von Altenburg und Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die 1938 von den Nazis vertrieben, interniert oder ermordet wurden. Gleichzeitig wurde für jeden Namen zum Gedenken eine Kerze angezündet.

19 Schüler der Gemeinschaftsschule Erich Mäder sowie des Friedrichgymnasiums hatten sich speziell mit dem Schicksal der zwischen 1920 und 1938 geborenen jüdischen Kinder in Altenburg auseinandergesetzt. Im Rahmen dieses Projektes entstand auch das Banner mit den Namen.

Initiiert hatte das Projekt der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land (Kora), der in diesem Jahr auch erstmals als Ausrichter der Gedenkfeierlichkeiten fungierte. Die Schüler haben in ihrer Freizeit an dem Projekt gearbeitet. "Das war sehr intensiv wie emotional", erinnerte sich der Schulleiter des Friedrichgymnasiums, Thomas Lahr. "Gerade in unserer schnelllebigen und zeitweise oberflächlichen Wohlstandsgesellschaft ist es wichtig, vor allem bei jungen Leuten die Erinnerung an solche dunklen und grausamen Kapitel wachzuhalten", meinte Lahr mit Blick auf den sich langsam ausbreitenden Kerzenschein. Raum für weitere Recherchen zum Schicksal der jüdischen Mitmenschen gebe es noch genug. "Viele Schicksale sind noch ungeklärt", sagte Kora-Chef Christian Repkewitz (SPD. Seine Schule wäre sofort wieder dabei, sicherte Lahr zu.

Zuvor hatten sich Vertreter aus Politik sowie von Vereinen an der Gedenktafel in der Pauritzer Straße getroffen. An der Stelle befand sich der Gebetssaal der jüdischen Gemeinde, der in der Nacht zum 10. November 1938 von uniformierten Horden verwüstet wurde. Die circa 100 Anwesenden legten zum Gedenken Blumen und Gebinde nieder.

"Lange wurde diese Pogromnacht verharmlosend als Reichskristallnacht bezeichnet", sagte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Die Gedenkstunde sei Erinnerung und Mahnung zugleich. Sie sei keine Vergangenheitsbewältigung, sondern die Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Landes und unserer Stadt, erklärte der OB. Das sei umso bedeutsamer vor dem Hintergrund, dass sich bis zum heutigen Tag solche menschenverachtenden Ansichten halten.

Wolf ging zugleich in seiner Rede konkret auf das Schicksal der Altenburger jüdischen Mitbürger ein. Dabei schloss Wolf mit einem Zitat von Elie Wiesel, nach dem heute eine Straße in Altenburg benannt ist: "Ich entschied mich, mein Leben der Verbreitung der Geschichte des Holocausts zu widmen, weil ich fühlte, als Überlebender schulde ich den Toten etwas und jeder, der nicht an sie erinnert, betrügt sie erneut".

Jörg Wolf

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