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Altenburg Altenburger Skatinstitution Hans Jäschke wird 80
Region Altenburg Altenburger Skatinstitution Hans Jäschke wird 80
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00:21 03.09.2017
Wird am Montag 80: die Altenburger Skatinstitution Hans Jäschke. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Wie feiert ein Hans Jäschke am Montag seinen 80. Geburtstag? Klar: Bei einem zünftigen Skatturnier in der Gartenkneipe Ost wird der Jubilar mit vielen Gratulanten emsig die Karten fliegen lassen. „Das hab ich schon zu meinem 70. Geburtstag gemacht – und damals kamen um die 70 Teilnehmer. Mit der gleichen Zahl rechne ich auch am Montag“, sagt Jäschke.

Dass der Altenburger derart viele Gratulanten haben wird, die zumeist auch ein ausgemachtes Faible für das hier in Altenburg erfundene beliebteste Kartenspiel aller Deutschen haben, aber nicht nur aus seinem Heimatverein von den Nobitzer Dausquetschern kommen, verwundert nicht. Immerhin ist der noch 79-Jährige so etwas wie eine Institution in der Welt der 32 Karten.

Und Jäschke lebt für den Skat. In seiner Wohnung ist mindestens ein Zimmer ganz und gar Bube, Dame, König & Ass gewidmet. „Ich habe alles erdenkliche rund um das Spiel und selbstverständlich auch Karten gesammelt“, sagt er nicht ohne Stolz.

Aber das macht noch nicht den großen Bekanntheitsgrad aus, den Hans Jäschke beileibe nicht nur in Skaterkreisen genießt und wo er Ehrenmitglied sowohl im Vorstand des Deutsch Skatverbandes wie auch im Skatgericht ist, die mittlerweile beide ihren Sitz wieder in Altenburg haben. „Dort, wo alles angefangen hat“, sagt Jäschke und hat daran mit eine gehörige Aktie, die ihm bis heute diese hohe Wertschätzung einträgt.

Rückblende: Mit sieben, acht Jahren kommt Jäschke 1945 mit seiner Familie aus Liegnitz in Niederschlesien als Vertriebener. „Der Weg führte direkt nach Altenburg, wo zu den klassischen Spielen wie Rommé oder 66, die als Kind mit den Eltern gespielt wurden, schnell der Skat dazu kam.“ Und das habe sich auch in der Zeit der Lehre an der Bergbaufachschule in Zwickau fortgesetzt, als solche Runden regelmäßig zum Internatsalltag gehörten. „Bei nur 90 Mark Lehrlingsentgelt tat es schon richtig weh, wenn man da drei, vier Mark verloren hat.“

Und auch später blieben die 32 Karten immer präsent, egal, ob im Sport als Fußballer oder als Leiter einer Verkaufsstelle. „Damals war ich auch oft bei kleinen Turnieren dabei, von denen es ziemlich viele gab. Ich habe mitgespielt, aber dann auch den Kontrolleur gemacht, weshalb man auf mich aufmerksam wurde“, erinnert sich Jäschke.

Der Name war also bekannt, als es 1962 die ersten Pläne gab, in Altenburg ein Skatgericht zu bilden. Sozusagen als Pedant zum zwar in Altenburg gegründeten Deutschen Skatgericht, das aber nach dem Krieg und dem Mauerbau seinen Sitz wie der Verband in Bielefeld nahm. „Wir waren damals ja der ständigen Kommission für Kultur beim Rat der Stadt unterstellt“, lacht Jäschke heute. „Und wir trafen uns damals im Klub der Intelligenz.“

Rund um das Skatgericht bildeten sich in der gesamten DDR so genannte Skataktive, die Skatturniere ausrichteten, von deren Teilnehmerzahlen heutige Veranstalter nur träumen können. Auch in Altenburg, das immer die unangefochtene Skathauptstadt der DDR war, gab es solche Runden mit bis zu 4000 Teilnehmern. „Da wurde zeitgleich in bis zu 14 Lokalen gespielt. Das war schon ein immenser logistischer wie organisatorischer Aufwand, für den wir aber immer um die 150 treuen Helfer an der Seite hatten“, erinnert sich das Urgestein fast ein wenig wehmütig.

Mitte der 1980er-Jahre gingen von dem in Altenburg beheimateten Skatgericht (Ost) ganz neue Impulse aus. „Es war einfach an der Zeit, die alte Skatordnung aus den 1920er-Jahren zu entstauben, sie zeitgemäßer zu gestalten. Sofort kam aus dem Westen der Aufschrei, die DDR stelle den Skat auf den Kopf“, lacht Hans Jäschke heute. Damals war er federführend bei dieser Reform dabei, die sich übrigens im Laufe der Jahre durchsetzte und mittlerweile allgemein gültig ist. „Ja, da hat sich der Osten mal durchgesetzt“, meint das Urgestein.

Und Jäschke stand auch ganz vorn, als nach der politischen Wende Skater aus Ost und West wieder zusammen kamen und eigentlich nur noch zusammengefügt werden mussten. Was letztendlich nicht so einfach war, hatten sich doch parallel sowohl in Altenburg wie auch in Bielefeld feste Strukturen gebildet, wenngleich vor allem so mancher einflussreiche Funktionär aus den alten Ländern an seinen Pfründen hing.

„Im Jahr 1990 wurden dann in Sachen Skatgericht schon Nägel mit Köpfen gemacht. Auf dem Kongress in Hamburg wurde beschlossen, den alleinigen Sitz wieder nach Altenburg zu verlegen. Und da war ich immer mit vorne dran“, ist Hans Jäschke bis heute stolz. Dass es dann noch ein vergleichsweise steiniger Weg sein würde, bis auch der Verbandssitz aus Bielefeld retour in die Skatheimat Altenburg kommt, was erst 2002 vollzogen wurde, konnten Jäschke und seine Mitstreiter damals nicht ahnen.

Heute betrachtet Hans Jäschke die Entwicklungen lieber ein wenig aus gewisser Entfernung, wenngleich man ihn bis heute immer wieder um Rat fragt. Manches, und da hält er nicht hinter dem Berg, gefällt ihm ganz und gar nicht. Auch in Altenburgs Skatszene. „Wir haben uns hier verzettelt und aufgerieben. Denn das Potenzial an sehr guten und bundesligatauglichen Skatspielern wäre hier durchaus da, was der Skatheimat Altenburg auch sehr gut zu Gesicht stehen würde. Aber statt dessen werkeln hier acht Klubs nebeneinander mal mehr, mal weniger erfolgreich herum.“

Am Montag aber will Hans Jäschke an seinem Ehrentag solche Gedanken außen vor lassen und sich mit seinen Gleichgesinnten auf das Wesentliche besinnen – auf die geliebten Karten. Vielleicht hat er ja dabei auch mal wieder so einen ganz fetten Grand Hand. Als Geburtstagsgeschenk für die Skatinstitution von Altenburg sozusagen.

Von Jörg Wolf

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