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Altenburg Altenburger Skatstadt Bullen sind im RB-Leipzig-Fieber
Region Altenburg Altenburger Skatstadt Bullen sind im RB-Leipzig-Fieber
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00:16 27.09.2016
Gut sichtbar hängt das acht Meter lange Banner der Skatstadt Bullen in der Red-Bull-Arena Leipzig und wirbt für den Altenburger Fanclub. Weil das Banner immer wieder im Fernsehen ist, kommen regelmäßig Anfragen. Quelle: Privat
Altenburg

Die vergangenen Wochen waren für die Skatstadt Bullen eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Erst trieb das knappe Pokal-Aus von Rasenballsport Leipzig gegen Dynamo Dresden den Fans aus dem Altenburger Land die Sorgenfalten auf die Stirn, die selbst der Punkt zum Bundesliga-Start gegen Hoffenheim nicht glätten konnte. Dann folgte die blanke Euphorie dank des 1:0-Erfolgs gegen Dortmund, die jedoch durch den Kreuzbandriss von Verteidiger Lukas Klostermann erneut einen Dämpfer erhielt. Ein Rückschlag, den das sensationelle 4:0 beim Hamburger SV, der für einen Tag sogar den zweiten Tabellenplatz brachte, schnell wieder vergessen machte. Daran änderte auch das 1:1 gegen Mönchengladbach wenig.

Das Logo der Skatstadt Bullen. Quelle: Privat

„Es nutzt nichts“, kommentiert der oberste Skatstadt Bulle Steffen Hurraß das jüngste Auf und Ab. Der Vorsitzende des 1. Ostthüringer RB-Fanclubs bezeichnet den Dortmund-Sieg als „genial“ und war „hellauf begeistert“ von der Stimmung zum Erstliga-Heimauftakt. „Das sah gut aus und war ein wahnsinnig emotionales Erlebnis von der ersten bis zur letzten Minute“, so der 46-Jährige, der nur beim Aufstiegsspiel gegen Karlsruhe ein solches Gänsehaut-Gefühl erlebte. „Da soll noch mal jemand sagen, wir sind ein Plastik-Club.“ Wie viel Leidenschaft in den Anhängern aus dem Altenburger Land, aus Meerane, Geithain, Kohren-Salis, Chemnitz und Leipzig steckt, zeigen die Skatstadt Bullen aber nicht nur bei Besuchen der Spiele.

So entwarf etwa Daniel Smets eine Mütze. „Aus Gag habe ich eine Zeichnung gemacht, die meine Frau umgesetzt hat“, erzählt der 33-Jährige, der sich beim Fanclub um Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Umgesetzt heißt hier: gehäkelt. „Ein Tatort, eine Mütze“, beschreibt der Gas-Wasser-Installateur das Tempo seiner Frau Nadine. Doch damit nicht genug. Während er die Mützen designt und seine Frau den Hauptteil herstellt, näht seine Mutter Fanclub-Logos auf die warme Ware. „Die Vereinsmütze ist unser Markenzeichen“, sagt Smets. „Damit finden sich unsere Mitglieder im Stadion immer wieder.“ Die Devotionalien sind derart beliebt, dass die Skatstadt Bullen darauf öfter angesprochen werden. Ergebnis: Familie Smets arbeitet nun für weitere RB-Fanclubs. Allerdings mit geändertem Design.

Bullen-Trio: Daniel Smets, Steffen Hurraß und Achim Dathe. Quelle: Privat

Vielleicht auch wegen dieses Herzbluts wirken die Skatstadt-Bullen wie ein Magnet auf die Fußball-Fans der Region. Das wiederum belegen die Zahlen. Begannen die Altenburger RB-Verehrer, die sich in der Red-Bull-Arena auf mehrere Blocks verteilen, zur Gründung am 7. Mai 2015 noch stilecht mit elf Leuten, sind es momentan 85 Mitglieder. Tendenz stark steigend. Die Idee entstand schon vor längerer Zeit. Ursprung war bei Club-Chef Hurraß wie auch seinem Vize Achim Dathe (35) der Wunsch, hochklassigen Fußball zu sehen und dies mit Gemeinschaft zu verbinden. Während sich Dathe, seit 2011 RB-Fan, aufgrund beruflicher Verpflichtungen zunächst scheute, traf Hurraß in Leipzig mehrfach frühere Mitspieler von Motor und Aufbau Altenburg. Oft diskutierte man die Idee unabhängig voneinander. Bis beide Chefs im Fitnessstudio die gemeinsame Leidenschaft entdeckten – und sich zusammentaten.

Letztlich spiegelt sich im Fanclub das Publikum der Roten Bullen: eine bunte Mischung mit familiärem Flair. So sind Skatstadt-Bullen zwischen 14 und 77 Jahre alt und vereinen vom Arzt über Schüler und Unternehmer bis zum Verkäufer so ziemlich alle Berufsgruppen. Dem entsprechend bietet man laut Selbstverständnis „familiäre Kameradschaft und Geselligkeit mit monatlichen Stammtischen und verschiedenen Events“. Heißt: Jeden ersten Donnerstag im Quartal gibt’s eine Mitgliederversammlung, einmal die Woche Fußballtraining plus Turnierteilnahmen, die Organisation von gemeinsamen Fahrten zu Heim- und Auswärtsspielen, Fantreffs oder -feiern sowie clubeigene T-Shirts, Schals und Mützen. Aber auch gemeinsames Fußball-Gucken, Bowling und Minigolfen in Familie standen schon auf dem Programm.

Fan-Ausrüstung: die Mützen sind selbst produzierte Renner. Quelle: Privat

Zwang sucht man dabei ebenso vergebens wie Fanatismus. „Ein Verein lebt davon, dass viele etwas machen“, sagt Dathe. „Das ermöglicht Wachstum und Leben.“ Da jeder andere Fähigkeiten habe, versuche man diese bestmöglich zu nutzen, erklärt Hurraß. So plane man auch diese Saison wieder zwei organisierte Auswärtsfahrten: in der Hinrunde nach Wolfsburg, in der Rückrunde noch mit offenem Ziel. „Alles andere leiten wir gerne ein oder dazu an“, so Gastronom Dathe. „Am Anfang haben wir alle viel Arbeit in den Verein gesteckt, inzwischen ist es ein Selbstläufer.“

Während die Kopfbedeckungen eher von Insidern wahrgenommen werden, sorgt das Heimbanner als ganz spezielles Werbemittel für neue Kontakte. „Beim ersten Mal haben wir es direkt übers Osttor gehängt, direkt gegenüber den Kameras“, erzählt Dathe und lacht. Damit sei es ständig im Fernsehen zu sehen gewesen. „Das war aber nicht abgesprochen, weswegen Verantwortliche noch in der Halbzeitpause zu uns kamen und sagten: ,Ey Leute, seid ihr wahnsinnig? Macht das runter!’“ Allerdings sei der Platz hinter der Gäste-Bank, den man seither inne hat, fast noch besser. „Deswegen kommen viele Anfragen.“ Eine bessere Werbung für Altenburg gibt es kaum.

Aber auch das Banner selbst liefert Stoff für eine Story. Als die Entscheidung dafür fiel, sollte es sechs Meter lang werden. „Wie meine Terrasse“, sagt Hurraß. Allerdings entschied sich sein Vize kurzfristig im Alleingang für acht Meter Länge. „Das ist Wahnsinn, ihr seid verrückt“, erinnert sich der Club-Chef an seine Worte, als man das Banner erstmals vor Dathes Restaurant in der Altenburger Baderei entrollte. „Unterm Strich war es aber die richtige Entscheidung von Achim, wenn man die Wirkung im Stadion sieht.“

Jubel-Duo: Klaus Rothe und Jürgen Pohle feiern den RB-Bundesliga-Aufstieg. Quelle: Privat

Geschichten wie diese haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren einige ereignet und sich den Machern genauso ins Gedächtnis gebrannt, wie jene von der ersten gemeinsamen Busfahrt zum Auswärtsspiel bei 1860 München am 27. September 2015. Seinerzeit drehte man eine Extra-Runde quer durch die ganze Stadt, weil der Auto-Verantwortliche Andreas Karczmarczyk nicht mehr wusste, ob er das Gefährt abgeschlossen hatte. Zuvor wäre man dort aber fast gar nicht aus dem Bus rausgekommen, weil die Münchner wiederum dachten, es handle sich um Hooligans. „Wir wussten erst gar nicht, was die wollen“, erzählt Hurraß und schüttelt den Kopf. „Und so wurden wir dann auch ins Stadion geführt.“

Das sind Dinge, die dem Verein, der noch kein offizieller Fanclub ist, heute nicht mehr passieren. „Der Antrag auf eine offizielle Anerkennung bei RB läuft“, sagt Hurraß, der als Qualitätsbeauftragter in der Automobil-Branche arbeitet. Dort wolle man erst die Arbeit sehen. „RB versteht das als Belohnung. Es könnte aber diese Saison noch passieren.“ Damit verbunden wäre etwa ein Vorkaufsrecht für Tickets und Dauerkarten. Aber man sei schon in der Fan-App vertreten und kommuniziere gut über den Fan-Beauftragten Enrico Hommel, der auch zu Mitgliederversammlungen komme.

Doch so hoch die Euphorie bei den Skatstadt-Bullen auch derzeit schlägt, so realistisch ist man doch in Sachen Saisonziel. „40 Punkte brauchen wir“, sagt Achim Dathe. „Mal sehen, wie viele Spieltage dann rum sind.“ Steffen Hurraß traut dem Team von Trainer Ralph Hasenhüttl einen Mittelfeldplatz zu. Und Daniel Smets meint: „Bis Platz zehn ist alles drin. Aber erst mal gilt es, in der Bundesliga anzukommen.“ Letzteres – so viel lässt sich nach den ersten Spielen sagen – hat RB Leipzig schon jetzt geschafft.

Von Thomas Haegeler

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