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Altenburger Stadtrat erlässt Wildtierverbot für Zirkusse auf beiden Festplätzen

Tierschutz Altenburger Stadtrat erlässt Wildtierverbot für Zirkusse auf beiden Festplätzen

Nach einer Niederlage im Oktober hat die CDU-Fraktion am Donnerstag nun eine knappe Mehrheit für den Antrag eines Wildtierverbots in Zirkussen erhalten. Er bezieht sich jedoch nur auf die beiden Festplätze. Außerdem wird muss durch den Beschluss das strenge Einhalten von Tierschutzbestimmungen geachtet.

Markus Spindler vom Circus Berolina, der hier im Oktober 2015 mit seinen Elefanten durch Altenburg spazierte, wird künftig einen Bogen um die Stadt machen müssen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Ein kurzer, lauter Jubel hallte am Donnerstagabend durch den alten Altenburger Ratssaal, als das Abstimmungsergebnis auf der Leinwand zu lesen war. Kurz darauf postete die CDU ihren Erfolg schon via Facebook in die Welt. In Altenburg sind ab 2017 Wildtiere bei Zirkus-Auftritten verboten. Allerdings verlief die Abstimmung darüber ziemlich knapp, 18 Stadträte votierten dafür, 14 dagegen, drei enthielten sich.

Vor rund sieben Monaten war ein ähnliches Votum im Stadtrat noch zugunsten derer ausgegangen, die sich an Elefanten oder Affen in der Manage nicht stören. Doch die Union und vor allem ihr Fraktionschef André Neumann ließen nicht locker und stellten das Verbot erneut zur Abstimmung. Das war riskant, denn eine zweite Abfuhr wäre für die CDU schmerzhaft gewesen und hätte einen dritten Versuch fraglich werden lassen. „Wildtiere sollten nicht im Zirkus leben, nur um der Unterhaltung der Menschen zu dienen“, argumentierte Neumann. Eine artgerechte Haltung sei einfach nicht möglich, wenn sie einen Großteil ihres Lebens in Käfigen und Transportwagen eingepfercht leben müssen. Ihre Zurschaustellung sei ein Relikt aus dem Mittelalter. „Für einen wirklich guten Zirkusabend braucht es keine Wildtiere. Ausdrücklich verwies Neumann auf Befragungen der Bevölkerung, von der der Union Zustimmung signalisiert worden sei. Mit seinem Verweis, auf einen gleichlautenden Beschluss im Leipziger Stadtrat setzte der Fraktionschef vor allem Linke und SPD unter Druck. Denn beide Parteien hatten in der Messestadt das Verbot ausdrücklich unterstützt. Und soll das in Altenburg nicht möglich sein, nur weil der Antrag von der CDU komme, fragte Neumann spitz.

Dennoch gaben die Fraktionschefs von Linken und SPD die Abstimmung für ihre Mitglieder frei. Kati Klaubert sprach sich zwar strikt gegen Tierquälerei aus, warnte aber davor, Zirkusse, die die Schutzbestimmungen einhalten, unter Generalverdacht zu stellen. Außerdem wies sie darauf hin, dass das Verbot schließlich nur für den kleinen und den großen Festplatz gelte. Ein genereller Schutz für die ganze Stadt sei damit nicht verbunden. Norman Müller (SPD) sprach sich für eine bundesweit einheitliche Regelung aus, statt Alleingänge einzelner Städte.

Ob man Tier-Dressuren gut oder verwerflich finde, sollte man jenen Menschen überlassen, die sich so etwas ansehen und von denen es viele gibt, die es auch sehr schön finden, sagte Peter Müller, Fraktionschef von Pro Altenburg. Die Politik habe ihnen hier gar nichts vorzuschreiben. Allerdings könne und müsse sich der Stadtrat eigentlich um viel wichtigere Fragen kümmern, gerade in Altenburg, wie beispielsweise um Drogenproblematik oder Ausländer-Integration, sagte Müller. Ein Verbot allein für Altenburg bringe ohnehin nichts, wenn es gleich nebenan, wie zum Beispiel in Windischleuba, nicht gelte.

Doch in Altenburg gilt es nun, und zwar nicht nur für Elefanten und Affen, sondern auch für Tiger, Löwen, Krokodile, Zebras, Bären, Delfine, Giraffen, Riesenschlangen und sogar Wölfe. Außerdem müssen Zirkusse oder ähnliche Betriebe ausdrücklich auf die Einhaltung des Tierschutzrechts hingewiesen werden. Bei Verstößen kann die Stadt die Verträge sofort kündigen.

Für das durchgesetzte Wildtier-Verbot erhielt die Altenburger CDU via Facebook reihenweise Zustimmung. Aber nicht nur. Denn die Affen vom Zirkus Probst in Schmölln würden in Altenburg ab 2017 nicht mehr auftreten dürfen, hieß es. Und auch die Veranstaltungsangebote in der Stadt, insbesondere für Kinder, würden nun weniger werden. Und dass die Stadt wirklich wichtigere Probleme habe.

Von Jens Rosenkranz

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