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Altenburg Altenburger Tafel: Mehrheit der Nutzer sind Migranten
Region Altenburg Altenburger Tafel: Mehrheit der Nutzer sind Migranten
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07:25 02.03.2018
Die Mehrheit der Nutzer der Altenburger Tafel sind Migranten. Im Tafelladen gibt es keine Beschränkungen für Flüchtlinge wie in Essen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Sie ist mal länger und mal kürzer, die Schlange am Tafelladen in der Altenburger Gabelentzstraße. Und nicht selten stehen sie bis raus auf die Straße, bevor die Sozialeinrichtung der „Thüringer Arbeitsloseninitiative – soziale Arbeit“ (Talisa) öffnet. Dabei hat sich die Zusammensetzung der Kunden seit einigen Monaten verändert, hat Ludmilla Olahova, die Leiterin des Ladens, beobachtet. 80 bis 90 Prozent der Nutzer seien mittlerweile Migranten, einheimische Bedürftige in der Minderheit. Doch anders als in Essen, wo Ausländer durch Rangeleien und Pöbeleien aufgefallen sein sollen, gehe es in der Altenburger Tafel gesittet zu, sagt Ludmilla Olahova, die aus Tschechien stammt, aber seit 24 Jahren in Altenburg zu Hause ist. Das können auch mehrere ihrer 16 Mitarbeiter bestätigen. Es gebe keinen Streit und auch keine Unruhe, auch wenn es mal länger dauert.

Der Tafel-Zoff in Essen, wo ein Aufnahmestopp für Flüchtlinge verhängt wurde (die OVZ berichtete), beschäftigt dennoch auch die Helfer im Altenburger Land. „Ich kann diese Entscheidung durchaus nachvollziehen“, sagt die Talisa-Leiterin für die Region Ostthüringen, Marion Beyer. „Denn 2016 hatten wir auch Schwierigkeiten.“ Damals war die Talisa noch nicht Betreiberin der Altenburger Tafel, unterhielt aber bereits ein solches Angebot in Gera.

„2016 nahm die Zahl der Migranten dort plötzlich stark zu. Wir hatten Probleme, alle zu versorgen und es ging auch nicht immer friedlich zu.“ Einen Stopp gab es dennoch nicht. „Wir haben das damals gerade noch in den Griff bekommen, vor allem durch freundliche, aber bestimmte Ansprachen an die Kunden.“

Freundlichkeit sei auch im Altenburger Land oberstes Gebot, betont Marion Beyer. Neben der Anlaufstelle in der Skatstadt betreibt die Talisa auch eine Außenstelle in Lucka und eine Ausgabe für abgepackte Lebensmittel in Meuselwitz. Den Altenburger Tafelladen besuchen zwischen 90 und 130 Leute täglich, die meiste Nachfrage gibt es nach Obst und Gemüse, das in der Gabelentzstraße billiger als in regulären Läden verkauft wird und, wie die anderen Lebensmittel auch, von Supermärkten und Discountern der Region gespendet wird. Acht bis zehn Bananen, alle schon mit schwarzen Flecken an der Schale, kosten rund 20 Cent. Voraussetzung ist allerdings der Nachweis der Bedürftigkeit – zum Beispiel per Sozialpass, den das Landratsamt ausstellt. Dieser Nachweis ist von allen zu erbringen, von Einheimischen ebenso wie von Migranten. „Das wird streng geprüft“, versichert Marion Beyer.

Immerhin: Dadurch reicht das Angebot in den Regalen für alle, die darauf angewiesen sind. „Dass niemand mit leeren Händen weggeschickt wird, trägt zum friedlichen Umgang definitiv bei.“ Immer wieder muss die Talisa-Regionalchefin jedoch bei Märkten Klinken putzen, sich in Erinnerung bringen. „Ich hoffe, dass wir mal nie in eine Situation wie in Essen kommen.“

Von Jens Rosenkranz und Kay Würker

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