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Altenburger Verein kämpft gegen ungezügelte Katzenvermehrung

Tierschutz Altenburger Verein kämpft gegen ungezügelte Katzenvermehrung

Der Altenburger Verein „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co“ wird auch in diesem Jahr darum kämpfen, dass in Thüringen eine Kastrationsverordnung für Katzen verabschiedet wird und sich gegen die Massenhaltung von Tieren wenden. Das wurde zur jetzigen Mitgliederversammlung bilanziert, bei der Andrea Rücker erneut an die Vereinsspitze gewählt wurde.

Zu viele Katzen ist auch nicht gut.

Quelle: Röse

Altenburg. Kaum zu glauben, aber der Altenburger Verein „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co“ hat ein nagelneues Auto ausgeschlagen. „So schön es gewesen wäre, aber unser gesamtes Geld wäre für das Auto drauf gegangen“, bedauert Vereinschefin Andrea Rücker, die bei der jetzigen Mitgliederversammlung erneut an die Spitze des kleinen Vereins gewählt wurde. Den Gratis-Kleintransporter wollte der Deutsche Tierschutzbund Ende vorigen Jahres zur Verfügung stellen, doch die Unterhaltung des Fahrzeugs hätte die Altenburger überfordert. „Wir haben uns dennoch sehr gefreut, es war eine Auszeichnung für uns“, verdeutlicht die 70-jährige Vereinsvorsitzende.

Für das Geld, das der 17-köpfige Verein vor allem über Spenden zusammen trägt, setzt er andere Prioritäten. Das wurde auch in der 2015er Bilanz von Andrea Rücker sichtbar. Die Aktivitäten reichen von Infoständen bis hin zu Unterschriften-Sammlungen und die Teilnahme an Protesten – und haben eines zum Ziel: den Schutz von Tieren.

Nach dem befragt, was 2015 auf der Habenseite steht, nennt Rücker zunächst die Infostände zum Kinderfest am Bismarckturm, Inselzoofest und Schmöllner Tierheimfest. Auf diese Weise will der Verein vor allem Kinder erreichen und für Tiere sensibilisieren. Am Tierquiz etwa nahmen insgesamt 148 Mädchen und Jungen teil. Eine der Fragen zielte auf ein Problem, das im vorigen Jahr auch den Altenburger Stadtrat beschäftigte. Sollen im Zirkus Wildtiere auftreten? Bis auf eine Ausnahme verneinten alle Kinder diese Frage. Im Stadtrat indes fehlte es an einer Stimme. Der CDU-Antrag zur Änderung der Festplatzbenutzungssatzung fiel durch, denn 16 Befürwortern eines Auftrittsverbots von Betrieben mit wilden Tieren standen ebenso viele Gegner gegenüber. „Die Diskussion war uns ganz wichtig“, erläutert Rücker, die mit ihren Mitstreitern wilde Tiere aus Zirkusarenen lieber heute als morgen verbannen möchte.

Auf dem Altenburger Markt machte der Verein mit fünf Infoständen zu unterschiedlichen Themen mobil. Eines davon auch angesichts der geplanten Hühnermast in Gleina: die Massentierhaltung. Der Verein will in diesem Jahr an der Seite der Bürgerinitiative weiter gegen die Anlage Sturm laufen. Bei dieser Offerte am Fuße des Rathauses war der Zuspruch laut Rücker ebenso groß wie beim wohl gewichtigsten Projekt der Tierfreunde: „Unser großer Wunsch ist, dass in Thüringen die Kastrationsverordnung für Katzen kommt.“

Mehr als 700 Unterschriften, die das Ansinnen unterstützen, sammelten Rücker und Co und übergaben sie zur Thüringer Tierschutzwoche Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke). „Ohne die Kastration von Katzen wird sich das Tierelend vergrößern“, verdeutlicht Rücker. Viele dieser Tiere würden dahinvegetieren und Krankheiten verbreiten. Rücker und ihre Mitstreiter fingen im vorigen Jahr in und um Altenburg 171 Katzen ein und ließen sie kastrieren, um eine ungezügelte Vermehrung zu verhindern. Bis zu 100 Euro mussten sie dabei pro Tier auf den Tisch legen – dafür wurden die Spenden aus der Bevölkerung (rund 5000 Euro) und des Tierschutzbundes (5500 Euro) genutzt. „Wir haben eine große Hilfsbereitschaft erfahren“, freut sich die Vereinschefin. So mancher hätte beim Einfangen oder dem Transport der Katzen zum Tierarzt geholfen.

Die Kastrationsverordnung wird auch in diesem Jahr das große Thema der Tierschützer. „Wenn die ausgesetzten Katzenkinder ins Tierheim kommen, müssen die Kommunen für das Entwurmen, Impfen und Kastrieren aufkommen“, verdeutlicht Rücker eine weitere Auswirkung. Auch mit den Infoständen wird sich der Verein wieder präsentieren. Und gemeinsam mit der Kirchgmeinde Altenburg-Rasephas will er im Mai zum zweiten Tiergottesdienst einladen. Die Premiere gab es im vorigen Herbst.

Hintergrund

Die Wahl des neues Vorstandes fiel komplett einstimmig aus. An der Spitze des Vereins steht auch für die nächsten zwei Jahre Andrea Rücker, die im vorigen Jahr mit dem Thüringer Tierschutzpreis ausgezeichnet worden war. Wiedergewählt wurden auch Petra Weber (Stellvertreterin), Ulrike Groskopff (Schatzmeisterin) und Carola Dutsch (Schriftführerin). Neu im Vorstand arbeitet jetzt Rita Ostermann mit. Sie nimmt den Platz von Wolfgang Krause ein, der sich nicht wieder aufstellen ließ.

Der Verein gründete sich im Jahr 2010. Nach internen Querelen hatten sich einige Mitglieder vom Tierschutzverein Altenburg und Umgebung abgespalten.

Der Name des Vereins „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co“ ist mit der ersten Aktion verknüpft. Die Mitglieder stemmten sich gegen das Tiersterben am Großen Teich in Altenburg. Spaziergänger fütterten die Tiere, wodurch das Wasser umschlug und auch eine Schwanenfamilie verendete. Auch auf Drängen der Tierfreunde wurden eine Aufklärungskampagne gestartet, ein Fütterungsverbot verhängt und der Sauerstoffmangel im Teich durch Pumpen und Springbrunnen beseitigt.

Von Frank Prenzel

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