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Altenburger machen bare Münze mit Altpapier – und das wird in Sachsen recycelt

Sammeln wieder salonfähig Altenburger machen bare Münze mit Altpapier – und das wird in Sachsen recycelt

Aus der Tonne aus dem Sinn? Das Altpapier wird in Altenburg entweder in der Blauen Tonne oder beim Wertstoffhändler entsorgt. Und kommt auf Umwegen erneut zurück nach Altenburg. Entweder als Etikett oder als Zeitung.

Über 300 Kilogramm Altpapier lädt Bert Steinhardt in einen großen Sammelcontainer, der von einer Spedition direkt ins Papierwerk gebracht wird.

Quelle: Foto: Mario Jahn

Altenburg. Wer es sich leicht macht, der wirft die ausgelesene Zeitung zu den alten Verpackungen in die Blaue Tonne. Der andere dagegen bringt sie gebündelt zum Wertstoffhändler um die Ecke. Danach gilt für den Verbraucher so oder so das Motto: Klappe zu, Affe tot! Mitnichten. Der einstige Abfall findet auf wundersame Weise wieder den Weg zurück ins Supermarkt-Regal – Recycling, also Wiederverwertung, heißt das Zauberwort. Eine Spurensuche in der Region.

Altpapier ist etwas wert. Und zwar in barer Münze. Das hat sich auch seit der Wende nicht geändert. Nur, dass es seit ein paar Jahren wieder salonfähig zu sein scheint, die Zeitungen und Zeitschriften selbst zum Wertstoffhändler in der Region zu bringen. Ein Indiz dafür sind die sinkenden Mengen von Zeitungen und Zeitschriften, die im Altenburger Land in der Blauen Tonne abtransportiert werden. „Im vorigen Jahr waren es im gesamten Landkreis 3700 Tonnen“, benennt die Chefin der Abfallwirtschaft Altenburger Land, Andrea Gerth, den kommunalen Anteil,„in den Jahren zuvor ging das stark zurück. Wir waren schon mal über 4000 Tonnen.“

Derzeit werden in und um Altenburg bei den Wertstoffhändlern für Zeitungen und Zeitschriften zwischen sechs und acht Cent pro Kilogramm gezahlt. Für denjenigen, der den Cent ehrt, lohnt sich also ein Vergleich. Der ist nur telefonisch bei den einzelnen Annahmestellen möglich, denn von den deutschen Großhandels-Indizes sind nur Tendenzen ablesbar, nicht aber die aktuellen Preise für Altpapier und Pappe.

Von den sechs Wertstoffhändlern in und um die Skatstadt, die im Telefonbuch und Internet aufgeführt sind, existieren allerdings nur noch die Hälfte. Als reiner Altpapierhändler scheint das Überleben also so gut wie unmöglich. So existieren der Recyclinghof Pilous am Lerchenberg sowie die Pelletier- und die Verwertungsgesellschaft am Weißen Berg seit einiger Zeit nicht mehr. Auch Ralf Hendel in der Mauerstraße nimmt seit Jahren kein Altpapier mehr entgegen. Geld gibt es dagegen bei Uwe Müller in Nobitz und in der Wertstoffoase in der Altenburger Feldstraße. Das Angebot des Entsorgungsdienstes Pohling richtet sich dagegen vor allem an Kunden, die in wirklich großen Mengen Altpapier abgeben.

Bert Steinhardt, der Betreiber der Wertstoffoase, nimmt täglich etwa 200 Kilogramm Altpapier an, neben Pappe, Kleidung und Schrott. Für alles gibt es Geld. Während bei letzterem die Abgabe wegen des niedrigen Buntmetallpreises nachgelassen hat, bleibt die Anzahl der Leute, die Altpapier vorbeibringen, konstant hoch. „Vor allem Freitagnachmittag und Sonnabend werden Zeitungen und Zeitschriften abgegeben“, erklärt der 53-Jährige, der vor zehn Jahren mit einer simplen Küchenwaage das Geschäft mit den wiederverwertbaren Rohstoffen begann.

Im übrigen, wer glaubt, dass es für das Papier, was in die Blaue Tonne abtransportiert wird, nichts gibt, der irrt. Der kommunale Anteil der Tonne, also Zeitungen und Zeitschriften, wird den Kunden konstant mit drei Cent pro Kilogramm vergütet und der Müllgebühr gegengerechnet. Seit 1991 sind die Hersteller von Verpackungen außerdem gesetzlich verpflichtet, die Gebrauchten wieder einzusammeln und zu entsorgen (Duales System). Das macht den anderen Teil der Tonne aus, für den es kein Geld gibt.

Aber wohin wandert nun das Altpapier? Direkt in die Papierfabrik. Das bei Bert Steinhardt abgegebene reist nach Kriebstein (Mittelsachsen) zu Kübler & Niethammer. Das Material aus den Blauen Tonnen des Landkreises, was von dem Unternehmen Fehr Umwelt Ost Crimmitschau entsorgt wird, geht direkt nach Eilenburg (Nordsachsen) zu Stora Enso. In beiden Fabriken wird das sortierte Papier entfärbt. Deinking nennt sich das Verfahren. Während in Eilenburg nach mehreren Schritten etwa neues Zeitungspapier entsteht, verarbeiten die Kriebsteiner den Rohstoff beispielsweise zu Verpackungspapier oder zu Flaschenetiketten. Und damit wandert das Papier wieder zurück in die Regale der Altenburger Läden.

Von Alexander Bley

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