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Altenburg Altenburger schwören auf Glückscent
Region Altenburg Altenburger schwören auf Glückscent
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19:26 08.02.2016
Die Altenburger schwören auf ihren Glückscent. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Wenn sich sonnabends in der Bäckerei von Romy Strobel am Altenburger Markt die Herren die Klinke in die Hand geben, klingelt die Kasse ein kleinwenig mehr als an anderen Tagen. „Die Männer geben Trinkgeld und machen den Betrag glatt“, erklärt die Konditormeisterin, „in der Woche hält sich das bei meinen Kunden in der Waage“. Damit einher geht ein Problem, was wohl so gut wie jeder kennt. Die Börse füllt sich mit den kleinen Kupfermünzen – mehr und mehr. Nervig beult sich diese in der Hosentasche. Erst wenn der Reißverschluss nicht mehr schließt, geht es der Centsammlung an den Kragen – vor allem immer dann, wenn man als Zweiter an der Kasse steht und es eilig hat.

Damit ist andernorts Schluss. Genauer gesagt in Kleve. Die 50 000-Einwohner-Stadt am Rhein nahe der niederländischen Grenze hat den lästigen Kupferlingen in der Ein- und Zwei-Cent-Größe den Kampf angesagt und diese kurzerhand verbannt. Zurück geht die Idee auf eine Händlerinitiative, an der dort 50 Geschäfte teilnehmen. In diesen Läden werden die Gäste seit Anfang Februar wie folgt begrüßt: „Geehrte Kunden, wir runden.“ Genau so, wie es jeder in Mathe gelehrt bekam. Wenn die Kasse beispielsweise 92 Cent anzeigt, werden 90 fällig. Leuchtet diese im Endpreis mit 93 Cent auf, müssen 95 gezahlt werden, ab 98 Cent wird der volle Euro fällig. Dass die Idee in Kleve Früchte trägt, hat ganz banale Gründe. In den nahen Niederlanden spielen schon seit geraumer Zeit die Mini-Münzen keine Rolle mehr. Ganz selbstverständlich wird dort auf- oder abgerundet. Aber wie halten es damit die Altenburger?

„Wer den Cent nicht ehrt, ...“, zitiert Rudolf Märker. „Kleinvieh macht eben auch Mist.“ Der 68-Jährige glaubt außerdem, dass in den Geschäften der Preis dann eher auf- statt abgerundet werden würde. „Die Kunden kommen sich unsicher vor“, bestätigt Heike Bicking aus der Chocolaterie ihre Erfahrung. „Außerdem wäre es auch Betrug am Kunden, bei Sachen die abgewogen werden.“ Kleingeld habe es schon immer gegeben. „Und wenn die Cents weg wären, würde es auch keinen Glückscent mehr geben. Der gehört in die Sparbüchse.“

Auch Detlef Zschiegner beobachtet, dass seine Kunden den Cent ehren. „Im Normalfall lassen sie sich ihn rausgeben“, sagt der Haushaltswarenhändler. Außerdem geben die Hersteller meist die Preise vor. „Wir haben dort keinen Spielraum.“ Für möglich hält er es aber schon, auf Ein- und Zwei-Centmünzen zu verzichten, allerdings nicht für sinnvoll. „Am Ende hätte es für niemanden Vorteile. Außerdem ist Bargeld gemünzte Freiheit.“

„80 Prozent unserer Kunden lassen sich das Restgeld genau rausgeben“, bestätigt Obst- und Gemüsehändler Jens Gottwald. Im Gegenteil zum Gros könnte sich der Altenburger aber vorstellen, auf die kleinen Centmünzen zu verzichten. Genauso wie Maria Kern, die beim Einkaufen oft aufrundet. „Das viele Kleingeld lässt mein Portemonnaie regelmäßig platzen“, sagt die 24-Jährige. „Das nervt!“

Mit Interesse verfolgt der Thüringer Einzelhandelsverband das Kleve-Experiment. „Auf freiwilliger Basis bieten das aber viele unsere Händler schon lange an“, erklärt Landesgeschäftsführer Klaus Bernsen. „Etwa mit Spendenboxen.“ Textilhändler befürworten dabei das Kleve-Modell eher. „In preissensiblen Branchen, bei Lebensmitteln etwa, ist der Markt hart umkämpft. Da haben ein bis zwei Cent erhebliche Auswirkungen.“

Und nicht zuletzt verursachen die kleinen Münzen auch Kosten für die Banken. „Mehrere 1000 Euro Transportkosten könnten wir sparen“, schätzt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Altenburger Land, Bernd Wannenwetsch. Aus Sicht der hiesigen Volksbank wäre das Einsparpotenzial jedoch nicht nennenswert. „Generell sehen wir die Einschränkung im Barzahlungsverkehr kritisch“, sagt Sprecherin Silvia Annecke. So wie die meisten Altenburger.

Von Alexander Bley

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