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Altenburg Altenburgerin Nadine Krumbholz hilft verunglückten Motorsportlern
Region Altenburg Altenburgerin Nadine Krumbholz hilft verunglückten Motorsportlern
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14:10 12.01.2019
Mit Auktionen von Jerseys wie dem von MX2-Weltmeister Jorge Prado hilft die Altenburgerin Nadine Krumbholz verunglückten Motorsportlern. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Nadine Krumbholz mag das Tempo, den Nervenkitzel – und den Dreck. Das macht für die 33-Jährige – zusammen mit Disziplin und Körperbeherrschung – letztlich auch die Faszination Motorsport aus. „Es ist mega“, sagt die Altenburgerin in Bezug auf die Leistung insbesondere der Motocross- und Enduro-Fahrer, deren Rennen sie von Kindesbeinen an verfolgt. Mit nicht einmal einem Jahr hat sie ihr erstes Rennen erlebt, als ihre Eltern sie mit auf den Sachsenring nahmen. Kein Wunder. Wohnte die Familie doch damals in Oberlungwitz nur einen Katzensprung entfernt von der Traditionsrennstrecke.

„Mädchen für alles“ bei namhaftem Motocross-Team

Die quasi in die Wiege gelegte Begeisterung für knatternde Motoren, waghalsige Sprünge und rasante Ritte durch Schlamm begleitet Nadine Krumbholz bis heute. Mal mehr, mal weniger. Seit fünf Jahren aber lodert die Leidenschaft stärker denn je. Denn da begann ihr Bruder, Enduro zu fahren. Während Kevin Krumbholz inzwischen für das Frohburger Neubert Racing Team im Deutschen Enduro-Pokal startet, hat es seine Schwester zum „Mädchen für alles“, wie sie selbst sagt, für das deutsche Motocross-Team STC Racing gebracht. „Ich bin Team-Betreuerin, Dolmetscherin, kümmere mich um Gäste und Sponsoren und schaue, dass alles läuft“, erzählt die Rechtsanwaltsfachangestellte, die in ähnlicher Mission auch schon beim Race Across America unterwegs war. Allein 2018 war sie bei 27 von 30 WM-Rennen in Europa und den USA dabei.

33-Jährige verliert Freunde auf Rennstrecken

Was sie dabei erlebt, liefert aber nicht nur Grund zur Freude. „Ich habe viele Stürze gesehen, auch viele schlimme“, sagt die zierliche Blondine nachdenklich. „Ich habe auch Freunde verloren.“ So etwa einen Ex-STC-Fahrer beim Supercross in Dortmund. 2017 sei zudem ein elfjähriger Junge in Tschechien direkt vor ihren Augen gestorben. Erlebnisse wie diese und das Wissen darum, dass das Gesundheitssystem nicht überall so gut ist wie in Deutschland, brachten sie schließlich auf den Gedanken, dem faszinierenden Sport, der ihr Leben prägt und sie die Welt kennenlernen lässt, etwas zurückzugeben.

Erste Auktion wird voller Erfolg

Die Gelegenheit dazu ergab sich im Frühjahr 2017, als sie gemeinsam mit einem Bekannten aus Erfurt eine Charity-Auktion für das damals fünfjährige motorsportbegeisterte Mädchen Bozenka Hradilkova, das an einer schweren Form der Muskelschwäche erkrankt ist, organisierte. Gemeinsam sammelten sie von Fahrern Jerseys und andere Devotionalien ein und versteigerten diese meistbietend über die Facebook-Seite „MX loves Bozenka“. 7000 Euro kamen so zusammen.

Weitere Versteigerungen für querschnittsgelähmte Fahrer

Angestachelt von diesem Erfolg übertrug das Duo die Auktionsidee, um bei Rennen verunglückten Fahrern zu helfen. Den Namen der Seite behielt man. Und so folgt der zweiten Aktion im Vorjahr für den einstigen irischen Hobbyfahrer Chris Esler, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist, nun die dritte. Begünstigter der Versteigerung, die nächste Woche starten soll, ist der frühere Enduro-Weltmeister Mathias Bellino. Der Franzose war im Sommer bei einer Rallye in Argentinien so schwer gestürzt, dass er nun von der Hüfte abwärts gelähmt ist.

Französischer Ex-Weltmeister will zurück aufs Motorrad

„Er kann seinen Job nicht mehr ausüben und hat keine Einnahmen mehr“, sagt Nadine Krumbholz. Allein für den Krankenhausaufenthalt nach dem Unfall, den Rücktransport und die Reha brauche er zwischen 100 000 und 150 000 Euro. „Das Problem ist, dass die Fahrer aus dem Ausland keine Krankenversicherung bekommen und wenn es doch eine private Krankenversicherung gibt, trägt die nur einen Bruchteil der Kosten.“ Sie bewundert Bellino und seinen Willen. „Er kämpft sich zurück, kann schon wieder auf Knien alleine stehen und will unbedingt zurück aufs Motorrad.“

Prominente Motocrosser machen mit

10 000 Euro lautet ihr hoch gestecktes Ziel für die Auktion. „Ich bin realistisch genug, dass ich weiß, dass wir das nicht schaffen werden“, sagt Nadine Krumbholz. Um dem dennoch so nah wie möglich zu kommen, hat sie in den vergangenen Wochen und Monaten Klinken geputzt und einige Leckerbissen für Motorsportfreunde zusammengestellt. So gibt es etwa das getragene und handsignierte Original-Jersey des spanischen Motocross-Riesentalents Jorge Prado, der mit gerade einmal 18 Jahren amtierender MX2-Weltmeister ist. Aber auch das Trikot vom jüngst in die Motocross-Königklasse MX1 aufgestiegenen Thüringers Tom Koch ist unter den 48 zu ersteigernden Fan-Artikeln.

Nadine Krumbholz plant, aufwendige Arbeit fortzusetzen

Bei den Versteigerungen bieten die Interessenten binnen 24 Stunden über die Kommentarfunkton bei Facebook. „Zwischen 100 und 3000 Euro zahlen Fans pro Stück – je nach Interesse und Bekanntheit des Fahrers“, erklärt die kleine Frau mit dem großen Herzen, die mit den Charity-Auktionen weitermachen will. „Eventuell machen wir dieses Jahr noch eine oder eben nächstes Jahr.“ Schließlich sei es sehr aufwendig, die ganzen Sachen zu besorgen. „Ich wäre auch froh, wenn mir jemand hilft ,wenn ich vor der Tür von einem Auto angefahren und verletzt werde“, umreißt Nadine Krumholz ihre Beweggründe. „Außerdem geht es auch darum, diesen schönen, abwechslungsreichen Sport, der in Deutschland kaum gefördert wird, zu erhalten.“ Sie liebt eben Motocross, mit allem was dazugehört.

Von Thomas Haegeler

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