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Altenburgerin hilft, wenn beim Rentenantrag graue Haare wachsen

Versicherungsberaterin Altenburgerin hilft, wenn beim Rentenantrag graue Haare wachsen

Ehrenamtliche Versicherungsberater sind vor Ort die einzigen Ansprechpartner, wo die Deutsche Rentenversicherung ihre Anlaufstellen geschlossen hat. Annegret Haller bekleidet dieses Amt seit 24 Jahren. In Altenburg und Umgebung hat sie schon in unzähligen Fällen Unterstützung geben, wenn es beim Papierkram haperte. Doch die Nachfrage ist größer als ihr Zeitbudget.

Millionen von Rentenversicherten sind derzeit zur Stimmabgabe aufgerufen.

Quelle: Friedemann Budich

Altenburg. Die roten Briefe sind allgegenwärtig. Millionen von Rentenversicherten in Deutschland sind noch bis 31. Mai zur Sozialwahl aufgerufen. Ein Wahlgang ohne Personen und Gesichter, der so manchem Kreuzchensetzer suspekt vorkommen mag. Doch für Ehrenamtliche wie die Altenburgerin Annegret Haller geht es um viel. Mit der Sozialwahl werden Weichen gestellt, die auch die Rentenberatung im Altenburger Land betreffen.

Annegret Haller ist in diesem Aufgabenfeld seit 24 Jahren aktiv. Versicherungsberaterin für die Deutsche Rentenversicherung Bund, so lautet der komplette Titel. Ihr Name ist bekannt – bei unzähligen Senioren und Erwerbsunfähigkeitsrentnern, die bei der Altenburgerin schon Rat suchten. „Ich kümmere mich vor allem um jene, die besonderen Hilfebedarf haben, die in schwierigen Lebenssituationen stecken und sich im immer umfangreicheren Regelwerk der Rentengesetzgebung nicht zurechtfinden“, sagt sie. „Oft sind es Menschen, die nicht mehr ohne Weiteres aus dem Haus können, sei es wegen des Alters oder einer Behinderung. Ich komme dann zu Ihnen, helfe bei der Antragstellung und nehme die Dokumente auch direkt entgegen.“ Unentgeltlich, in der Freizeit.

Der Bedarf sei enorm, schildert Annegret Haller. Nicht zuletzt, weil die Deutsche Rentenversicherung ihr Netz an Anlaufstellen mit hauptamtlichen Beratern in der Vergangenheit ausgedünnt hat. Die Auskunfts- und Beratungsstelle in Altenburg schloss Ende Juni 2012. Wer den direkten Kontakt zum Versicherungsträger sucht, muss nun nach Leipzig, Gera oder Zwickau. Als Begründung für den Rückzug wurde damals der Kostendruck angegeben. Die Ehrenamtler in den Regionen sollen stattdessen Ansprechpartner vor Ort sein. Ihre Kontaktdaten sind nicht öffentlich – die Versicherung vermittelt auf telefonische Anfrage. „Ich könnte in diesem Amt jede Woche 40 Stunden arbeiten, so viele Anfragen habe ich. Aber das geht natürlich nicht. Ich muss Prioritäten setzen, wo die Not am größten ist.“

Schließlich hat Annegret Haller noch einen Hauptberuf. Bei der IKK classic arbeitet sie als Stellvertreterin der Gleichstellungsbeauftragten, ist bundesweit unterwegs. Die gelernte Papiermacherin und studierte Betriebswirtin hat dadurch ein enges Verhältnis zum Thema Versicherung – und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, wenn es ums soziale Miteinander geht. Es sei diese soziale Komponente, die sie vor 24 Jahren ins Ehrenamt geführt habe. „Das Altenburger Land hat mit den höchsten Altersdurchschnitt in Deutschland. Da ist es doch wichtig, dass die Menschen hier Ansprechpartner haben, die bei behördlichen Angelegenheiten unterstützen“, findet Haller. Zumal das Thema Alterseinkünfte bei immer neuen Rentenarten zunehmend komplexer geworden sei.

Sie möchte weitermachen, keine Frage. Als Versicherungsberaterin und künftig auch als Mitglied der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Vertreterinnen und Vertreter treffen wichtige Entscheidungen zu Finanzen, Organisation und Personal der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie wählen auch die Berater in den Regionen. „Ich bin erstmals als Vertreterin nominiert“, sagt Annegret Haller. Allerdings taucht ihr Name nicht auf dem Wahlschein auf. Denn bei der Listenwahl wird nicht für Personen, sondern für Versicherungsträger votiert – in ihrem Fall die BfA DRV-Gemeinschaft. Je mehr Stimmen eine Liste erhält, desto mehr Sitze kann der jeweilige Träger in den Parlamenten mit seinen Kandidaten besetzen.

Die Hilfesuchenden an Hallers Telefon dürfte das alles kaum berühren. Für sie zählt, dass sie auf ihre Beraterin zählen können. Da stört auch nicht, dass die 61-Jährige demnächst selbst in Rente geht, im Gegenteil. „Ich kann das Ehrenamt ja auch im Ruhestand ausüben“ – dann vielleicht sogar mit etwas mehr Zeitbudget.

Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung: 0800 1000 4800

Von Kay Würker

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