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Altenburg Altenburgs Kleingärtner zeigen dem ZDF, was eine Harke ist
Region Altenburg Altenburgs Kleingärtner zeigen dem ZDF, was eine Harke ist
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11:05 10.03.2017
Finden die Äußerungen von ZDF-Mann Claus Kleber unangemessen: Wolfgang Preuß aus Altenburg (4. v. r.) und seine Kleingärtner-Kollegen Hans-Joachim Schön, Bernd Ackermann, Bernd Davideit Klaus Engelmann und Dirk Seifert (v. l.).  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

 Noch liegen Altenburgs Kleingartensparten weitgehend verwaist. Aber in den nächsten Tagen dürfte in die Parzellen wieder richtig Leben einziehen, wenn die Gartensaison startet. Gesprächsstoff haben die Laubenpieper reichlich. Seitdem ZDF-Moderator Claus Kleber sich am 25. Februar im „heute-journal“ über Altenburgs Kleingärtner äußerte, kocht deren Seele. Kleber hatte einen Beitrag über die Stadt mit Blick auf zurückliegende Ereignisse so an­moderiert: „Reporter notierten damals, dass in Schrebergärten schwarz-weiß-rote Reichsfahnen so präsent sind wie das Schwarz-Rot-Gold der Bundesrepublik.“ Dass ihr Regionalverbandschef Wolfgang Preuß deshalb Strafanzeige gegen den bekannten Moderator gestellt hat, finden die Gartenfreunde allesamt gut.

In der Sparte „Bauhof I“ ist Günter Frainge schon fleißig am werkeln. Seit 1989 hat er in der ältesten Anlage Thüringens, die dieses Jahr ihr 130-jähriges Bestehen feiert und auch Bundessieger beim nur aller vier Jahre stattfindenden Kleingartenwettbewerb ist, hier seinen Garten. Eine solche Aufregung und deutschlandweite mediale Aufmerksamkeit um sein liebstes Hobby wie in den vergangenen Tagen hat der 79-Jährige noch nie erlebt. „Überall wird man deshalb angesprochen. Und als wir uns sonntags hier zu unserer kleinen Runde getroffen haben, war das sofort das Thema. Aber es ist gut und richtig, dass unser Doktor die Anzeige gemacht hat. Man kann sich doch nicht alles gefallen lassen. Vor allem, weil das Bild einfach nicht stimmt. Wo sind sie denn, diese Reichsflaggen?!“, fragt Frainge.

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Claus Kleber ruft bei Altenburger Kleingärtnerchef an

Bernd Ackermann ist schon seit Jahrzehnten begeisterter Kleingärtner und kann das nur bestätigen: „Bekannte rufen an und fragen, was denn bei uns in Altenburg los ist. Sogar im Garagenhof sei diskutiert worden. „Und das kocht sicher noch mal richtig hoch, wenn die Saison richtig läuft und alle in ihrem Garten sind“, ahnt Ackermann.

Ein paar Kilometer weiter im Plattenbaugebiet Altenburg-Nord. Von ergrünender Idylle ist hier nur wenig zu sehen. Im Keller eines Mehrschossers, der als Alten- und Pflegeheim genutzt wird, liegt in einem schlicht und funktional eingerichteten Büro sozusagen die Schaltzentrale des Regionalverbandes der Kleingärtner, dem der Anzeigenerstatter, der promovierte Wirtschaftspädagoge Preuß, vorsteht. Im Vorzimmer stapeln sich einige Zeitungen mit Berichten der zurückliegenden Tage. Im benachbarten Sitzungszimmer sitzen Wolfgang Preuß und die Spartenchefs Jürgen Seifert (Bauhof I), Hans-Joachim Schön (Bergmannsfreud), Bernd Davideit (Grüne Höhe Zetzscha) und Klaus Engelmann (Glück Auf), um die Ereignisse der letzten Tage nochmals Revue passieren zu lassen. Die Stimmung schwankt zwischen noch nicht abgeflauter Empörung über das Geschehen, dem Drang zum Erklären und auch einem Schuss Ironie. „Mich hat am Wochenende einer gefragt, wo man solche Reichsflaggen gleich in großer Stückzahl bestellen könne, um die Sparte komplett damit zu beflaggen“, meint Klaus Engelmann mit einem Grinsen. Um dann aber gleich wieder ernst zu werden: „Ich weiß nicht, wo Herr Kleber diese Information herhaben will. Zu sehen sind solche Flaggen in keiner unserer Anlagen. Hier wurden falsche Sachen behauptet, die uns alle in ein schlechtes Licht rücken.“

Die Folgen könnten weit über das hiesige Kleingartenwesen hinaus reichen und der ganzen Stadt schaden. „Die ja ohnehin schon laufend mit unsachlichen Berichten in den Schlagzeilen ist“, wirft Hans-Joachim Schön – noch immer sichtlich erregt – ein. So wolle sich die Stadt beispielsweise für die Ausrichtung der Landesgartenschau bewerben. Und großen Raum bei den dafür angedachten Begleitprojekten nehme das Kleingartenwesen ein. Was sei denn, wenn aufgrund solcher Berichte die über die Vergabe entscheidenden Gremien sagen „nö, Altenburg kriegt die Schau nicht, weil es hier doch so viel braunes Zeug gibt.“

Jürgen Seifert bringt es auf den Punkt: „Wir stehen alle hinter Preuß und erwarten, dass dieses Bild wieder gerade gerückt wird. Wir hatten das ZDF schon viermal zu Drehterminen in unserer Anlage. Reichsflaggen waren da nirgendwo zu sehen. Umso mehr frage ich mich, wie solche Aussagen zustande kommen“, so Seifert.

Von Jörg Wolf

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