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Altenburg Altenburgs Schulsportkoordinator Ulrich Vogel geht in (Un-)Ruhestand
Region Altenburg Altenburgs Schulsportkoordinator Ulrich Vogel geht in (Un-)Ruhestand
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00:17 01.02.2016
Lehrer mit Herz für den Sport: Ulrich Vogel geht nach 40 Jahren in den Ruhestand. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

„Es ist schon ein seltsames Gefühl.“ Als Ulrich Vogel das sagt, hat er zum ersten Mal Zeit durchzuatmen. In den mehr als vier Stunden zuvor war der Lehrer für Sport und Deutsch unentwegt damit beschäftigt, Spiele anzusetzen, Durchsagen zu machen, Ergebnisse einzutragen, Tabellen zu berechnen und Schiedsrichter einzuteilen. Die Wehmut des Schulsportkoordinators rührt daher, dass das Schulamtsfinale „Jugend trainiert für Olympia“ vorige Woche Donnerstag sein letztes großes selbstorganisiertes Turnier war. Denn der 65-Jährige, der bis Herbst 2015 auch Vize des Kreissportbundes (KSB) Altenburger Land war, verabschiedet sich in den Ruhestand.

Wie ruhig dieser wirklich wird, bleibt jedoch abzuwarten. Denn der Romschützer ist Familienmensch, hat ein großes Grundstück – und das eine oder andere Hobby. Seit Kurzem besitzt der Literatur- und Musik-Liebhaber eine Rückrunden-Dauerkarte für RB Leipzig. Ein Projekt, dass der einstige Tennis- und Basketball-Crack genauso wohlwollend verfolgt wie die Karriere von Dirk Nowitzki. Daneben wartet neben den drei Enkeln im Alter von 14, zehn und sieben Jahren auch seine Frau sehnsüchtig auf das Plus an Freizeit. „Sie freut sich, weil ich dann mehr im Haus und auf dem Grundstück machen kann und der Schreibtisch-Stapel kleiner wird“, sagt Vogel mit einem Augenzwinkern. „Denn oft fange ich Dinge an, dann kommt etwas Wichtiges dazwischen, ich werfe die Sachen hin und es dauert.“

Über den Tellerrand geschaut

Das Wichtige hatte und hat oft mit Schule und Sport zu tun. So stand er etwa kurzerhand für sein letztes Turnier ohne Schiedsrichter da, weil die Altenburger Basketballer abgesagt hatten. Gelöst hat Vogel das Problem dank eines Ex-Kollegen aus Greiz und eines Leipziger Unparteiischen, die er „einflog“. In Sachen Netzwerk halfen ihm seine berufliche Zwitterstellung und das Ehrenamt. Denn nach Stationen an der Polytechnischen Oberschule Altenburg und dem Platanen-Gymnasium (heute Berufsschule) hat Vogel eine halbe Lehrerstelle am Lerchenberggymnasium, die andere Hälfte koordiniert er fürs Schulamt Ostthüringen. „Es ist positiv, über den Tellerrand der Schule hinausschauen zu können“, so Vogel. „So kannte ich jede Sportstätte und die verantwortlichen Lehrer.“

Dass Vogel Spuren im Altenburger Land hinterlassen hat, ist unbestritten. Nicht nur, weil der gebürtige Göllnitzer mit dem Pierre-de-Coubertin-Preis die höchste Lehrer-Ehre des Freistaats Thüringen bekommen hat. So organisiert er seit einer halben Ewigkeit zusammen mit dem Kollegen Clemens Ulbricht die Weiterbildung der Sportlehrer, die am 8. März im 19. Sportlehrertag gipfelt. Außerdem gehörten jährlich etwa 50 Schulsport-Wettkämpfe zu seinem Pensum. Und nach der letzten Schulamtsreform auch noch Mathematik-Olympiaden und kulturelle Wettbewerbe.

Jugendbegegnung aus dem Nichts

Abgesehen davon sorgte der Basketball-Fan dafür, dass die Deutschland-Tour im Streetball auch im Kreis Station machte. Noch wichtiger waren aber die vom KSB organisierten Jugendbegegnungen. „Damit haben wir 1997 aus dem Nichts angefangen und 200 Leute aus Altenburgs Partnerstadt Offenburg, aus Ungarn, Tschechien und Lettland zusammengebracht“, erinnert sich Ex-KSB-Geschäftsführer Horst Gerth. „Drei Jahre später waren es 500 Leute.“

Überhaupt sei Vogel seine wichtigste Bezugsperson im Vorstand gewesen, so Gerth weiter. „Das liegt an seiner Ruhe, seiner Ausstrahlung und seiner sachlichen Persönlichkeit. Wir haben 25 Jahre zusammengearbeitet, was einzigartig in Thüringen ist.“ Durch seinen Verbindungen knüpfte er zudem für den KSB die Bande in den Landesausschuss für Kinder- und Jugendsport und im Präsidialausschuss des Landessportbundes für Breitensport sowie zu Kommunen und Ämtern.

Nachfolge immer noch offen

„Der Nachteil war, dass ich durch Horst voll gefordert wurde“, sagt Ulrich Vogel und lacht. Sicher wird er am Freitag auch den einen oder anderen Witz machen. Dazwischen aber wird ihn des Öfteren das seltsame Gefühl aus der Vorwoche beschleichen. Das aber nicht nur, weil dieser 29. Januar nach 40 Jahren als Pädagoge sein letzter Arbeitstag ist, sondern auch, weil seine Nachfolge als Schulsportkoordinator nach wie vor offen ist.

Von Thomas Haegeler

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