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Altenburg Altenburgs oberster Polizeichef fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen
Region Altenburg Altenburgs oberster Polizeichef fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen
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05:11 07.09.2018
Nachts auf dem Marktplatz - so berichteten am Mittwoch die Pyrmonter Nachrichten. Quelle: Pyrmonter Nachrichten
Altenburg/Bad Pyrmont

Als André Röder im November 2000 Chef der Polizeiinspektion Altenburger Land wurde, kündigte der damalige Polizeirat eine stärkere Berücksichtigung der Bürgerinteressen an. Jetzt ist Röder Chef der Landespolizeiinspektion (LPI) Gera, hat als Leitender Polizeidirektor drei goldene Sterne mehr auf jeder Schulter und kritisierte nun in eigener Sache, dass die Polizei genau diese Bürgerinteressen überhaupt nicht ernst nehme.

Röder wohnt seit halbem Jahr in Bad Pyrmont

Dazu muss man wissen, dass der 58-Jährige seit einem halben Jahr bei seiner Freundin im niedersächsischen Bad Pyrmont wohnt und sich dort auch als Bürger dieser Stadt fühlt. Als solcher störte er sich sehr an nächtlichen Ruhestörungen unweit seiner Wohnung am Marktplatz. Denn dieser wird von jungen Autofahrern, wenn es dunkel wird, gern als Teststrecke genutzt – und für Trinkgelage.

Auftritte im Ausschuss und bei der CDU

Darüber ärgert sich der Geraer LPI-Chef sehr. Richtig laut wird es seiner Meinung zufolge vor allem samstags und sonntags. Dem Ordnungsamt und der örtlichen Polizei teilte er seine Kritik schon mehrfach mit. Die Reaktionen im Rathaus und im Kommissariat haben ihn jedoch offensichtlich nicht zufriedengestellt. Seine Sicht der Dinge erklärte er mittlerweile auch Stadträten im Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit und Verkehr. Dort wurde das Thema deshalb behandelt, nachdem Röder es zuvor bei einem CDU-Bürgergespräch publik gemacht hatte. Und darüber berichteten schließlich auch die Pyrmonter Nachrichten, die mit Röder sprachen und mitbekamen, welch hochrangigen Thüringer Polizeibeamten man auf einmal in der Stadt hatte. „Wenn manche Personen nicht wissen, wie man sich nachts verhält, habe ich das Recht zu sagen: ,Liebe Leute, wir haben hier ein Problem’“, sagte der Leitende Polizeidirektor der Zeitung.

Röder: Habe mich hilflos gefühlt

Die Autorin des am Mittwoch erschienenen Beitrags „Nachts auf dem Pyrmonter Parkplatz“ fand, dass Röders Problem nicht nur der nächtliche Lärm, sondern auch sein Empfinden sei, nicht so ernstgenommen zu worden zu sein, wie er es für angemessen hielte. „Die Polizei kann die Welt zwar nicht retten, aber sie kann die Probleme ernstnehmen“, zitierte sie Röder. Und, dass er selbst sich hilflos gefühlt habe.

Röder vermutete, dass sich Nicht-Betroffene den Grad der Belästigung nur schwer vorstellen könnten. Er meine zwar nicht, dass sofort jemand springen müsse, wenn er etwas sage. „Aber ich habe eine bestimmte Schmerzgrenze“, wird er zitiert. Die sei nachts auf dem Marktplatz immer wieder überschritten worden. „Da ist dann Radau ohne Ende. Es werden Flaschen kaputtgeworfen. Und am nächsten Morgen macht die Kehrmaschine vom Bauhof alles wieder sauber, als wäre nichts gewesen.“

Polizei fährt jetzt verstärkt Streife

Dass es nachts nun etwas ruhiger geworden sei, könnte damit zu tun haben, dass die Polizei nun öfter am Markt nach dem Rechten sieht. Pyrmonts Polizeichef Manfred Hellmich sprach von verstärkten Streifen und Platzverweisen. Damit könnte Röders öffentliche Kritik richtig gewirkt haben. An kaum einem Ort in der Kurstadt sei die Polizei derzeit so präsent wie am Marktplatz, sagte Hellmich den Pyrmonter Nachrichten.

Nicht alle Marktplatz-Anlieger sehen den Lärm allerdings so drastisch wie Röder. Sie sei in manchen Nächten zwar auch schon aufgewacht, sagte eine Anwohnerin. Aber das seien eher Ausnahmen. Sie empfinde das Problem als nicht ganz so tragisch, heißt es im Beitrag.

Röder leitete Einsatz bei Papstbesuch

Röder selbst war für ein Gespräch mit der OVZ nicht zu erreichen. Altenburgs ehemaliger Polizeichef hat sich vor allem mit dem größten Polizeieinsatz in Thüringen 2011 beim damaligen Papstbesuch einen Namen gemacht, den er vorbereitete und leitete – mit 5800 Polizisten aus zwölf Bundesländern. Als Chef der LPI Gera trägt er Verantwortung für die Polizeiarbeit im Altenburger Land, Greiz und Gera.

Von Jens Rosenkranz

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