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Amtsarzt Stefan Dhein zieht nach 48 Monaten Zwischenbilanz

OVZ-Interview Amtsarzt Stefan Dhein zieht nach 48 Monaten Zwischenbilanz

Seit zwei Jahren leitet Professor Stefan Dhein den Fachdienst Gesundheit im Landratsamt. Am 1. April 2015 trat der Humanmediziner, Pharmakologe und Toxikologe den Dienst an. Parallel dazu absolvierte der gebürtige Rheinländer die 24-monatige verwaltungsrechtliche Qualifikation zum Amtsarzt. Die OVZ sprach mit ihm über seine Tätigkeit.

Ist seit zwei Jahren Amtsarzt des Altenburger Landes: Professor Stefan Dhein.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Seit zwei Jahren leitet Professor Stefan Dhein den Fachdienst Gesundheit im Landratsamt. Am 1. April 2015 trat der Humanmediziner, Pharmakologe und Toxikologe kommissarisch den Dienst an. Parallel dazu absolvierte der gebürtige Rheinländer die 24-monatige verwaltungsrechtliche Qualifikation zum Amtsarzt. Kürzlich wurde der 57-Jährige auch förmlich zum Amtsarzt des Altenburger Landes berufen. Die OVZ sprach mit ihm über seine Tätigkeit.

Herr Professor Dhein, wie schätzen Sie die Gesundheit der Bevölkerung im Landkreis ein?

Insgesamt gut. Die Lebenserwartung im Altenburger Land entspricht ziemlich genau dem Durchschnitt der Bundesrepublik. Ich verfasse einmal jährlich einen Gesundheitsbericht. Darin analysiere ich auch die Todesursachen. Vorzeitig versterben im Kreis ungefähr 600 Personen pro Jahr. Die häufigsten Ursachen sind, zu knapp 50 Prozent, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Krebserkrankungen.

Ist das regional spezifisch?

Gewissermaßen, die Anzahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in ganz Ost-Deutschland deutlich höher als in westdeutschen Ländern. Es wird vermutet, dass dies am ehesten an der Ernährung und dem hier ausgeprägteren Übergewicht der Menschen liegt. Es gibt aber keine festen Daten dazu.

Rechnen Sie mit Veränderungen beziehungsweise neuen Gesundheitsrisiken?

Mit wesentlichen Veränderungen rechne ich nicht. Was anzusteigen scheint, sind Atemwegserkrankungen. Anders als beispielsweise Infektionskrankheiten. Die sind, was uns hier betrifft, nicht groß im Kommen. Es gibt im Altenburger Land noch einen recht guten Durchimpfungsgrad. Wobei in den Statistiken zu erkennen ist: Die Impflücke wird größer. Damit die Herdenimmunität erhalten bleibt, ist es wichtig, impfen zu gehen, und einen Durchimpfungsgrad von möglichst 95 Prozent in der Bevölkerung zu erreichen, denn dann sind auch einzelne, die nicht geimpft werden können, vor Ansteckung aus der Gruppe geschützt. Was viele vielleicht nicht wissen: Impfungen sind die medizinische Maßnahme, welche die meisten Todesfälle weltweit verhindert, mehr als alle anderen medizinischen Maßnahmen zusammen.

Können Sie sich die zunehmende Impfmüdigkeit erklären?

Ja. Die Krankheiten sind heute nicht mehr zu sehen. Doch wenn eine Erkrankung nicht mehr offensichtlich ist, fehlt das Bewusstsein, welche Gefahren sich dahinter verbergen. Masern, Mumps, Röteln sind nicht nur einfache Kinderkrankheiten, daran können Patienten sterben.

Was war in den vergangenen zwei Jahren die härteste Nuss, die Sie knacken mussten?

Nicht trivial, vor allem wegen der personellen Bedingungen, war die Erfassung aller psychisch Kranken des Landkreises für einen Psychiatriebericht. Dabei ging es darum zu definieren, wie sich die Situation vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft mit häufigeren Demenzerkrankungen entwickelt. Diese Daten sind nötig, um zu berechnen, welche Kapazitäten geschaffen werden müssten. Damit können erhebliche Kosten verbunden sein, weshalb wir uns frühzeitig Gedanken machen müssen. Man muss ja bedenken, psychisch Kranke sind meist langzeitkrank und viele benötigen eine Betreuung.

Sind der Gesundheits- und Psychiatriebericht öffentlich zugänglich?

Ja, auf der Homepage des Landkreises, Fachdienst Gesundheit.

Arbeiten Sie an weiteren Statistiken?

Tatsächlich schaue ich mir gerade die Suchtproblematik an. Ich arbeite an einer Studie, die aufdeckt, wie häufig und welche Drogen von Zehntklässlern genommen werden. Es gibt derzeit meines Wissens nirgends eine solche landkreisweite Erhebung. Die kompletten Daten werden wahrscheinlich im Sommer vorliegen. Schon jetzt kann ich aber sagen, es sind nicht wenige, die Crystal, und sehr viele, die Cannabis konsumieren.

Daten sammeln und Statistiken auswerten – die Arbeit eines Amtsarztes scheint ja ganz ähnlich der Tätigkeit in der Forschung zu sein.

Na ja, es kommt darauf an, was man daraus macht. Ich versuche meine Arbeit wissenschaftlich zu durchforsten, in dem ich das, was hier tägliches Geschäft ist, statistisch aufarbeite, um daraus quantitative Schlüsse zu ziehen. Und das unterscheidet sich in keiner Weise zur Tätigkeit in der Forschung. Schöner als in der Forschung ist, dass die Themen viel breiter gefächert sind und ich viele Erkenntnisse direkt umsetzen kann.

War es das, was Sie als Professor gereizt hat, von der Uni in eine Behörde zu wechseln?

Ich bin ja noch außerplanmäßiger Professor in Leipzig und betreue beispielsweise Doktoranden. Aber nach 30 Jahren in der Forschung und im notärztlichen Dienst wollte ich mich verändern. Die Aufgaben eines Amtsarztes fand ich spannend, weil ich gesehen habe, dass wir zwar im technischen Bereich unglaublich weit sind. Wir können bei 90-Jährigen die kompliziertesten Operationen erfolgreich durchführen. Doch dann geht der Patient zurück in seine Wohnung und benötigt etwa eine Treppensteigehilfe für seinen Rollstuhl. Und die Kasse bewilligt das nicht. Dadurch ist die Therapie vorher nicht mehr sinnvoll. Wegen der gutachterlichen Tätigkeit als Amtsarzt kann ich dafür sorgen, dass gemacht wird, was medizinisch sinnvoll ist. Zum Beispiel eben, den Treppenrollstuhl genehmigen. Speziell im Altenburger Land hat mich als Pharmakologe und Toxikologe zudem die Umweltproblematik in Rositz sehr interessiert.

Von Jörg Reuter

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