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Amtsgericht Altenburg bringt süchtigen Schläger fast zweieinhalb Jahre hinter Gitter

Körperverletzung Amtsgericht Altenburg bringt süchtigen Schläger fast zweieinhalb Jahre hinter Gitter

Ohne nachvollziehbaren Grund hat Bastian N. mehrfach wildfremde Menschen angegriffen. Weil der Drogensüchtige seine Opfer dabei zum Teil schwer verletzte, schickte ihn das Amtsgericht Altenburg nun für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Dabei hatte der 22-Jährige noch Glück. Denn bei einem seiner Angriffe mit einem Messer entging ein Schüler nur knapp dem Tod.

Der Angeklagte (l.) bespricht sich am Amtsgericht Altenburg kurz vor Beginn des Verfahrens wegen Körperverletzung mit seinem Verteidiger Markus Kruppa.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg. Wegen Nichtigkeiten hat er Leute verprügelt und bedroht. Einem seiner Opfer brach Bastian N. gleich mehrfach das Nasenbein. Die durch Drogen verstärkte Wut des 22-Jährigen hätte jeden treffen können. Nicht nur deswegen verbreitete er in Altenburg monatelang Angst und Schrecken. Nun muss N. für weitere zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter. Dazu verurteilte ihn das Altenburger Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung.

„Pain“, zu deutsch Schmerz, hat der junge Mann in einzelnen Buchstaben auf den Fingern seiner Hand tätowiert. Den verschaffte er damit zwischen Dezember 2016 und Februar dieses Jahres gleich mehrfach – entweder in Altenburg-Südost oder im Bus der Linie S. Dort saß der Angeklagte auch am Heiligabend des Vorjahres gegen 15 Uhr und zog sich die aufputschende Droge Crystal Meth durch die Nase. Als ein anderer Fahrgast ihn aufforderte, das zu lassen und das „Dreckszeug“ wegzupacken, kochte es im Angeklagten. Als der Mann ausstieg, folgte ihm N. und attackierte ihn von hinten mit Tritten und später mit Schlägen ins Gesicht. Das Ganze war so heftig, dass der Geschädigte aus den Ohrläppchen blutete und ein blaues Auge davontrug.

Zwei Monate später – N. hatte kurz zuvor wieder Crystal genommen – verpasste er einem Auszubildenden am Abend im Bus „ohne Anlass“, wie er selbst sagte, zwei Kopfnüsse und einen Faustschlag ins Gesicht. „Das Nasenbein war zweimal komplett durchgebrochen“, berichtete das Opfer bei seiner Zeugenaussage. „Ich hatte zwei Wochen Schmerzen.“ Zudem sei er mehrere Wochen auf Arbeit ausgefallen.

Beim dritten Vorfall Ende Februar streckte der Angeklagte – erneut berauscht – zwei Jugendlichen die Zunge raus, beschimpfte sie als „Homos“ und schlug einem mit der Hand auf den Hinterkopf. Als dessen Kumpel fragte, was das solle, zog N. ein Messer und fuchtelte damit herum. Dann holte er aus und versuchte zu treffen. Nur weil der 16-Jährige wegen seines Kampfsporttrainings schnell reagierte, verfehlte der Angreifer den Hals des Schülers. „Er hätte getroffen, wenn ich nicht zurückgewichen wäre“, so der Jugendliche. „Ich hatte danach Angst um mein Leben.“

Es tue ihm leid, entschuldigte sich N. bei dem 16-Jährigen und auch bei anderen Opfern „Das war eine Scheiß-Aktion.“ Für seine Ausraster hat der Angeklagte, der seit acht Jahren regelmäßig Alkohol trinkt und seit sieben Jahren illegale Drogen konsumiert, eine einfache Erklärung: „Ich bin unter Crystal immer aggressiv geworden, war übelst leicht reizbar und hab’ übelst viel reininterpretiert, wo gar keine Provokation war.“

Die Entschuldigungen, sein umfassendes Geständnis und den Fakt, dass „alle Verletzungen folgenlos ausgeheilt sind“, rechnete ihm Richter Alexander Reichenbach bei der Strafzumessung an. Zu seinen Lasten gingen seine vier Verurteilungen wegen 15 zum Teil ähnlicher Taten, weswegen er schon drei Jahre im Gefängnis saß. „Das ist eine stolze Leistung“, fügte Reichebach ironisch hinzu. Zumal er ein Bewährungsversager sei und ohne nachvollziehbaren Grund geschlagen habe. „Wenn so jemand durch den Bus zieht oder durch die Stadt läuft, verbreitet er Angst und Schrecken.“

Zudem könne N. von Glück reden, dass er mit dem Messer nicht getroffen habe, so der Richter weiter. „Sonst wäre es mindestens gefährliche Körperverletzung gewesen und man hätte prüfen müssen, ob nicht ein versuchtes Tötungsdelikt im Raum gestanden hätte.“ Auch könne sein Rauschzustand nicht strafmildernd wirken, „weil Sie wissen, dass Sie unter Drogen zu Aggressionen neigen“.

Für den drogensüchtigen Schläger, der sich um eine Therapie kümmern will, hatte Oberstaatsanwalt Horst Sauerbaum drei Jahre Haft gefordert. Dabei unterstrich auch er bezüglich der letzten Tat, dass „der Zeuge hätte dabei sterben können“. N.s Verteidiger Markus Kruppa plädierte hingegen für ein Jahr und zehn Monate. Das Urteil, das fast die Mitte zwischen beiden Forderungen bildet, ist bereits rechtskräftig.

 

Von Thomas Haegeler

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