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Altenburg Amtsgericht Altenburg schickt Schläger aus Schmölln über zwei Jahre hinter Gitter
Region Altenburg Amtsgericht Altenburg schickt Schläger aus Schmölln über zwei Jahre hinter Gitter
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16:59 18.10.2016
Am Altenburger Amtsgericht ist ein 42-Jähriger unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung zu über zwei Jahren Haft verurteilt worden. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg/Schmölln

Immer wieder schüttelte Sven D. den Kopf. Der 42-Jährige konnte nicht glauben, was Zeugen am Montag im Altenburger Amtsgericht aussagten. Mehrfach soll er seine damalige Freundin und weitere Bekannte geschlagen, gestoßen oder beleidigt haben. Sogar ein Polizist musste sich „Idiot“ nennen lassen. Einsicht zeigte der Angeklagte kaum. Stattdessen vermutete der Schmöllner eine Verschwörung seines einstigen Dunstkreises gegen sich: „Wenn die mich sehen, sind sie freundlich. Kaum dreht man ihnen den Rücken zu, kommt der Dolch.“ Einziger Grund dafür: Er sage offen seine Meinung.

Das von Richter Sandy Reichenbach geleitete Schöffengericht nahm dem Angeklagten die „Dolchstoßlegende von Schmölln“, wie der Vorsitzende es nannte, letztlich nicht ab. Das wiederum lag an den größtenteils glaubwürdigen Aussagen von neun Zeugen. Am Ende verurteilte man Sven D. wegen mehrfacher Körperverletzung, versuchter Nötigung, Beleidigung und Diebstahls zu insgesamt zwei Jahren und vier Monaten Haft. Hierbei floss eine einjährige Bewährungsstrafe aus dem Vorjahr mit ein.

Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht neben Teilgeständnissen auch die alkoholbedingte Enthemmung, die zum Teil emotionale Beteiligung, und dass es sich zumeist um leichtere Gewalttaten, wie Ohrfeigen, handelte. Zu seinen Lasten gingen ein ellenlanges einschlägiges Vorstrafenregister, das ihm bereits über sechs Jahre Haft eingebracht hatte. „Gerade einmal einundeinviertel Jahr ist nach der letzten Haftentlassung nichts angezeigt worden“, begründete der Richter das Urteil. „Da ist aus der JVA nicht viel hängengeblieben. Nach der letzten Verhandlung gehen Sie direkt in die Kneipe, der Alkohol ist wieder da und das Ganze geht von vorne los.“

In der Beweisaufnahme ging es tief in die Schmöllner Trinkerszene. Am Ende der über siebenstündigen Verhandlung waren Reichenbach und die beiden Schöffen überzeugt, dass der Angeklagte zwischen Frühjahr 2015 und Mai dieses Jahres mehrfach seine Ex-Freundin und Trinkkumpane geschlagen oder anderweitig verletzt hat. Hinzu kamen geklaute Zigaretten und die Beleidigung eines Polizisten, seiner Ex-Lebensgefährtin sowie einer Geliebten. Das lückenhafte Alkohol-Gedächtnis einiger Zeugen war aber auch der Grund, dass die angeklagte räuberische Erpressung zu einer versuchten Nötigung schrumpfte. Denn an entscheidende Details dazu konnten sich Beteiligte nicht mehr erinnern.

Verteidigerin Ines Kreisel hatte für insgesamt ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung plädiert. Staatsanwalt Arnd Knoblauch hielt zwei Jahre und sieben Monate für angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Thomas Haegeler

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