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Altenburg Amtsgericht Altenburg verurteilt Anwalt zu Bewährungsstrafe
Region Altenburg Amtsgericht Altenburg verurteilt Anwalt zu Bewährungsstrafe
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11:05 07.03.2018
Ein Altenburger Anwalt hat vom Amtsgericht wegen Untreue eine einjährige Bewährungsstrafe bekommen und muss zudem 1500 Euro an die Staatskasse zahlen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Eigentlich stehen Juristen von Berufs wegen vor Gericht. Entweder sie klagen als Staatsanwalt jemanden an oder sie vertreten als Verteidiger die Interessen eines Angeklagten. Doch bei Martin Schwarz* war das am Montag anders. Der Mittvierziger saß neben seinem Anwalt Tommy Flechsig wegen Untreue auf der Anklagebank des Altenburger Amtsgerichts, schaute sich während der Verhandlung mehrfach nervös um – und verließ den Saal mit einer einjährigen Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 1500 Euro Geldstrafe zahlen.

Grund hierfür war, dass der gebürtige Sachse knapp 20 000 Euro veruntreut hatte. Das gestand er im Kern ein, berichtete aber von unglücklichen Umständen. Nach dem Hochwasser 2013 hatte er für einen Freund den Streit mit der Versicherung um die Schadensregulierung an dessen Haus übernommen. Es ging um fast 100 000 Euro. Knapp die Hälfte war noch an den Freund geflossen. Dann wurde es diesem zu viel, er bat Schwarz um Hilfe und der übernahm. Mit Erfolg. Fast 50 000 Euro überwies der Versicherer an Schwarz. An den Freund leitete er aber nur 30 000 Euro weiter. Den Rest behielt er.

Zu jener Zeit hatte der Anwalt massive finanzielle Probleme, weil ihm seine Kanzlei über den Kopf gewachsen war. Er schuldete Krankenkassen- und Versorgungswerkbeiträge sowie Steuern. So pfändete das Finanzamt sein Geschäftskonto. Doch die Versicherung hatte just auf jenes – und nicht wie von ihm angegeben auf ein anderes Konto – gezahlt. Deshalb kam er zunächst nicht an das Geld. Warum er den Rest, immerhin über 12 000 Euro, nicht weiterleitete, vermochte er aber nicht zu sagen. Irgendwann war alles weg – für eigene Verbindlichkeiten.

Dem Freund aber sagte er nichts, redete sich auch auf Nachfragen fast ein Jahr lang heraus. Zuletzt mit dem Verweis auf eine Unterversicherung des Hauses. Als der Freund beim Versicherungsmakler nachfragte und erfuhr, dass der Schaden komplett beglichen wurde, kam die Lawine ins Rollen. Deswegen wollte sich Schwarz gar das Leben nehmen. Was ihm nicht gelang, ereilte seinen Freund, der wenig später starb. Immerhin hatte er sich bei ihm noch entschuldigt. Das wiederholte der Angeklagte im Schlusswort und gegenüber der Witwe. „Das kommt sehr spät“, antwortete sie enttäuscht.

Mit seinem Urteil ging das Schöffengericht klar über die Forderungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft hinaus. Während Flechsig 90 Tagessätze zu je 20 Euro für ausreichend hielt, plädierte Staatsanwalt Klaus Schurwanz für 120 Tagessätze à 25 Euro. „Sie sind ein Organ der Rechtspflege und haben eine weitergehende Verantwortung“, begründete Richter Sandy Reichenbach, warum er härter bestrafte. „Sie haben nicht nur Ihre Treuepflicht, sondern auch das persönliche Vertrauensverhältnis missachtet.“ Zudem sei ein erheblicher Schaden entstanden, so Reichenbach. „Es ging um Existenzielles. Dem Freund wurde durch das Hochwasser die Lebensgrundlage weggespült und aus dieser Situation heraus begehen Sie eine Straftat.“ Hinzu komme die Vertuschung durch das Vertrösten. Auch wäre es für den Anwalt ein Leichtes gewesen, dem Finanzamt zu erklären, dass es sich um Geld eines Mandanten handle. Dennoch wertete man die schwierige Situation genauso für Schwarz wie die Fakten, dass er nicht vorbestraft und das Geld zurückgezahlt ist.

Laut Reichenbach wird Schwarz seine Zulassung als Rechtsanwalt aber behalten. Um diese zu entziehen, ist die Strafe weder hoch genug noch das Delikt ausreichend schwer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. * Name geändert

Von Thomas Haegeler

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