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"Anatevka" feiert Premiere im Landestheater

"Anatevka" feiert Premiere im Landestheater

Gerade zwei Wochen ist das neue Jahr alt, da überrascht das Theater das Altenburger Publikum wieder mit einer absolut sehens-, hörens- und erlebenswerten Premiere und setzt damit das fort, was für den ersten Teil dieser Spielzeit schon bilanziert wurde: Aufführungen auf hohem publikumswirksamen Niveau.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Manfred Hainich

Anatevka ist eine kleine jüdische Siedlung im zaristischen Russland nahe Kiew zur Zeit aufflammender Judenpogrome und nahender Revolution. Die Siedlung ist in sich abgeschlossen und die Menschen leben ganz in ihren jüdischen Traditionen. So wie der Milchmann Tevje mit seiner Frau und seinen fünf Töchtern, die er unter die Haube bringen möchte.

Trotz aller historischer Brisanz und ohne Happy End erlebt das Publikum ein wunderbares Spiegelbild jüdischen Lebens und Glaubens, das zeigt, wie auch langzeitig festgefügte Normen durch moderne Entwicklungen zu bröckeln beginnen und die alte Ordnung allmählich zerfällt. Das erfährt Tevje schmerzhaft: Er will seine Töchter auf traditionelle Weise durch eine Heiratsvermittlerin an den Mann bringen und muss erleben, dass diese ihre Partner schon selbst gewählt haben.

Es gibt Stücke, die ein Theater nur spielen kann, wenn es den geeigneten Protagonisten für die tragende Hauptrolle hat. Das Altenburg-Geraer Theater hat ihn für den Milchmann Tevje mit dem großartigen Peter Prautsch. Ihn muss man in dieser Aufführung erleben, um ihn für immer in Erinnerung zu behalten. Er bietet großartige Schauspielkunst in seinen Monologen und in den Zwiegesprächen mit Gott. Für dieses Feilschen hat er immer passende Zitate und geeignete Vorschläge bereit.

Einer seiner darstellerischen Höhepunkte ist der vermeintliche Traum, in dem er seine Frau von den geänderten Hochzeitsplänen für die älteste Tochter überzeugt. Sein jüdischer Akzent scheint ihm angeboren zu sein und wirkt niemals aufgesetzt. Und singen kann er auch noch.

Auf die Bühne gebracht hat dies alles Matthias Winter, ein Garant für erfolgreiche Inszenierungen seit Jahren. Er hat das Gespür für die Atmosphäre dieses vielschichtigen Stückes und behält immer die Balance zwischen lebensfreudiger Leichtigkeit und der Melancholie des Abschieds, zwischen turbulentem Geschehen und anrührenden stillen Momenten. Er hält das Geschehen im Fluss, auch durch sinnvollen Einsatz der Drehbühne und spickt es mit manchen Effekten, besonders auch durch den Einsatz des männlichen Balletts, für dessen Choreografie Peter Werner-Ranke verantwortlich ist.

Andreas Auerbach hat dem Regisseur die entsprechende Bühnenausstattung und den Personen Kostüme gegeben, die es ihm ermöglichten, das Stück in seinem ursprünglichen Kontext zu belassen. Die Musik ist natürlich geprägt durch jüdische Klezmer-Musik, aber auch durch russische Elemente und Kosakentänze in den Ballettszenen. Thomas Wicklein ist wieder einmal der musikalische Chef, der durch sichere Führung des Orchesters und der Solisten großen Anteil an dem Erfolg dieser Aufführung hatte. Vasile Hanciu ist auch "Der Fiedler auf dem Dach", der durch die Aufführung spazierte.

Der Chor, der diesmal mehr als sonst auch solistisch eingesetzt ist, glänzt gesanglich wie schauspielerisch. Neben Peter Prautsch agieren ebenfalls auf hohem Niveau die ehemaligen Ensemblemitglieder Rosemarie Dittmann-Bennert, Angela Poser-Kötzsch und Günter Markwarth, als die drei erwachsenen Töchter Frauke Willimczik, Paula Rummel und Claudia Müller und viele andere, die alle zu dem großen Erfolg beitragen.

Am Ende müssen alle ihren Heimatort Anatevka verlassen. Das geschieht ganz eindrucksvoll auf eher stille und unaufgeregte Weise. Als Symbol für dieses jüdische Schicksal steht Tevjes Milchkarren am Ausgang des Dorfes, bis nach sehr langem und begeistertem Beifall der letzte Vorhang fällt.

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