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Angekommen im Kartoffelland

Angekommen im Kartoffelland

Während in anderen Schulen noch gähnende Leere herrscht, wird am Friedrichgymnasium schon fleißig gebüffelt. Sieben Schüler aus China werden hier für drei Wochen mit einem Orientierungs- und Sprachkurs auf ihr Austauschjahr in Deutschland vorbereitet.

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Büffeln zurzeit im Friedrichgymnasium für ihr Austauschjahr: Faner Ling, Meng Yu Fan, Hui Fu, Jiaji Liang, Yiling Tang, Yang min Zhang und Dayuan Wang (v.l.).

Quelle: Mario Jahn

"Schmolln, Schmolln, Schmölln" - noch muss sich Faner Ling sehr konzentrieren, wenn sie den Ort nennt, in dem sie das nächste Jahr verbringen wird. Aber noch ist die 16-Jährige auch mit anderen Schülern aus ihrem Heimatland zusammen. Sie alle wollen ein Jahr lang eine Schule in Deutschland besuchen, dabei nicht nur die Sprache lernen, sondern etwas von der Kultur hierzulande mitbekommen. "Deutschland ist in der Wissenschaft fortschrittlich, das Bildungssystem ist gut und auch industriell stehen sie gut dar", spricht die 16-jährige Hui Fu die Gründe dafür aus, warum sie und die anderen Schüler nach Deutschland gekommen sind.

 

Momentan sind die sieben Jugendlichen noch gemeinsam im Rahmen des Austauschprogramms des Deutschen Youth For Understanding Komitees zu Besuch im Altenburger Land, Ende des Monats werden sie in ihre Gaststädte weiterreisen. Nur Faner Ling und Hui Fu bleiben im Altenburger Land. "Der Übergang zwischen der eigenen Kultur und der deutschen soll langsam gestaltet werden. Deshalb gibt es diese drei Wochen, in denen die Schüler zwar schon in deutschen Gastfamilien leben, aber noch mit anderen Chinesen lernen", erklärt Anna-Theresa Dobmaier, die als ehrenamtliche Helferin den Kurs in Altenburg organisiert hat. Die 19 Jahre alte Abiturientin war selbst mit der Organisation in Finnland und weiß deshalb, wie wichtig diese Zeit ist, um sich einzugewöhnen. Und sie weiß auch, dass die Schüler bereits die ersten Kulturschocks hinter sich haben. "Das fängt ja zum Teil schon beim Essen an."

 

Dayuan Wang kann davon ein Lied singen: "Kartoffeln, Kartoffeln, wir sind hier im Kartoffelland." Der 15-Jährige wünscht sich an manchen Tagen das chinesische Essen zurück, denn dort isst man Kartoffeln nur ab und zu als Gemüsebeilage. Was ihn noch erstaunt hat: Dass die Garagen- und Haustür bei seinen Gasteltern öfter mal nicht abgeschlossen wird. Es sind diese Kleinigkeiten, die die chinesischen Schüler nicht erwartet haben und nicht kennen, wie Orientierungslehrerin Yindi Jiang aus Erfahrung weiß: "Zum Beispiel, dass die Eltern anklopfen, wenn sie in das Zimmer kommen. Oder dass die Eltern nichts dagegen haben, wenn ihre Töchter einen Freund haben", zählt sie einige Beispiele auf. Genau auf diese Situationen soll sie die Jugendlichen vorbereiten und bringt ihnen deshalb täglich zwei Stunden lang etwas über die Kultur, das Familienleben, die Geschichte und die Kommunikation in Deutschland bei. Den Großteil lernen sie aber bereits jetzt bei den Altenburgern, die sie aufgenommen haben.

 

"Sie fühlen sich sehr wohl in ihren Gastfamilien", ist sich Yindi Jiang sicher. "Sie wurden aufgenommen, haben Familienfeiern miterlebt, sich die Stadt angesehen und vieles mehr." Und dabei wurde auch gleich mit ein paar Vorurteilen aufgeräumt, wie Faner Ling erzählt: "Die Deutschen sind gar nicht so ernst, wie ich dachte. Sie lachen auch sehr viel."

Jenifer Hochhaus

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