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Angst um Gesundheit: Lucka kämpft gegen HKW

Protest-Demo Angst um Gesundheit: Lucka kämpft gegen HKW

Etwa 50 Bürger von Lucka haben am Donnerstag gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des seit über drei Jahren stillgelegten Heizkraftwerks im Industriepark Nord protestiert. Dort sollen ohne ein neues Genehmigungsverfahren unter anderem Altreifen und gefährliche Abfälle verbrannt werden. Die Anlagen gelten als verschlissen.

Etwa 50 Bürger demonstrieren am Donnerstag vor dem Tivoli in Lucka gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Heizkraftwerkes im Industriepark Nord.

Quelle: Bastian Fischer

Lucka. Gasmasken und Mundschutz. Deutlicher konnten einige jener 50 Demonstranten am Donnerstag vor dem Tivoli in Lucka ihren Widerwillen gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Heizkraftwerkes nicht zeigen. Nach rund 15-jähriger Laufzeit war die Anlage auf dem Gelände des Industrieparks Nord zwischen Meuselwitz und Lucka im März 2013 abgestellt worden. Doch noch gut konnten sich Teilnehmer der Demonstration an den jahrelangen Gestank erinnern und an die Belastungen für die Anwohner, wie zum Beispiel Olaf Töpfer: „Da zogen gelbe Schwaden durch die Luft, es war unerträglich. Schon beim Vorbeifahren bekam man Atemnot“, sagte er der OVZ.

Das könnte sich nun wiederholen. Denn der neue Eigentümer, die Firma DIT GmbH & Co.KG, will die Öfen wieder anfahren und hat für diesen Antrag eine Liste jener Stoffe vorgelegt, die verfeuert werden sollen (siehe dazu Kasten). Allerdings plant DIT, die Verbrennungsanlage nicht komplett neu genehmigen zu lassen, sondern sich die Erlaubnis nur für drei Änderungen einzuholen. Diese betreffen die Anpassung der Messtechnik für Ammoniak sowie des Tagesmittelwertes für diese chemische Verbindung an die neue Verordnung.

Ansonsten soll das im Moment nicht betriebsbereite und verschlissene HKW instandgesetzt werden. Die Abgase der Feuerungsanlage werden durch bereits vorhandene Reinigungseinrichtungen minimiert, sodass die Grenzwerte sicher eingehalten werden, heißt es im Genehmigungsantrag von DIT, der der OVZ vorliegt.

Im Großen und Ganzen soll die Anlage so weiter betrieben werden, wie sie ist. Die dafür erteilte Genehmigung lief nach einer dreijährigen Stillstandzeit jedoch am 5. März 2017 aus. Wenige Tage zuvor, am 16. Februar, beantragte der neue Besitzer eine Fristverlängerung für die Gültigkeit aller Genehmigungen zunächst bis Ende dieses Jahres und danach in einem zweiten Antrag bis Ende 2018. Bis dahin will DTI das HKW wieder in einen betriebsbereiten Zustand bringen.

Das wird aufwendig und teuer. Ehemalige Mitarbeiter berichten von immensen Schäden, die sich in der Stillstandszeit noch verstärkt haben. OVZ-Informationen zufolge sind Konservierungsmaßnahme zur Vermeidung der Stillstandkorrosion ausgeblieben. Der Brenner der Anfahrkessel und andere technische Einrichtungen wurden entfernt.

Auch Fachleute im Landratsamt sehen dieses Problem kritisch. Die Anlage war einerseits wegen des technischen Zustandes eines Kessels stillgelegt worden, was zu erheblichen Investitionskosten geführt hätte, die sich auf insgesamt 2,5 Millionen Euro auftürmen würden. Zum anderen arbeitete das HKW vor dem Hintergrund der geringen Erlöse am Strommarkt ohnehin nicht wirtschaftlich.

Die Fachleute in der Kreisbehörde gehen nach OVZ-Informationen deshalb davon aus, dass das HKW nicht als Verwertungsanlage, sondern der kostengünstigen Entsorgung von Abfällen dienen soll. Darauf könnte hindeuten, dass der Änderungsantrag um 19 weitere Abfallarten ergänzt wurde, die nicht in den alten Genehmigungen enthalten sind.

Für eine Fristverlängerung gebe es keine stichhaltigen Gründe. Im Moment stehe nach Ansicht der Fachleute nämlich nicht fest, dass bei einer Wiederinbetriebnahme eine Umweltschädigung sowie Gefahren und Belästigungen ausgeschlossen sind.

Diese Warnung passt so gar nicht zum Antrag der HKW-Betreiber, bei dem neuen Genehmigungsverfahren auf eine Öffentlichkeitsbeteiligung zu verzichten. Durch die vorgesehenen Maßnahmen seien keine nachteiligen Auswirkungen auf umliegende Schutzgüter zu erwarten, versichert DIT.

Die Luckaer Bürgermeistern Kathrin Backmann-Eichhorn sieht dies völlig anders. „Das Vorgehen des Eigentümers schreit zum Himmel“, rief sie zur Kundgebung am Donnerstag vor der Stadtratssitzung. Die Pläne gefährden geplante und erfolgte Investitionen in der Region, wie ein Zentrum für Gesundheit und Bildung im nur 1600 Meter entfernten Falkenhain oder einen neuen Eigenheimstandort in Lucka. „Das kollidiert mit allem, was in der Region an Investitionen bisher getätigt wurde.“ Die Stadt werde mit allen, auch juristischen Mitteln gegen die Pläne vorgehen, kündigt Backmann-Eichhorn an.

Auch der Stadtrat beschäftigte sich anschließend mit dem Thema. Einstimmig beschlossen die Volksvertreter, einen Bebauungsplan für den Industriepark Nord aufzustellen, auf dem sich das HKW befindet. Darin sollen die Art der baulichen Nutzung, die zulässige Abgabe von Schadstoffen, wie Müll, Abgase, Abfall, Staub, Lärm oder Abwasser sowie Flächen und Maßnahmen für den Umweltschutz exakt festgelegt werden. Bis der Plan rechtskräftig ist, soll eine ebenso beschlossene Veränderungssperre diese Ziele absichern.

Sehr besorgt über das HKW ist auch Andreas Heilmann, der deswegen zur Demo kam. „Hier soll etwas still und heimlich durchgedrückt werden“, sagte der Luckaer der OVZ. Zudem werde mit zweierlei Maß gemessen. „Ohne grüne Plakette kann ich nicht nach Leipzig einfahren, aber hier, nur 15 Kilometer weiter, sollen plötzlich ohne Probleme Dioxine verbrannt werden.“

Von Jens Rosenkranz und Bastian Fischer

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