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Anita Berber – Ein Dix-Gemälde erwacht und tanzt

Ballettpremiere in Altenburg Anita Berber – Ein Dix-Gemälde erwacht und tanzt

Wer, bitte schön, ist Anita Berber? Selbst eingefleischte Theatergänger haben Schwierigkeiten mit einer Antwort auf diese Frage. Der wenig bekannten Biografie und einer schwer verdaulichen Musik wegen ist der Zugang zur neuesten Ballett-Inszenierung des Altenburg-Geraer Theaters nicht leicht. Das Premieren-Publikum am Sonntag feierte sie dennoch.

Er malt sie, wie er sie sieht, nicht wie sie aussieht – Fabio Boccalatte als Otto Dix und Anastasia Kuzina als Anita Berber.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Wer, bitte schön, ist Anita Berber? Selbst eingefleischte Theatergänger haben Schwierigkeiten mit einer Antwort auf diese Frage. Der wenig bekannten Biografie wegen ist der Zugang zur neuesten Ballett-Inszenierung des Altenburg-Geraer Theaters „Anita Berber – Göttin der Nacht“, die am Sonntag ihre Altenburger Premiere im dennoch gut besuchten Landestheater erlebte, nicht leicht. In Gera machte zur Uraufführung im vergangenen Jahr zumindest der Lokalkolorit die Hinwendung einfacher. Denn ein berühmter Sohn der Stadt, der Maler Otto Dix, porträtierte die Tänzerin.

Der international gefragte Choreograf Jiri Bubenícek, einst Solist am Hamburger Staatsballett und am Ballett der Semperoper, setzte in seiner Debütarbeit für das Ostthüringer Theater daher nicht von ungefähr gerade auf Dix, der die Titelfigur auf ihrem Lebensweg begleitet – durch die Nachtclubs, auf die Showbühnen, ins Sanatorium und zum Schluss in den Tod.

Gleich zu Beginn steht die Tänzerin Anita Berber in einem knallroten Kleid und ebensolchen Lippen dem Maler Modell, um das Bild gleich darauf zu zerstören. Denn es zeigt eine Frau mit schwarz umrandeten Augen, tief liegenden Wangen und spitzem Kinn mit weiß geschminkten Gesicht und vom Leben gezeichnet. Dix zeigt Berber in einem Alter, das sie nicht erreichte. Denn die alkohol- und drogensüchtige Berliner Tänzerin starb 1928 im Alter von gerade einmal 29 Jahren an den Folgen einer Tuberkulose.

Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Otto, der an Konzept und Inszenierung mitwirkte, zeichnet Jiri Bubenícek in seiner Choreografie ein Sittengemälde vom Anfang des 20. Jahrhunderts und von Berbers wechselvollem Leben als Künstlerin und Stilikone, zeigt ihre Selbstinszenierung und ihre Abstürze in Alkohol, Drogen und sexuelle Abenteuer mit beiderlei Geschlecht. Er zeigt sie in Bars, als umjubelter Star auf der Bühne, unter den sie anhimmelnden Fans, betrunken an einem Filmset, bei einem Gewaltausbruch, in ihrer fatalen Abhängigkeit von ihrem Liebhaber Sebastian Droste, verletzlich in einem Sanatorium und wie gewandelt im Zusammensein mit ihrem späteren Mann Henri Hofmann, der sie aus dem Sumpf zu ziehen versucht.

Oftmals sind diese Szenen allerdings zu lang, bringen immer wieder das gleiche Bild: Anita Berber – die Männer und die Drogen. Erst in der letzten halben Stunde des 90-minütigen Balletts kommen mit dem Sanatorium, in dem die Diva im langen Latexgewand verloren umher schreitet, und der Schlussszene, als Berber – von Dix in ein Harlekin-Kostüm gesteckt – hustend stirbt, wandelt sich das Bild.

Trotz der üppigen 20er-Jahre geht es bei Ausstattung und vor allem Bühnenbild spartanisch zu: ein Podest für die Show, ein Glitzervorhang für eine Bar, kalt-weiße Neon-Rechtecke für die Klinik, ein paar Stühle. Das muss genügen und tut es auch. Denn dieses Ballett lebt vor allem von den Akteuren auf der Bühne, dem Thüringer Staatsballett. Allen voran Anastasia Kuzina in der Titelrolle. Die Tänzerin aus Weißrussland, seit 2009 im Engagement, leistet Beeindruckendes. Auch Mattia Carchedi und Filip Kvacak als Droste und Hofmann brillieren.

Wer also den nicht leichten Zugang zum Stück – vielleicht auch durch einen Vorab-Blick ins Programmheft – gemeistert hat, muss allerdings zudem auch eine schwere, ganz und gar nicht eingängige Musik verdauen, die der britische Komponist Simon Wills ebenfalls als Auftragswerk geschaffen hat. Da gibt es kaum Melodiöses und nur wenige Anleihen an der Musik der Goldenen Zwanziger. Das Philharmonische Orchester unter Leitung von Takahiro Nagasaki meistert den schwierigen Part dennoch mit Bravour.

Am Ende gab es vor allem für die Glanzleistung des Balletts verdientermaßen stürmischen Applaus, Trampeln und Bravos. An das andere getanzte Künstlerporträt dieser Spielzeit über Edith Piaf indes reicht Anita Berber nicht heran.

Die nächste und zugleich letzte Aufführung in Altenburg an diesem Freitag, 31. März, 19.30 Uhr. Karten unter Tel. 03447 585177.

Von Ellen Paul

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