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Altenburg Annekathrin Bürger liest in der Altenburger Music Hall
Region Altenburg Annekathrin Bürger liest in der Altenburger Music Hall
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00:33 15.11.2015
Die Schauspielerin Annekathrin Bürger bei ihrer musikalischen Lesung in der Altenburger Music Hall.  Quelle: Klaus Peschel
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Altenburg

 Einmal im Jahr organisiert der Altenburger Arbeitskreis Frauen-Perspektive eine kleine kulturelle Erlesenheit. In diesem Jahr gelang es, eine Ikone der DEFA-Ära in die Altenburger Music Hall zu holen. Annekathrin Bürger. Unterstützt wurde der Arbeitskreis dabei vom Verein der LandCineasten. Dessen Vorsitzender, Klaus Hiller, und Ines Quart vom Frauenarbeitskreis eröffneten am Mittwochabend in der ausverkauften Music Hall die konzertante Lesung.

Was beide bei ihrer Ansage noch nicht wussten, Annekathrin Bürger hatte das falsche Buch in ihrem Gepäck. Die Diva wusste es zu dem Moment auch noch nicht. Merkte es erst eine Minute vor ihrem Auftritt. Hiller sagte zuvor, dass er vor längerer Zeit mit der Künstlerin telefonischen Kontakt aufgenommen habe, und man hat sich für eine Lesung der erotischen Geschichten von Giovanni Boccaccio entschieden, dem „Decamerone“, einem Klassiker der Weltliteratur. Ein Pogramm, mit dem die Bürger seit Jahren die Säle füllt. Ines Quart meinte zum Thema des Abends: „Liebe ist für alle in jedem Alter ein Thema.“

Was das Alter der zahlreichen Besucher der konzertanten Lesung betrifft, so ist folgendes anzumerken. Als 1968 der Egon-Günther-Film „Abschied“, Drehbuch Günter Kuhnert nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Robert Becher, in die Kinos kam – die Bürger spielte die Magda und ihr Mann Rolf Römer spielte den Hoch – da hatten viele der Anwesenden die Pubertät längst hinter sich. Vor sich hatten sie am Mittwochabend aber zwei spannende Stunden. Die begannen damit, dass Klaus Hiller zum zweiten Mal die Bühne betrat und verkündete: „Es gibt eine Programmänderung.“ Annekathrin Bürger gesellte sich ihm zur Seite und gestand ein: „Ich habe das falsche Buch gegriffen, das ist mir bei einer Lesung noch nie passiert.“

So gab es in der Music Hall statt eines erotischen Ausflugs in das italienische Mittelalter einen Streifzug durch das Leben der Annekathrin Bürger. Sie las aus ihren Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben, aus ihrer Autobiografie mit dem Titel „Der Rest, der bleibt“. Das Buch, gemeinsam mit der Berliner Autorin Kerstin Decker geschrieben, erschien 2007 in erster Auflage. 2011 noch einmal im Verlag Das Neue Berlin. Die plötzliche Programmänderung traf unerwartet auch den musikalischen Begleiter der Lesung, Christian Georgi. Beide kennen sich jedoch seit über 30 Jahren, so dass ein Wechsel von erotischen Klängen zum Timbre der Filmmusik eine Kleinigkeit war. Sie stellte ihn als „den Mann mit den viele Flöten“ vor.

Dass die plötzliche Veränderung des Spielplans zu keinem Murren im Publikum führte, lässt vermuten, die Leute sind wegen der Bürger gekommen und nicht wegen Boccaccio. Aus ihrer 400 Seiten umfassenden Biografie hatte die Schauspielerin dramaturgisch geschickt ausgewählt. Amüsant erzählte sie, wie sie zum Film kam. Mit Ehrfurcht fand sie Worte zu den ganz Großen des 20. Jahrhunderts. 1961 stand sie Dmitri Schostakowitsch gegenüber. Er komponierte die Musik für den Streifen „Fünf Tage – Fünf Nächte“. „Schostakowitsch war ein wunderbarer Mensch“, sagte Annekathrin Bürger in Altenburg. Im gleichen Jahr 1961 lernte sie den Regisseur Konrad Wolf als sehr bescheidenen Mann kennen und saß beim Filmfestival in Moskau mit Elizabeth Taylor und Gina Lollobrigida in der gleichen Reihe.

Da war sie Mitte Zwanzig. Heute ist sie 78. Und sie tourt noch immer durch die Lande. In der Altenburger Lesung konnte sie überzeugen. Dafür gibt es zumindest drei Gründe. Erstens: Sie überzeugt durch ihre Ausstrahlung als Schauspielerin. Selbst für das Eingestehen ihrer Schussligkeit, was das Textbuch betraf, gab es Applaus. Zweitens: Sie überzeugt durch ihre Stimme. Die gleicht dem Klang eines Hammerklaviers. Drittens: Sie überzeugt durch ihr musikalisches Pendant Christian Georgi. Er ist mehr als nur der Ian Anderson bei den Lesungen der Annekathrin Bürger.

Angesichts der organisatorischen Panne versprach Annekathrin Bürger, den eigentlich geplanten Abend mit den Geschichten des Giovanni Boccaccio im kommenden Jahr in Altenburg nachzuholen. „Wenn das hier organisiert wird, dann bin ich mit dabei“, versprach sie. Klaus Hiller von den LandCineasten zeigte sich optimistisch.

Von Klaus Peschel

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