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Altenburg Ansturm auf Altenburger Aldi – Stadt sucht Notlösung für Osterland-Center
Region Altenburg Ansturm auf Altenburger Aldi – Stadt sucht Notlösung für Osterland-Center
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10:54 03.12.2018
Bei der Eröffnung des neuen Altenburger Aldi-Markts in der Offenburger Allee herrscht den ganzen Tag über Andrang. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Mit einem regelrechten Ansturm haben die Altenburger am Sonnabend ihren neuen Aldi begrüßt. Am nun mit 999 Quadratmetern deutlich größeren Markt in der Offenburger Allee herrschte von früh bis spät ein ständiges Kommen und Gehen. Ein Verkehrschaos oder lange Schlangen wie vor einigen Tagen bei der Norma-Eröffnung gab es aber nicht. Binnen sechs Monaten – von April bis November – wurde die alte Verkaufsstelle, die vis-a-vis stand, abgerissen und die neue gebaut. Zur Höhe der Investition machte Aldi trotz Nachfrage keine Angabe.

Trotz Neuerungen bleibt sich Aldi treu

Conny Thöle, Filialverantwortliche in Altenburg, freute sich jedenfalls, ihren Kunden endlich den neuen Markt zu präsentieren. „Die letzten Wochen waren sehr arbeitsintensiv, aber es hat sich gelohnt“, sagte sie, während es vor der Filiale einen Imbiss und ein Gewinnspiel gab. Aber auch drinnen war einiges zu entdecken: große Fensterfronten, hellere und breitere Gängen mit Fokus auf den Frischebereichen und den Themenwelten inklusive „Rezept der Woche“ mitsamt den dafür nötigen Zutaten. „Bei allen Neuerungen und Optimierungen bleiben wir natürlich Aldi“, so Regionalverkaufsleiter Marco Brenneiser.

Keine Entlassungen trotz Schließung im Osterland-Center

Unter die Freude der Neueröffnung mischte sich aber auch Ärger. Schließlich gibt es nun nur noch einen Aldi in Altenburg. Denn seit Donnerstag ist die zweite Filiale des Discounters im Osterland-Center zu. Entlassen wurde laut Aldi deswegen aber niemand. Vielmehr sind alle Mitarbeiter in die neue Verkaufsstelle gewechselt, in der nun 14 Leute arbeiten. Diese Entscheidung hatte Regionalgeschäftsführer Rüdiger Tix seinerzeit mit einer geänderten Strategie bei Aldi, Umsatzrückgängen im Markt an der Geraer Straße und mit Blick auf die demografische Gesamtentwicklung begründet: „Es gibt eine Neuausrichtung mit großflächigeren Märkten, die großzügiger gestaltet sind.“

Daneben brauchte man mehr Platz für mehr Auswahl, ein insgesamt größeres Angebot und ein besseres Einkaufsgefühl. Zudem ist sich Tix sicher, den Umsatz aus dem Osterland-Center künftig in der neuen und in der 2014 neu gebauten Filiale in Nobitz mitzumachen. Die vielen leeren Läden im Einkaufszentrum im Westen der Skatstadt bezeichnete er als „völlig unbefriedigend“.

Stadträtin schlägt vor Eigentümer einzuladen

Eine Meinung, die auch im Altenburger Stadtrat vorherrscht. „Die Entwicklung im Osterland-Center ist ziemlich dramatisch“, sagte Birgit Klaubert (Linke), die zur dortigen Entwicklung seit Monaten immer wieder nachfragt, am Donnerstagabend bei ihrer neuerlichen Nachfrage zum Thema. Sie habe in der Vorwoche Leute mit Gehstock auf dem Parkplatz getroffen, die nun zum ersten Mal mit dem Bus ins nächste Einkaufszentrum gefahren sind. „Wird es nicht höchste Zeit, dass wir den Eigentümer in den Bauausschuss oder in den Stadtrat einladen oder wenigstens eine Einwohnerversammlung dazu machen“, fragte die Stadträtin und frühere Thüringer Bildungsministerin. „Denn Eigentum verpflichtet.“

OB: Nichts Neues, Einladung aber erst ab Januar sinnvoll

Da er Anfragen nahezu aller Fraktionen dazu erhalten habe, habe er sich mit dem Eigentümer Josef Hofmann erneut in Verbindung gesetzt, antwortete Oberbürgermeister André Neumann (CDU). Man könne auch gern eine der 2019 geplanten Einwohnerversammlungen in der Nähe machen. „Ohne Antworten ist das aber schwierig.“ Damit meinte der Rathauschef, dass es aktuell nichts Neues gebe. „Herr Hofmann hat erneut um Vertrauen gebeten.“ Ende Dezember/Anfang Januar könne man über neue Strategien reden. „Wir können ihm gern eine Einladung aussprechen, aber es ist seine Entscheidung, wie öffentlich er das Ganze behandeln will.“

Stadt spricht mobile Händler an

Allerdings sei der Stadtverwaltung die Dramatik der Lage bewusst, so Neumann weiter. „Wir sind so verzweifelt, dass wir über die Wirtschaftsförderung und das Ordnungsamt rollende Läden ansprechen, dass sie wenigstens einmal pro Woche kommen. Wir bemühen uns um eine temporäre Lösung.“ Allerdings sei das eine Notmaßnahme, um die Nahversorgung sicherzustellen. „Das ist aber keine befriedigende Lösung für das Osterland-Center.“

Im Westen fehlt Lebensmittelhändler

Hintergrund des Problems: Im Westteil der Skatstadt wohnen viele Menschen und mit dem Bau der Seniorenwohnanlage Jahnpark werden es perspektivisch noch deutlich mehr, die eine Nahversorgung brauchen. Diese ist nach der Schließung des Aldi im Osterland-Center aber nicht mehr gegeben, da sich als Einkaufsmöglichkeiten dort nur noch zwei Tedi-Märkte befinden. Die nächsten Lebensmittelhändler sind mit dem Sell-Markt Am Steinweg und dem Netto an der Schmöllnschen Landstraße schon ein ganzes Stück weg. Vor allem für ältere Leute oder Gehbehinderte ist das ein großes Problem.

Von Thomas Haegeler

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