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Altenburg Anwohner in Elie-Wiesel-Straße kritisieren randalierende Jugendliche
Region Altenburg Anwohner in Elie-Wiesel-Straße kritisieren randalierende Jugendliche
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05:48 03.11.2018
Das Areal in der Elie-Wiesel-Straße verkommt immer mehr. Quelle: Bastian Fischer
Altenburg

Der Feuerwehreinsatz in der Elie-Wiesel-Straße sorgt auch einige Tage später noch für reichlich Aufregung in Altenburg-Nord. Die anrückenden Kameraden der Feuerwehr hatten den Brand in dem Gebäudekomplex, in dem früher unter anderem eine Apotheke sowie die Holzwerkstatt der Ostthüringer Neue Arbeit untergebracht war, zügig unter Kontrolle. Man gehe derzeit von Brandstiftung aus, so die Polizei gegenüber der OVZ. Unbekannte Täter hätten Unrat entzündet, der Sachschaden sei aber durch den Zustand des Gebäudes gering. Ungeachtet des schnellen Eingreifens bereiten Anwohnern die Vorkommnisse um das Areal Sorgen.

Alkohol und Sachbeschädigung

„Hier schleichen immer mal wieder Leute herum, man hört Schreien und laute Musik“, berichtet Silke Kummer beim Ortsbesuch. Die Anwohnerin wohnt seit Langem unweit des Komplexes, hat die Geschehnisse seit geraumer Zeit im Blick. „Seit mehreren Jahren stehen die Gebäude leer, etwa seit dem Sommer ist dort immer wieder etwas los“, erzählt sie. Und „los“ ist so einiges: Da würden Scheiben eingeschlagen, Gegenstände aus den Fenstern geworfen, träfen sich auch im Umfeld und auf dem nahen Nordplatz Gruppen, werde Alkohol getrunken.

Die Spuren solcher Zusammenkünfte sind deutlich sichtbar. Überall finden sich leere Getränkebehälter, liegen Flaschen, Zigarettenpäckchen und Glasscherben. Viele Fenster des Komplexes sind eingeschlagen, an Außen- und Innenwänden prangen Graffiti. Auf dem Vorplatz wuchert Unkraut zwischen rissigen Pflastersteinen.

Der Gebäudekomplex zwischen Elie-Wiesel-Straße und Nordplatz, in dem früher auch die Holzwerkstatt der „Ostthüringer Neue Arbeit“ untergebracht war, ist inzwischen schwer gezeichnet.

Angeblich illegaler Jugendtreff

Was genau in den Gebäuden vor sich geht, deutet ein Jugendlicher gegenüber der OVZ an. Seit August werde der Komplex als eine Art illegaler Jugendtreff genutzt, so der junge Mann, der anonym bleiben möchte. Mit Gewalt hätten sich Jugendliche Zutritt zu den Räumlichkeiten verschafft, Bänke hinein geräumt, Graffiti an die Wände gesprüht, Deckenleuchten zerschlagen und Gegenstände aus den Fenstern geworfen. Der Grund für die Aktionen sei denkbar simpel, so der Teenager: Es gebe nicht genug Angebote für die Jugend in Nord, das „Abstellgleis“ sei aus seiner Sicht unzureichend. „Ein besseres Jugendangebot wäre gut“, findet er.

Anders sieht die Sache Ulrich Schwinger. „Abreißen müsste man die Häuser endlich oder zumindest besser sichern“, fordert der Anwohner. Dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, zeige sich seit Wochen. Dabei sei es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Gravierenderes passiere. „Ich sehe es schon kommen: Zu Silvester wird es hier wieder richtig kritisch“, ist er sich sicher.

Kein Schwerpunkt für Polizei

Auch bei der Polizei hat man die Situation in Altenburg-Nord im Blick, gibt sich allerdings recht gelassen. Zwar sei bekannt, dass der Komplex nicht hinreichend gesichert sei, von einem illegalen Jugendtreff wisse man hingegen nichts, teilt eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion mit. Entsprechend sei auch keine Einsatzhäufung in dem Areal festzustellen, es handele sich zudem nicht um einen Schwerpunkt bei der Streifentätigkeit. Daran werde sich mittelfristig wohl auch nichts ändern. „Die Sicherung eines Privatgebäudes ist nicht Auftrag der Polizei, sondern Pflicht des Eigentümers“, so die Sprecherin. Man habe der Stadt Altenburg – die indes nicht Eigentümer ist – die erforderlichen Sicherungsarbeiten mitgeteilt.

Stadt sieht keinen akuten Handlungsbedarf

Viel mehr, das wird aus der Antwort der Stadt auf OVZ-Anfrage deutlich, wird in dem Bereich auch nicht passieren. Zwar sei man nach wie vor bestrebt, in den nahen Nordplatz zu investieren und das gesamte Gebiet so aufzuwerten. Da sich beide Grundstücke in Privatbesitz befinden, sei der Handlungsspielraum der Verwaltung hier begrenzt. Abriss, Neubau oder Renovierung könnten nicht erzwungen werden. Allerdings habe sich ein Mitarbeiter des Bauordnungsamts nach dem Brand vor Ort ein Bild der Lage gemacht – jedoch „keinen akuten Handlungsbedarf“ feststellen können.

Über einen illegalen Jugendtreff lägen auch im Rathaus keine Erkenntnisse vor, heißt es weiter. Augenscheinlich sei das Objekt im Sommer verlassen gewesen und habe keine Spuren einer Nutzung aufgewiesen, habe das Ordnungsamt festgestellt. Lediglich Absperrungen seien vorgenommen worden.

Die Stadt bedauere zwar, dass direkt vor Ort keine Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen oder Apotheken mehr angesiedelt seien – dies seien jedoch rein unternehmerische Entscheidungen. Auch für Jugendliche böten sich mit Sportvereinen und Jugendeinrichtungen in Nord genügend Freizeitmöglichkeiten.

Von Bastian Fischer

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