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Altenburg „Auch in Meuselwitz werden Drogen gekauft und konsumiert“
Region Altenburg „Auch in Meuselwitz werden Drogen gekauft und konsumiert“
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22:00 07.03.2018
Kein Einzelfall: Auch in Meuselwitz werden Drogen gekauft und konsumiert. Quelle: dpa
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Meuselwitz

Deutlicher Rückgang auf der einen, größtenteils moderater Anstieg auf der anderen Seite: Es war eine letztlich zufriedenstellende Bilanz der Sicherheitspartnerschaft mit der Stadt, die Andreas Pöhler, Leiter der Polizeiinspektion Altenburger Land, kürzlich im Meuselwitzer Kulturausschuss ziehen konnte.

Im Vergleich zum Vorjahr, referierte Pöhler, sei die Zahl der Straftaten um 14,5 Prozent von 477 Delikten in 2016 auf derzeit noch 408 Delikte gesunken. „Die Aufklärungsquote beträgt 68,1 Prozent, damit liegen wir über dem Bundesdurchschnitt“, teilte er mit.

Gesunken seien in den zurückliegenden zwölf Monaten vor allem die Fälle des schweren Diebstahls. „Damit spiegelt sich in Meuselwitz die Tendenz im gesamten Landkreis“, erklärte Pöhler. Verantwortlich für den Rückgang sei vor allem, dass seit 2015 sukzessive insgesamt 13 Intensivtäter in Haft gebracht wurden. „Der Verfolgungsdruck im Kreis ist sehr hoch, einige Täter ziehen daher auch weiter in benachbarte Landkreise oder angrenzende Bundesländer“, berichtete er, gab aber auch zu, dass eine solche Entwicklung nicht die optimale Lösung sei. Es bleibe abzuwarten, ob die Zahl der Delikte wieder steige, wenn die ersten Täter wieder aus der Haft entlassen würden.

Ebenfalls rückläufig sei die Zahl der einfachen Diebstähle sowie der sogenannten Rohheitsdelikte, zu denen etwa Körperverletzungen oder häusliche Gewalt zählten. Erfreulich hoch seien hier zudem die Aufklärungsquoten, die bei 98,7 (Diebstähle) beziehungsweise 92,2 Prozent (Rohheitsdelikte) liegen.

Anstiege, so weist die Bilanz aus, seien indes im Bereich Brandstiftung und Graffiti zu verzeichnen. Von jeweils zwei Delikten in 2016 stiegen die Zahlen auf nunmehr je 4 Fälle. Gestiegen seien zudem die Fälle der Sachbeschädigungen. Im Jahresverlauf, so Pöhler mit Blick auf die Branddelikte, hätten mehrfach Container in Flammen gestanden. Ängste vor einem Feuerteufel suchte er jedoch zu zerstreuen: „Es gibt hier keine Regelmäßigkeit.“

Der deutlichste Anstieg, so Pöhler, sei bei den Rauschgiftdelikten zu verzeichnen. Diese hätten sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Allerdings, so unterstrich der Polizeioberrat, handele es sich hierbei zum überwiegenden Teil um sogenannte Kontrollkriminalität, weniger um in großem Stil operierende Dealer. „Je mehr wir kontrollieren, umso mehr stellen wir fest“, erklärte er die Zusammenhänge. „Auch in Meuselwitz werden Drogen gekauft und konsumiert“, das müsse jedem klar sein. Dennoch, betonte er, sei die Schnauderstadt kein Sonderfall, auch Altenburg, Zeitz oder Borna hätten im Verhältnis mit einer ähnlichen Anzahl Delikte zu kämpfen.

Auf Nachfrage von Tina Rolle (UWG-SPD) ging Pöhler auch auf die Kontrolltätigkeit bei bekannten Meth-Wohnungen ein. Warum man diese nicht regelmäßig durchsuche, stattdessen meist nur die kleinen Fische wegfange,wollte Rolle wissen. Eine Durchsuchung, so Pöhler, setze zwingend einen richterlichen Beschluss voraus. „Dazu braucht es jeweils tatsächliche Anhaltspunkte. Wenn wir die Möglichkeit haben, greifen wir aber auch durch“, versicherte er.

Stellung nahm Pöhler ebenfalls zu den aus Sicht mancher Meuselwitzer übermäßig häufig vorgenommenen Kontrollen von Fahrradfahrern, von denen manche laut Tina Rolle sogar mehrfach pro Tag von der Polizei angehalten würden. Dies sei in erster Linie eine präventive Maßnahme, um etwa Alkoholfahrten zu vermeiden, erläuterte Pöhler. „Man sieht den Leuten leider nicht an, ob sie schon einmal kontrolliert wurden“, führte er aus. Da zudem bis zu 50 Beamte wechselweise in Meuselwitz tätig seien, könnten Mehrfachkontrollen nicht ausgeschlossen werden.

Komplett problemfrei, zumindest aus Sicht der Polizeiinspektion, sei 2017 hingegen die Kontrolltätigkeit rund um Haselbacher und Hainbergsee verlaufen. Dort hatten 2016 noch Rettungswege versperrende Fahrzeuge für Diskussion gesorgt. Auch was Sachbeschädigungen, insbesondere am Hainbergsee anbelange, sei es zu keinen Vorkommnissen gekommen.

Insgesamt, so Pöhlers Fazit, sei Meuselwitz „eine ruhige, ländliche Gegend“. Wichtig sei es, bei der Auswertung der Bilanz zu bedenken, dass das subjektive Sicherheitsgefühl nicht zwingend der objektiven Lage entspreche. „Vieles ist auch Hörensagen, wir können aber nur anhand von Fakten arbeiten“, betonte er zum Abschluss.

Kriminalitätsentwicklung in Meuselwitz

Rohheitsdelikte

2016: 67

2017: 56

Diebstahl

2016: 57

2017: 46

Schwerer Diebstahl

2016: 134

2017: 46

Brandstiftung

2016: 2

2017: 4

Sachbeschädigung

2016: 48

2017: 57

Graffiti

2016: 2

2017: 4

Rauschgiftkriminalität

2016: 41

2017: 88

Von Bastian Fischer

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