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Auf das Falschgeld folgt der Festakt: 150. Schul-Geburtstag in Altenburg

Auf das Falschgeld folgt der Festakt: 150. Schul-Geburtstag in Altenburg

Mit 150 Jahren ist die staatliche Berufsbildende Schule für Wirtschaft und Soziales in Altenburg eine der ältesten Ausbildungseinrichtungen Deutschlands. Am 23. April 1865 wurde sie als Handelsschule gegründet und feiert seit Montag ihr großes Jubiläum.

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Herbert Fechner führt die Schule seit vorigem Jahr.

Quelle: Mario Jahn

Beim Festakt Sonnabend Vormittag im Schloss wird auch Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) erwartet. Seit Montag gab es eine Festwoche mit vielen Angeboten. Zum Beispiel brachte ein Experte der Bundesbank den Schülern bei, wie man Falschgeld erkennt.

 

Seit 1997 besteht die Schule in ihrer jetzigen Form und bildet junge Menschen in den zwei großen Bereichen Wirtschaft und Sozialwesen aus. Doch wie kam es zur Bildung der Ausbildungsstätte nach der Wende, die aktuell unter ihrem Dach sechs verschiedene Schulformen - von Berufs- bis Vollzeitschule - vereint? Und wie steht sie heute da?

 

"Nach der Wende gab es plötzlich neue Schulformen in Thüringen, von denen wir noch nie etwas gehört hatten", erläutert Herbert Fechner, seit 2014 beauftragter Schulleiter in der Platanenstraße 3. Das Bildungsministerium gab vorläufige Lehrpläne aus und rief das Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien ins Leben. Einzelne Schulen wurden mit der Lehrplangestaltung beauftragt. Fechner: "In der DDR wurden Lehrpläne nicht von den Schulen erstellt, sondern vom Ministerium für Volksbildung vorgegeben. Zudem existierten unterschiedliche Schulformen nebeneinander. Man kam nicht auf den Gedanken, eine Berufsschule mit einer anderen Schulform zu kombinieren." In Altenburg sei es nach der Wende geschafft worden, sechs verschiedene Schulen, die räumlich getrennt voneinander lagen, in einer zu integrieren. Der Zusammenschluss unter einem Dach, um das Schulsystem effizienter zu gestalten, erfolgte 1997. "Dass wir uns über die Jahre einen einheitlichen Standort erarbeitet haben, ist schon eine große Leistung", erzählt der Schulleiter stolz.

 

Demografie steht Kopf

 

Als Leiter will Fechner die verschiedenen Schulformen (siehe Hintergrund) an seiner Bildungseinrichtung beibehalten, kann aber Probleme nicht von der Hand weisen. "Natürlich hat jede berufsausbildende Schule ein Interesse daran, alle Ausbildungsgänge zu bewahren. Wenn jedoch die Schüler fehlen oder die Betriebe keine Azubis mehr bei uns anmelden, dann kann keine Klasse gebildet werden, dann müssen die Schüler woanders ausgebildet werden." So geschehen 2012 und dieses Jahr für die Ausbildungsgänge Kaufmännischer Assistent für Informationsverarbeitung oder Betriebswirtschaft. Fechner: "Es haben sich einfach zu wenige Schüler beworben." Vorgeschrieben ist, dass eine Vollzeitklasse mindestens 20 Schüler, eine Berufsschulklasse mindestens 15 Schüler haben muss.

 

Auch die Gesamtschülerzahl ist rückläufig. "Im Ausbildungsjahr 2006/2007 hatten wir rund 1350 Schüler, jetzt nur noch etwa 830." Die Ursachen sieht er vor allem im demografischen Wandel. "Die Demografie in Deutschland steht auf dem Kopf. Wir beobachten eine ungesunde Entwicklung, in manchen Regionen in Thüringen werden zu wenige Kinder geboren. Am Ende sind keine Schüler da und müssen Bildungseinrichtungen wie 2002 das Platanengymnasium in Altenburg geschlossen werden."

 

Der Geburtenknick belaste auch die Berufsbildende Schule in Altenburg. Verschärft werde die Lage durch die Unsicherheit vieler Betriebe bei neuen Ausbildungsgängen. "Wir bieten seit August 2014 die neue Ausbildung Kaufmann für Büromanagement an, die die früheren Ausbildungsgänge zum Bürokaufmann und zum Kaufmann und Fachangestellten für Bürokommunikation ersetzt. Das macht Sinn, weil die Lehrinhalte so gut wie deckungsgleich waren. Obwohl das der am meisten ausgebildete Beruf in Deutschland ist, hatten wir dieses Jahr Probleme, überhaupt eine Klasse zu bilden."

 

Der Grund: Für die Betriebe ist das neu, sie sind unsicher und melden kaum neue Azubis an.

 

Ein weiteres Problem sieht Fechner im Wegzug vieler Menschen. Eine Kernaufgabe müsse sein, junge Leute durch eine gute Ausbildung hier in Arbeit zu bringen. Nur dann würden sie ihre Kinder auf Schulen im Altenburger Land schicken. "So stärken wir die Region und erhalten sie am Leben", sagt Fechner, der zugleich Abteilungsleiter für den Sozialpädagogischen Bereich ist.

 

Mehr Sozialassistenten-Bewerber

 

Aber es gibt auch Positives zu berichten: Die Grundschulklassen sind anders als vor einigen Jahren wieder gut besucht, dort lernt sozusagen der Nachwuchs für die Wiso-Schule. Auch gab es dieses Jahr deutlich mehr Bewerber für die Ausbildung zum Sozialassistenten. Ab dem neuen Schuljahr wird es erstmalig drei anstatt zwei Ausbildungsklassen geben. Eine ähnliche Entwicklung sieht der Schulleiter bei den Logistikberufen im Berufsschulsegment. Daher Fechners positive Bilanz: "Momentan sind wir gut aufgestellt."

Oliver Becker

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