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Altenburg Auf dem Vierseithof in Plottendorf entsteht in alter Scheune ein Passivhaus
Region Altenburg Auf dem Vierseithof in Plottendorf entsteht in alter Scheune ein Passivhaus
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00:16 18.10.2016
Gut lachen haben die Akteure beim Spatenstich für die Sonnenscheune, denn der Glasschaumschotter ist federleicht. Quelle: Jens Paul Taubert
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Plottendorf

Mit großem Bahnhof ist Freitagmittag der symbolische Spatenstich für die Sonnenscheune im Kulturdenkmal Vierseithof Plottendorf gesetzt worden. Statt ins Erdreich tauchten die Gartenwerkzeuge hier in Glasschaumschotter ein, der so leicht wie Polystyrol ist. Da hatte es Landrätin Michaele Sojka (Linke) unter anderem neben Klaus Sühl, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Jens Lüdtke, Chef des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung (Alf) Gera sowie dem Architekten Claus Krüger und den Bauherren diesmal leicht.

Dieser Akt war der Startschuss für ein zukunftsträchtiges und nachhaltiges Projekt. Die derzeit ungenutzte Scheune des einzigen in Plottendorf erhaltenen Vierseithofes soll in den nächsten beiden Jahren in ökologischer Bauweise zu einem der ersten energieautarken Wohnhäuser in historischem Bestand umgebaut und revitalisiert werden. Weil die Scheune größer als die Fläche des Wohnhauses ist, setzt die Hofgut Erler GbR auf ein Haus-in-Haus-Konzept. Hinter der GbR stehen Siegfried, Axel und Michael Erler, die diese vor vier Jahren gründeten, um den Fortbestand des Hofes zu sichern.

Um das Gehöft generationsübergreifend zu nutzen, sei von Anfang an klar gewesen, dass zusätzlicher Wohnraum für die Familien von Michael und Axel Erler zu schaffen war, so Axel Erler, der bei dem Projekt die Fäden in der Hand hat. Mit dem Haus, das mit einer Wohnfläche von 210 Quadratmetern konzipiert ist, entsteht eine neue Heimstätte für Axel Erlers Familie. Die wird in zwei Jahren aus der Schweiz, wo der junge Familienvater in einem großen Pharmakonzern tätig ist, ins Altenburger Land zurückkehren.

Warum er als Staatssekretär ausgerechnet zu diesem Spatenstich aufs Land gefahren ist, erklärte Klaus Sühl unter anderen so: „Ich bin heute hier, um zu zeigen, wie wichtig solche Projekte sind.“ Er hob außerdem hervor, dass es beachtenswert sei, dass junge Leute so ein Projekt in Angriff nehmen, das zehnfach mehr Arbeit bedeutet als ein Neubau.

„Durch solche Projekte ist mir nicht bange um die Zukunft unseres Landkreises. Da geben wir auch gern Unterstützung“, sagte Landrätin Sojka, die sich von den Plänen sehr angetan zeigte.

Bei solch großem öffentlichen Interesse für ein Bauprojekt ist meist ein Fördermittelgeber nicht weit. Und das war diesmal Jens Lüdtke vom Alf. „Die 350 000 Euro Fördermittel von Land und Europäischer Union werden nicht verschenkt. Sie sind an Bedingungen geknüpft“, betonte er. Dazu zählten der Denkmalschutz, die Nutzung, die Energieautarkie, oder die Revitalisierung von Brachflächen. All das sei auf dem Erlerhof gegeben. „Ohne diese Förderung könnten wir das Projekt so nicht umsetzen“, sind sich Axel und Michael Erler einig, belaufen sich doch die Gesamtkosten für die Sonnenscheune auf 625 000 Euro. Mit 60 Prozent förderfähig sind jedoch lediglich rund 585 000 Euro.

Genaue Vorstellungen darüber, was jetzt auf dem Anwesen entsteht, habe es vor zwei Jahren noch nicht geben. Festgestanden habe nur, mit solchen Materialien wie Holz, Sandstein und Lehm zu bauen, die zum Hof gehören. „Bei der Suche nach einem Architekten, der unsere Ideen aufgreift, sind wir auf Claus Krüger gestoßen. Er verfügt über Erfahrungen im nachhaltigen und ökologischen Bauen“, so Axel Erler. Mit dem Fachmann sei man schließlich auf die jetzige Lösung, die Haus-in-Haus-Variante, gekommen. Krüger selbst räumte ein, dass er von alter Bausubstanz begeistert sei.

Auf der nach Süden ausgerichteten 400 Quadratmeter großen Dachseite der Scheuen soll mit Sonnenkraft Strom und Warmwasser gewonnen werden. Mit der errechneten Menge wäre es möglich, den gesamten Hof zweimal mit Strom zu versorgen, erklärt Axel Erler auf Nachfrage.

Der sehr guter Dämmzustand im Zusammenspiel mit hoher Luftdichtigkeit des Innenhauses halten den Bedarf an Restwärme gering. Der wird über die Nutzung solarer Wärmeenergie und deren Speicherung fast ganzjährig gedeckt. Der zusätzliche Sonnenstrom macht das Haus zu einem Energie-Plus-Haus. „Der Autarkiegrad liegt bei 86 Prozent“, hebt Timo Leukefeld, Sonnenhaus-Pionier und Energiebotschafter der Bundesregierung, hervor. Er begleitet auf dem Hof der Erlers die Errichtung der Anlagen für die Energiegewinnung.

Von Marlies Neumann

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