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Auf den Spuren der Hasag-Opfer

Auf den Spuren der Hasag-Opfer

Die Stadt stellt sich jetzt auch ihrer düsteren Vergangenheit, konkret den Verbrechen, die während der Nazizeit im Rüstungskonzern Hasag an KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern begangen wurden - auch von Altenburgern.

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Marc Bartuschka bei der Vorstellung seiner Forschungsergebnisse.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. "Es ist Zeit, intensiv und verantwortungsbewusst mit diesem schwarzen Kapitel umzugehen", kündigte Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) kürzlich auf einer Einwohnerversammlung an.

 

Auf dem heutigen Gewerbegebiet Poststraße, auf dem die Hasag während des Zweiten Weltkrieges Munition herstellte, soll unabhängig von allen weiteren Erschließungsarbeiten eine "historische Spur" erhalten bleiben, wie der OB sagte. Die könnte beispielsweise in Form einer Gedenk-Stele oder -tafel an der Stelle der früheren Häftlingsunterkunft beginnen. Auf jeden Fall soll auch ein Teil einer originalen Baracke erhalten bleiben und der gesamte Zeitabschnitt später in Form eines Moduls in der stadtgeschichtlichen Ausstellung im Schloss Berücksichtigung finden, skizziert Wolf die Pläne der Stadtverwaltung.

 

"Nach fast 70 Jahren ist es Zeit, in der Erinnerungskultur eine neue Qualität zu erreichen. Wir wollen nachfolgenden Generationen zeigen, welch fürchterliches Unrecht in Altenburg geschah. Und wir wollen damit einen Beitrag zur europäischen Verständigung leisten", so der OB.

 

Deshalb war im Dezember der Jenaer Historiker Dr. Marc Bartuschka beauftragt worden, den gesamten Komplex, angefangen von der Hasag-Munitionsfabrikation und dem Einsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen dabei, bis hin zu noch vorhandenen baulichen Zeitzeugen seriös aufzuklären. Bisher lagen dazu nur Teilergebnisse von Heimatforschern vor.

 

Auch der monatelange Konflikt zwischen OB und Altenburger Geschichtsverein wurde in diesem Zusammenhang begraben. Wolf dankte auf der Einwohnerversammlung ausdrücklich den ehrenamtlichen Kräften: "Ich ziehe den Hut vor Wolfgang Böhm und seinen Mitstreitern", sagte er. Und der Chef des Altenburger Geschichtsvereins bestätigte: "Auch wenn es manchmal etwas ruppig war, bin ich doch froh, dass wir jetzt ein erstes Ergebnis haben. Es ist ein Zeichen, dass sich etwas verändert hat."

 

Probleme gibt es jedenfalls noch genug. Wie Bartuschka in einem Zwischenbericht über seine Forschungsergebnisse deutlich machte, ist bis jetzt nicht einmal der Standort der Häftlingsunterkunft eindeutig geklärt. Viele Indizien sprechen jedoch dafür, dass sie im Gebäude des einstigen Armaturenwerks zu lokalisieren ist - und nicht in den Baracken, wie bisher angenommen. Das Armaturenwerksgebäude ist jedoch schon lange abgerissen, ebenso die meisten Baracken. "Die noch vorhandenen sind aber auf jeden Fall ein authentischer Ort und geeignet, um Geschichte erfahrbar zu machen", riet Bartuschka.

 

Auch deshalb hat die Stadt jetzt noch stehende Baracken aus Privatbesitz im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben, wie der OB informierte. Und ein Teil der Baracke 19 soll erhalten bleiben, egal welche Funktion sie früher im System des Lagers hatte. "Aber wir können nicht alles erhalten", bat Wolf um Verständnis und kündigte den Abriss der übrigen Bauten an.

 

Denn die Stadt steht unter Zeitdruck. Die Erschließung des Gewerbegebiets, in das bereits zehn Millionen Euro investiert wurden, muss bis Jahresende abgeschlossen sein. © Kommentar

 

OVZ veröffentlicht auf der nächsten Heimatgeschichts-Seite ein ausführliches Interview mit Dr. Marc Bartuschka.

Günter Neumann

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Von Redakteur Gabriele Neumann

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