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Auf den Spuren des berühmten Geologen Hanns Bruno Geinitz in Altenburg

Familientreffen Auf den Spuren des berühmten Geologen Hanns Bruno Geinitz in Altenburg

Familientreffen in Altenburg: Nachfahren des Geologen Hanns Bruno Geinitz (1814-1900) kamen jetzt in dessen Geburtsstadt zusammen. Ein Teilnehmer dieser Zusammenkunft berichtet vom Treffen und taucht auch ein in die spannende Familienchronik.

Familientreffen in Altenburg: Nachfahren von Hanns Bruno Geinitz kamen jetzt in dessen Geburtsstadt zusammen.

Quelle: privat

Altenburg. Die Nachfahren des berühmten Geologen Hanns Bruno Geinitz treffen sich in dessen Geburtsstadt Altenburg. Darunter ist ein Siebenjähriger, der nicht nur so heißt wie sein Urururgroßvater, sondern auch dessen Vorlieben teilt. Dr. Christian Geinitz, ein Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der in Wien wohnt, war ebenfalls bei dem Treffen in Altenburg dabei und schildert seine Erlebnisse und Beobachtungen.

Der Erstklässler Leo Geinitz hat einen ungewöhnlichen zweiten Vornamen: Hanns-Bruno. „Ich glaube, Bruno hieß mein Opa“, sagt der Siebenjährige. Tatsächlich wollten seine Eltern den lange vor Leos Geburt verstorbenen Großvater auf diese Weise ehren, der Name erinnert aber auch an einen anderen Vorfahren, Leos Urururgroßvater. Dieser Hanns Bruno Geinitz (1814-1900) ist der berühmteste Träger des Namens – und er stammte aus Altenburg.

Der Professor und Naturforscher, nach dem 2015 eine Straße im Stadtteil Rasephas benannt wurde, gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Geologie in Deutschland. Um auf seinen und den Spuren anderer außergewöhnlicher Familienmitglieder zu wandeln, trieb es am Wochenende viele Nachfahren zum Familientag nach Altenburg. Der kleine Leo ist mit seinen Eltern und der älteren Schwester extra aus Aachen gekommen, andere Verwandte reisten sogar aus Tel Aviv in Israel und aus Dundee in Schottland an.

Zuerst besuchte die Gruppe die Freimaurerloge am Johannesgraben, in der so mancher Ahn Mitglied war, etwa Hanns Brunos Vater, der herzogliche Baurat Johann Christian Traugott Geinitz (1782-1839). Die Hofapotheke am Weibermarkt, die am Sonnabendnachmittag eigentlich geschlossen hatte, öffnete extra ihre Toren, um die fast 40 Angehörigen willkommen zu heißen. Denn hier war es, wo der später weltberühmte Geologe Hanns Bruno Geinitz den Apothekerberuf erlernte und seine Leidenschaft für die Natur entdeckte. „Ich wusste davon nicht viel, durch den Besuch der Familie habe ich einiges gelernt“, sagt die heutige Eigentümerin der Apotheke, Marina Wetzig.

So erfuhr sie, dass es neben dem Pharmazeuten noch zwei bedeutende Ärzte namens Geinitz in Altenburg gab. Johannes Geinitz kam im 17. Jahrhundert aus Spora bei Zeitz in die Skatstadt, die Bürgerrechte erwarb er sich dadurch, dass er Pestkranke behandelte. Er heiratete 1683 in der Stadtkirche St. Bartholomäi Maria Elisabeth Kellner, die Tochter des Hofadvokaten Johann Leonhardt Kellner. Später stieg Geinitz zum medizinischen Berater von Friedrich I., dem Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, auf.

180 Jahre nach ihm brachte es Julius Traugott Geinitz (1821-1868) sogar zum offiziellen Leibarzt von Ernst I., dem Herzog von Sachsen-Altenburg. Julius war der jüngste Bruder des Geologen Hanns Bruno Geinitz und galt als einer der geschicktesten Chirurgen seiner Zeit zur Operation von Blasensteinen. Die beiden erfolgreichen Brüder kamen in dem Haus Neugasse 8a zur Welt, das noch immer steht. Auch dieser Adresse statteten die Teilnehmer des Familientags einen Besuch ab.

„Bis hier im letzten Jahr eine Gedenktafel angebracht wurde, wusste ich nichts über die Familie Geinitz“, sagt der heutige Hauseigentümer Michael Spur, der das Gebäude nach dem Kauf 2001 kernsanieren ließ. „Ich habe die Angehörigen gern aufs Grundstück gelassen, so einen Auflauf haben wir ja nicht jeden Tag.“ Das Schild an der Hausfassade erinnert auch an den Vater der Brüder, den Baurat Geinitz, der zu seiner Zeit im Schloss ein- und ausging. Doch in den Septemberunruhen 1830 wurde er aus der Stadt gejagt, im Haus an der Neugasse warfen die Aufständischen sein Mobiliar aus dem Fenster.

Heute stellen sich seine Nachfahren hier zum Familienfoto auf. Der Vater des kleinen Leo, der IT-Dienstleister Stephan Geinitz, half schon als Kind seinem Vater bei der Ahnenforschung. „Ich musste die Unterlagen sortieren, das hat mir die Vorfahren eher vermiest“, gibt er zu. „Aber jetzt hier im schönen Altenburg so viele nette Verwandte zu treffen, macht Lust, mehr zu erfahren.“ Er überlegt deshalb, mit seinem älteren Bruder einen Familienverein zu gründen.

Stephan Geinitz‘ Frau Tanja fühlt sich als Angeheiratete sehr wohl in dem Kreis, wie sie sagt: „Ich habe auf meiner Seite keine Familie mehr, dafür auf Stephans Seite umso mehr, das ist doch toll!“ Helmut Geinitz aus Büdelsdorf westlich von Kiel, der zum ersten Mal in Thüringen ist, würde einem Geinitz-Verein sofort beitreten. „Ich habe elf Geschwister, schon das Cousin- und Cousinen-Treffen ist immer eine Riesensache, das könnte man noch ausweiten“, sagt er.

Und was denkt der kleine Leo Hanns Bruno? Zumindest unwissentlich folgt er jetzt schon seinem berühmten Namensvetter nach: Er interessiert sich für die Natur, spielt Schach, rechnet viel und sammelt gern Steine, ganz wie der Geologie- und Mineralogie-Professor im 19. Jahrhundert. „Mein schönster Stein ist ganz blau, ich habe ihn in einer Höhle gefunden“, sagt er stolz. Das Fundstück hätte in der Kollektion seines Vorfahren sicher einen Ehrenplatz erhalten.

Von Christian Geinitz

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