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Auftakt der Philharmonischen Konzerte mit David Porcelijn und den Walachowski-Schwestern

Auftakt der Philharmonischen Konzerte mit David Porcelijn und den Walachowski-Schwestern

Carl Czerny als Komponist, das ist ein überaus beeindruckendes Erlebnis. Vermutlich jeder, der bei dem Versuch, das Klavierspiel zu erlernen, über die Anfangsgründe hinauskam, verbindet mit diesem Namen irgendetwas.

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Kandidat Nummer 1: David Porcelijn.

Gera/Altenburg. Meist jedoch einen gewissen Drill. "Die Schule der Geläufigkeit" ist ebenso legendär wie berüchtigt. Und die Neugier ist groß auf das, was passiert, wenn sich der Großmeister der Etüde als Komponist echter Konzertmusik präsentiert. Originell und unerträglich virtuos ist sein Konzert für Klavier zu vier Händen und Orchester.

Das Altenburg-Geraer Theater hat es ausgegraben, und Anna und Ines Walachowski nahmen sich des Soloparts an. Nur so möchte man das hören. Denn die Vorstellung, dass eine runde halbe Stunde halsbrecherischer Triller-Figuren weniger präzise und weniger perlend vorgetragen würden, ist beängstigend.

Die Walachowski-Schwestern aber begegnen den geistvoll abstrusen Verschnörkelungen mit technischer Brillanz und musikalischem Intellekt. Ein unterhaltsamer Saisonauftakt der Philharmonischen Konzerte ist so garantiert. Gefällig, witzig und vor allem teuflisch knifflig sind die Strukturen, und die eigentliche Überraschung ist, dass es keine Überraschungen gibt. Mit erstaunlicher Konsequenz bewegt sich Carl Czerny in vertrauten Gefilden, schlägt harmonisch an jeder Weggabelung die wahrscheinlichste Richtung ein. Auch wenn man weiß, dass in der harmonischen Gestaltung nicht unbedingt immer der ausgetretenste Pfad der beste ist, ist das hier durchaus unterhaltsam. Wie am Reißbrett entworfen und dennoch ansprechend ist der harmonienselige langsame Satz, der ebenso mustergültig durch perlende Klangkaskaden umrahmt wird. Manchmal darf es eben auch einfach nett zugehen im Konzertsaal.

Obendrein will das virtuose Flirren auch begleitet sein. Und bei diesen Konzerten Ende vergangener Woche in Gera und Altenburg geschieht auch das mit Gespür für die Eigenwilligkeiten der Partitur. David Porcelijn steht am Pult des Philharmonischen Orchesters und verleiht dem auch ansonsten recht ungewöhnlichen Programm angenehme und durchaus eindrucksvolle Gestalt. Liszts "Festklänge" müssen niemandes Lieblingswerk werden, aber so interpretiert haben sie im Liszt-Jahr durchaus ihre Berechtigung im Konzertrepertoire. Porcelijn, der hiermit als erster seine Visitenkarte bei der Bewerbung um die Stelle des Generalmusikdirektors abgibt, geht souverän damit um und kann auf ein bestens disponiertes und sensibel reagierendes Philharmonisches Orchester setzen.

Und die Tondichtung "Orpheus" wird in dieser Gestaltung zum überaus wirkungsvollen Klanggemälde. Porcelijn weiß, was er will und wie es zu kriegen ist, spielt mit Dynamik und Klanggestalt. Das ist durchaus beeindruckend, auch weil der Abend so trotz seiner bemerkenswert anderen Struktur eine schlüssige und stimmige Dramaturgie entwickelt.

Überaus engagiert und geprägt von gewaltigem Ausdruckswillen ist auch die eröffnende "Fidelio"-Ouvertüre ein Farbenspiel und eines, das die Zerrissenheit dieses Klanggefüges nicht versucht zu überpinseln. Es ist nicht das oberflächlich geprobte Eröffnungsstück. Vielmehr geht Porcelijn bereits hier aufs Ganze und fordert die Altenburg-Geraer Musiker mit seiner Gestaltung, seiner Tempowahl durchaus mächtig. Das tut hörbar gut.

Tatjana Böhme-Mehner

Das Konzert am Mittwoch in Gera, das hier besprochen wird, ist von MDR Figaro mitgeschnitten worden und am 21. Oktober, 20.05 Uhr, zu hören.

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