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Auftaktschau setzt auf Kontraste - Altenburger Lindenau-Museum startet neue Ausstellungsserie: "Altenbourg im Dialog"

Auftaktschau setzt auf Kontraste - Altenburger Lindenau-Museum startet neue Ausstellungsserie: "Altenbourg im Dialog"

Mit dem Auftakt zu einer neuen Reihe ist das Lindenau-Museum am Sonnabendnachmittag ins Ausstellungsjahr 2013 gestartet. "Altenbourg im Dialog", so ist eine Serie von Präsentationen überschrieben.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Frank Engelmann

In der Premierenschau für dieses Projekt stehen Auszüge aus dem Schaffen des Schweizer Malers und Grafikers Martin Disler im Mittelpunkt. Zustande gekommen ist die Kooperation über Kontakte, die die neue Direktorin des Lindenau-Museums, Julia Nauhaus, zum Leiter des Genfer Cabinet d'arts graphiques du Musée d'art et d'histoire, Christian Rümelin, knüpfte. Begründet werden soll mit dieser ersten Zusammenarbeit eine weiterreichende Verbindung beider Häuser. Für 2015 plant das Schweizer Museum eine Gerhard-Altenbourg-Präsentation in seinen Räumlichkeiten.

Vom Austausch beider Kulturtempel profitieren aber zunächst die Skatstädter und all jene Freunde des Lindenau-Museums, denen das Euvre Martin Dislers bislang unbekannt war. Denn in Deutschland fristet sein Schaffen eher ein Schattendasein. Was sich als bedauerlicher Umstand erweist, begibt man sich als Besucher durch jene sehenswerte Sonderausstellung im Haus an der Gabelentzstraße. Der Hauptteil der etwa 30 hier gezeigten Druckgrafiken von Martin Disler stammt aus dem Genfer Cabinet d'arts graphiques, Einzelwerke steuerten die Kunstmuseen Basel und Olten bei. Auch darüber hinaus erwiesen sich Schweizer Institutionen als großzügig. Sie förderten das ansonsten kaum denkbare Zustandekommen dieses Ausstellungsvorhabens, zu dem auch ein überaus informativer Katalog gehört.

In dieser ersten Ausstellung der Reihe "Altenbourg im Dialog" setzen die Kuratoren Julia Nauhaus, Christian Rümelin und der Leiter der hiesigen Grafischen Sammlung, Thomas Matuszak, auf scharfe Kontraste. Schon auf den ersten Blick unterscheiden sich die Arbeiten des 1949 geborenen Martin Disler deutlich von jenen des eine Generation älteren Gerhard Altenbourg. Dislers Werke geben sich expressiv und kraftvoll, oft auch farbig. Ihnen gegenüber stellt die Präsentation einige der Kaltnadelradierungen aus Altenbourgs "Schnepfenthaler Suite", die Hauchzartes zeigen. Auch im Übrigen werden schroffe Gegensätze deutlich: Der Hang zu großen Formaten ist bei Martin Disler selbst in dieser nur beschränkten Auswahl aus seinem Gesamtschaffen unübersehbar. Dimensionen, von denen die kleinformatigen Blätter der "Schnepfenthaler Suite" im unmittelbaren Nebeneinander erschlagen würden. Da erweist es sich als Vorteil, dass das Trio der Ausstellungsgestalter sich für getrennte Räumlichkeiten entschied und Disler und Altenbourg separate Orte zuweist.

So ist es nun am Betrachter, jenen beabsichtigten Dialog aufzunehmen - nicht nur mit den einzelnen Exponaten, sondern im Wechsel zwischen Hier und Dort auch mit den Intentionen beider Künstlerpersönlichkeiten. Ein Ansatz, der Julia Nauhaus gut gefällt: "Die Beschäftigung mit Gerhard Altenbourg hat im Lindenau-Museum eine lange Tradition. Dieser will ich mit der Dialog-Reihe eine weitere Facette hinzufügen." Und der Besucher spielt dabei eine gewichtige Rolle. Denn er ist es vornehmlich, der sich auf Entdeckungsreisen begibt, Neues ergründet, Beziehungen herstellt und so womöglich seinen eigenen Blickwinkel verändert, während er Altenbourg im Spannungsfeld anderer künstlerischer Handschriften erlebt. "Wir stellen den für unser Haus und diese Stadt so bedeutsamen Meister in Bezug zu Weggefährten und Zeitgenossen, zu Anregern und Wahlverwandten", benennt die Museumsdirektorin potenzielle Dialog-Kandidaten, auch innere, geistige Bezüge seien wesentlich.

Die Künstler müssen sich nicht unbedingt persönlich begegnet sein. So wie es im Falle Dislers und Altenbourgs wahrscheinlich ist. Belege dafür, dass sie Kenntnis vom Werk des anderen hatten, gibt es nicht. Wobei Christian Rümelin anmerkt, dass sich Martin Disler 1996 vor seinem viel zu frühen Tod im selben Jahr auf Reisen nach Weimar und Leipzig begeben hatte und dabei vielleicht auf den Namen oder Einzelwerke Gerhard Altenbourgs gestoßen sein könnte.

Während dies Spekulation bleibt, wird der Ausstellungsbesucher in der bis zum 14. April gezeigten Präsentation mit Sicherheit andere Gewissheiten wahrnehmen dürfen. Unter anderem jene, dass sich in Dislers und Altenbourgs (Lebens-)Philosophie, Weltbild, Arbeitsweise und Kunstverständnis trotz aller Unterscheide überraschende Gemeinsamkeiten herausstellen. Entdeckungen, die sich lohnen.

Samstag, 26. Januar, 15 Uhr: Führung durch die Ausstellung

Samstag, 23. Februar, 15 Uhr: Vortrag "Martin Disler - Leben und Werk" von Barbara von Flüe, Kuratorin des Kolumba-Kunstmuseums des Erzbistums Köln

Samstag, 2. März, 15 Uhr: Führung durch die Ausstellung

Freitag, 8. März, 19 Uhr: Dieter Brusberg, Kunsthändler und Freund von Gerhard Altenbourg, und Prof. Dr. Bernhard Maaz, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Gespräch

Sonntag, 14. April, 15 Uhr: Finissage und Lesung aus Friedrich Dürrenmatts "Der Pensionierte"

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