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Altenburg Auftritt in Gößnitz: Nörgelsäcke holen Prominenz in die Provinz
Region Altenburg Auftritt in Gößnitz: Nörgelsäcke holen Prominenz in die Provinz
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00:37 16.10.2015
Ein Mann, drei Personen: Thomas Freitag in Gößnitz. Quelle: Klaus Peschel
Gößnitz

Dass er auch ganz anders kann, das zeigt er in seinen Bühnenprogrammen. Im Fernsehen wird nicht deutlich, was für ein wunderbarer Schauspieler dieser Mann ist. In Gößnitz war nun hautnah zu erleben, wie Thomas Freitag in Rollen schlüpfte, den Dialekt und die Sprache wechselte, nicht mehr er selbst war, sondern die Figur, die er verkörperte. Der Kabarettist aus Hessen begeht in diesem Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Er war 25 Jahre alt, als er zum ersten Mal vor Publikum stand. Derzeit ist er wieder auf Tour. "Nur das Beste - die Jubiläumsedition!" nennt er sein Programm. Es ist eine ganz persönliche Auswahl an Lieblingsstücken und Highlights aus seinen bisherigen Programmen, die jedes Mal eine andere sein kann.

Nun hat Thomas Freitag das Rentenalter erreicht. In Gößnitz begann er seinen Auftritt nicht auf der Bühne. Er tauchte mit einem Handy mitten im Publikum auf und telefonierte mit dem Bundeskanzleramt. Worum ging es in diesem Gespräch? Um die Rente. Nach Erreichen der Bühne und Ende des fiktiven Telefonats nannte Freitag die Zahl der Paragrafen, die in Deutschland Rente und Finanzen regeln. Seine sarkastische Schlussfolgerung: "Ich würde gern meine Rente zum Aufbau der abgefackelten Asylheime zur Verfügung stellen."

Auffallend war, dass von der ersten bis zur letzten Sekunde enger Kontakt zwischen Künstler und Publikum bestand. Es gab keine Distanz zwischen beiden. Der Mann auf der Bühne war einer von ihnen und vor ihm saßen Leute, die so, oder zumindest so ähnlich wie er dachten. Was Thomas Freitag zu der Äußerung veranlasste: "Gößnitz ist eine Oase der Menschlichkeit." Sein Agieren an diesem Abend war eine Mischung aus bitterem Ernst und Humor vom Feinsten. Er erwies sich als hervorragender Vorleser, als er am kleinen runden Lesetisch aus dem Tagebuch eines Rentners vortrug. Ein so brillanter Text, dass er aus dem Publikum Stichwörter bekam. Die Leute dachten scharfsinnig mit.

Es war aber nicht nur die Rente, die den 65-Jährigen auf der Kabarettbühne umtrieb. Es waren auch die Banken und das Bildungswesen in Deutschland, die er bei den "Nörgelsäcken" aufs Korn nahm. So ließ er einen Banker, der seiner Bank 10 000 Euro stahl, im Beichtstuhl Platz nehmen. Als der Priester von dem Diebstahl hörte, kam die Pointe: "Und jetzt, mein Sohn, nennst Du mir bitte Deine Sünden." Das Schließen von Bibliotheken war ein weiteres Thema. Sie werden durch Bibliotheksbusse ersetzt, die übers Land fahren, so Thomas Freitag. Ähnliches könne man doch auch mit anderen Einrichtungen der Bildung machen, schlug er vor. Der Schulbus bringt die Kinder nicht mehr in die Schule, der Unterricht findet im Bus statt, und im Theaterbus wird Theater gespielt. Auch dass Friedrich Schiller heute keine Chance hätte, seine "Räuber" in einem Verlag unterzubringen, brachte Freitag plausibel von der Bühne rüber. Er war zugleich der schwäbelnde Schiller und der besserwisserische Verleger.

Natürlich durften auch nicht die Paraderollen Freitags fehlen. Sie waren der Höhepunkt des Programms. Er spielte drei alte Herren in einem Gemeinschaftszimmer im Altersheim: Brandt, Wehner und Strauß. Es war atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit Freitag in seine Protagonisten schlüpfte, sowohl sprachlich, als auch mimisch. Höhepunkt des Abends war die Reich-Ranicki-Parodie. Sie forderte dem Kabarettisten vollen körperlichen Einsatz ab. Riesenapplaus im ausverkauften Gößnitzer Kleinkunsttheater. Thomas Freitag bedankt sich mit einer Zugabe und Autogrammen.

Klaus Peschel

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