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August Julius Löbe - Gelehrter, Pfarrer, Heimatforscher

August Julius Löbe - Gelehrter, Pfarrer, Heimatforscher

Kaum eine Geschichtsschreibung über das Altenburger Land kommt ohne die Forschungen von ­August Julius Löbe aus. Sein be­deutendstes, dreiteiliges Werk zur ­Heimatgeschichte ist "Die Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzog­thums Sachsen-Altenburg", das er ­gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Ernst Conon verfasste und das ab 1886 im Verlag Oskar Bonde in Altenburg ­erschien.

Am 27. März 1900 starb Julius Löbe im Alter von 96 Jahren.

 

Julius Löbe war einer der gelehrten Landpfarrer des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 8. Januar 1805 in Altenburg, das damals zu Sachsen-Altenburg gehörte, als Sohn des Militärarztes Christian August Löbe geboren. Die schulische Ausbildung begann er in der Garnisonsschule, später dann lernte er in der Bürgerschule. Von Michaelis 1817 bis Ostern 1825 besuchte er das Altenburger Friedrichsgymnasium. Im Jahre 1825 studierte Löbe an der Universität in Jena, wo besonders die Philologen Göttling und Eichstädt auf ihn wirkten. Er wandte sich dann 1827 nach Leipzig. In Leipzig absolvierte er 1828 sein ­theologisches Examen. Julius Löbe promovierte 1831 in Jena mit der Abhandlung "de correptione diphthongorum ante consonas" zum Doctor der Philosophie. Nach dem Studium wirkte er als Lehrer in seiner Heimatstadt Altenburg.

 

Große Verdienste auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft

 

In das Gebiet der Sprachwissenschaften gehören seine Doktordissertation, ein lateinisches Elementarbuch und vor allem seine Arbeiten auf dem Gebiet der gotischen Sprache. Gemeinsam mit seinem Schul- und Jugendfreund aus der Gymnasialzeit, dem Sprachforscher Hans Canon von der Gabelentz, entstand eine Gesamtausgabe der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas. Zum Vergleich des berühmten "Codex" reiste Löbe 1834 nach der alten Bischofsstadt Uppsala. Die Arbeit dort dauerte etwa zehn Tage. Zehn Jahre vergingen dann bis zur druckreifen Fertigstellung des dreiteiligen Gesamtwerkes. Das gemeinsam erarbeitete Werk hat den beiden Verfassern in der germanischen Sprachwissenschaft einen geachteten Rang eingebracht.

 

Im Oktober 1839 wurde Löbe Substitut des Pfarrers Seidel in Rasephas bei Altenburg, der seit 1794 die Stelle innehatte. Nach dessen Tod im Jahre 1846 erhielt er die volle Stelle und zog 1847 in das neu erbaute Pfarrhaus neben der Kirche in Rasephas. Vordem verwaltete er das Pfarramt von Altenburg aus. Das Pfarramt begleitete er bis ins hohe Alter von 94 Jahren.

 

Anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums zu Rasephas 1879 bekam er vom Herzog das Prädikat eines Kirchenrathes zugesprochen. Zwei Jahre später erhielt er zur Feier des Goldenen Doktorjubiläums von der Universität Jena das Ehrenprädikat als Doktor der Theologie und zum Golden Amtsjubiläum im Jahre 1889 den Titel eines "Geheimen Kirchenrathes" von Herzog Ernst verliehen.

 

Im Oktober 1899 wird Löbe vom Sächsisch Herzoglichen Ministerium emeritiert und unter Belassung der bisherigen Wohnung im Pfarrhaus zu Rasephas in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. 

 

Am 27. März 1900 verstarb August Julius Löbe nach kurzer Krankheit im hohen Alter von 96 Jahren. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof zu Rasephas unter großer Anteilnahme seiner Familie, von Freunden und der Kirchgemeinde Rasephas-Kauerdorf beigesetzt. Die Grabstätte wurde anlässlich seines 100. Todestages wieder hergerichtet und wird jetzt von der Friedhofsgärtnerei der Stadt Altenburg gepflegt.

 

Vielseitige, heimatgeschichtliche Forschungen

 

Julius Löbe hat sich in seinem langen Leben für die Erforschung seiner engeren Heimat engagiert. Im September 1838 war er maßgeblich an der ­Gründung der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes beteiligt. Alle Bände der Mitteilungen, die von der Gesellschaft zu jener Zeit herausgegeben wurden, legen Zeugnis ab von der Bedeutung seiner umfangreichen Arbeiten auf dem Gebiet der heimatlichen Geschichte. Sein wohl wichtigstes Werk "Die ­Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen-Altenburg" schuf er gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Canon Ernst Löbe, welcher ­Superintendent in Roda (jetzt Stadtroda) war. Es erschien von 1886 bis 1891 in drei Bänden und beschreibt die Ephorien Altenburg, Schmölln und Ronneburg sowie den Westkreis mit den Ephorien Eisenberg, Kahla und Roda. Es gibt wenige Länder des damaligen Deutschen Reiches, die sich einer ähnlichen, gleichmäßig erarbeiteten Kirchen-, Schul- und Ortsgeschichte rühmen durften - so zitiert in der Lebensbeschreibung zu August Julius Löbe kurz nach seinem Tod.

 

Bedeutsam für die Heimatforschung ist auch sein Buch "Beschreibung und Geschichte der Residenzstadt Altenburg und ihrer Umgebung für Einheimische und Freunde" von 1848.

 

Von den Heimat- und Familienforschern des Altenburger Landes wird Löbe als oft zitierte Literaturquelle angegeben.

 

August Julius Löbe war außerdem Mitglied des Familientheatervereins, des Studentencorps und anderer ­Heimatvereine. Er war seit 1836 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Berlin. Die Deutsche Ge­sellschaft zur Erforschung der Deutschen Sprache und Alterthümer in ­Leipzig ernannte ihn 1838 zum "Cor­resspondierenten Mitglied" und zu ­seinem 90. Geburtstag zum Ehrenmitglied.

 

Anmerkung: Unser Autor, der Altenburger Heinz Trebus, ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung, Arbeitskreis Altenburger Land. Der Verein hat sich am 28. Oktober 1996 gegründet. www.amf-ak-altenburger-land. Vgl. zur Familie Löbe auch Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2000.

Heinz Trebus

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