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Altenburg Aus Furcht vor Wind und Regen – Bauernhofkonzert in der Getreidehalle
Region Altenburg Aus Furcht vor Wind und Regen – Bauernhofkonzert in der Getreidehalle
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08:00 27.06.2017
Dirigiert das Philharmonische Orchester in gar ungewöhnlichem und gewöhnungsbedürftigen Ambiente – Kapellmeister Thomas Wicklein. Quelle: Jens Paul Taubert
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Oberzetzscha

Ein solches Wochenende hat der kleine Altenburger Ortsteil Oberzetzscha wohl lange nicht erlebt. Erst wurde am Sonnabend der 450. Geburtstag des Renaissance-Herrenhaus gefeiert und dann gab es am Sonntag auch noch das diesjährige Bauernhofkonzert des Altenburg-Geraer Theaters in Kooperation mit dem Verein Altenburger Bauernhöfe. Es war bereits das 14. seiner Art und belegt eine wirklich und wahrhaftig existierende Tradition im Altenburger Land. Ebenso traditionell fungiert seit dieser Zeit Kapellmeister Thomas Wicklein programmgestalterisch wie moderativ launig und lustvoll als Spiritus Rector dieser Veranstaltung.

Neben den vielen tollen Spielorten vergangener Jahre kam nun ein weiterer hinzu. Allerdings nicht die Wiese am Herrenhaus Oberzetscha, wie eigentlich geplant. Denn Wetter-Apps ließen für den Nachmittag etwas Regen und Wind und damit fliegende Notenblätter und ächzende Mikrofone wenigstens zu 50 Prozent vermuten. Anlass für die Veranstalter, eine Notvariante aufzulegen:  Die riesige Getreidehalle der Agrargenossenschaft Gerstenberg aus Beton und mit Blechdach sowie einigen wenigen Lampen ausgestattet, wurde kurzerhand zu den Brettern, die die Welt bedeuten. Dies allerdings mit kleinen Hindernissen. Einige freundliche Helfer wiesen den verwirrten Gästen neue und dann andere Parkplätze hinzu, bis selbige völlig überfüllt waren und die Gäste zur Park-Rundreise in Oberzetzscha aufbrachen, um dann an ein großes Maisfeld geleitet zu werden, wo sie schließlich die neue Veranstaltungshalle des Ortes auf Zeit fanden.

Die rund 400 Gäste nahmen die etwas besondere Situation dennoch gelassen hin, brachten durchaus Verständnis auf für die Sorge der Organisatoren, auch wenn es nur ganz zum Schluss tatsächlich regnete.

Sorgte am Marimbaphon mit Chatschaturijans Säbeltanz aus dem Ballett „Gajaneh“ für Beifallsstürme – Johannes Kilian. Quelle: Jens Paul Taubert

Thomas Wicklein begrüßte alsdann gut gelaunt das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera, die Solisten des Nachmittags mit der Sopranistin Anne Preuß, der Mezzosopranistin Claudia Müller, dem Bariton Kai Wefer, dem Marimbaphon- und Xylophon-Spieler und frischgebackenen Abiturienten Johannes Kilian, den neu verpflichteten ungarischen Tenor János Ocsovani und natürlich das freundliche Publikum. Letztendlich ging es doch um nichts anderes, als in feiner humorvoller Art Orchester, Solisten sowie die Angebote der kommenden Spielzeit anzukündigen, zu moderieren, zu dirigieren und damit in ansprechender Form für das Theater zu werben.

Zu Beginn Eduard Strauß und zum Schluss Josef Strauß. Dazwischen Lehár, Mozart, Wagner, Verdi, Kálmán, Smetana. Aber auch Monti, Chatschaturjan, Svoboda und Lloyd Webber gehörten zu den Komponisten, die mit ihren Werken den neuen Spielplan bereichern werden.

Vier Aspekte sind neben der sehr schönen Gesamtleistung des Orchesters hervorzuheben. Zum Ersten darf sich der Besucher des Altenburg-Gerschen Musiktheaters wieder auf wunderbare Solistinnen und Solisten freuen. Als ein Beispiel sei die Interpretation von Anne Preuß der Arie der Lady Macbeth aus Guiseppe Verdis Oper Macbeth angeführt. Zum Zweiten war der Klang in der Scheune den Umständen entsprechend richtig gut. Wenn der Licht-Spot nun schon bei der Tonfirma nicht gebucht war – man hoffte hier wohl bis zuletzt auf Freilicht – so wäre aus dem Theater bestimmt ein Suchscheinwerfer nebst Bedienung beizubringen gewesen. Dann hätte man die handelnden Künstler auch visuell wahrnehmen können. So war es trotz des guten musikalischen Erfolges ein tristes Bild. Zum Dritten sollte Thomas Wicklein nun endlich seine schier unerschöpflichen musikalischen Bauernregeln und Oberzetschaer Dorfchronikauszüge editieren und herausbringen – wenigstens als Hörbuch. Und last but not least viertens: Wenn man schon die Pause und ihre Dauer weder im Programmflyer noch mündlich bekannt geben will, wäre es schicklich gewesen, ein paar Handzettel an Türen und Wände zu schlagen, um den Menschen wenigstens den Weg zu den Toiletten im Herrenhaus aufzuzeigen. So tauchten unter den Augen Hunderter Besucher ein ganze Schar Silbernacken im nachbarlichen Maisfeld auf – ein gar unwirklich lustig-bizarrer Anblick.

Trotz alledem war es ein gelungener Nachmittag, der Lust auf weitere 14 tolle Bauerhofkonzerte macht, verbunden mit der Hoffnung, dass diese Tradition wieder stärker wahrgenommen werden möge. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass die Verantwortlichen im Theater die Veranstaltung auf ihrer Webseite nicht wieder vorzeitig als „ausverkauft“ deklarieren, nur weil das restliche, nicht im Vorverkauf abgesetzte Kontingent für die Tageskasse mitgenommen wurde. Es bestand jedenfalls bis zum Schluss die Möglichkeit des Ticketkaufes vor Ort.

Ansonsten? Alles wirklich gut. Mich hat der Säbeltanz von Chatschaturjan – großartig der junge Kilian am Marimbaphon –, die tolle Zugabe der vier Percussionisten und der Bauernkuchen – für die Versorgung zuständig war der Altenburger Ratskeller – am meisten betört

Von Stefan Müller

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