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Aus Schwarzem Bär wird Bärenkarree

Aus Schwarzem Bär wird Bärenkarree

Dort, wo früher in geselliger Runde Bier ausgeschenkt wurde, werden heute Kontrastmittel verabreicht. Das ist die - zugegebenermaßen - überaus salopp und äußerst verknappte Geschichte eines alten Hauses in Altenburg.

Altenburg.

Eine Geschichte, die vermutlich nie geschrieben worden wäre, hätten ihre Protagonisten schon vorab gewusst, was sie erwartet. Die Rede ist von Marion und Matthias Noori - zwei Wahl-Altenburgern, die seit vielen Jahren in der Skatstadt ihre Profession und mit diesem Haus mittlerweile so etwas wie ihre Berufung gefunden haben.

 

Von Ellen Paul

 

Ihren Anfang nahm diese Geschichte im Sommer 2012. Die Stadt Altenburg, die das Gebäude in der Johannisstraße 5/6, besser bekannt als "Schwarzer Bär", gekauft und in der Außenhülle saniert hatte, war auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Einem, der es auch im Inneren auf Vordermann bringt und nutzt. Zwischenerwerber-Modell nennt man so etwas. Deshalb wandte sich der städtische Wirtschaftsförderer Tino Scharschmidt an Familie Noori. Wohl wissend, dass der bekannte Mediziner seit geraumer Zeit nach einem neuen, zentral gelegenen Objekt für seine radiologische Praxis Ausschau hielt.

 

Doch die Eheleute hatten erst einmal kein Interesse. "Die Straße ist nicht besonders schön und das Gebäude von außen relativ nichtssagend", so Marion Noori, die sich dann aber doch zu einem Besuch überreden ließ - und sich sofort in das Dachgeschoss verliebte. Als sie das Haus wenig später zum Tag des offenen Denkmals gemeinsam mit ihrem Mann in Augenschein nahm, war schnell klar: Ja, sie kaufen es. "Wir hatten sofort Visionen, was man alles daraus machen könnte", erinnert sich Matthias Noori. Anfangs war sogar ein Wohn- und Geschäftshaus im Gespräch. Letztendlich fiel doch die Entscheidung, die eigene Praxis, die der aus Erlangen stammende, promovierte Facharzt für Radiologie seit 1997 im Altenburger City-Center betreibt, in die Johannisstraße zu verlagern.

 

Was, wie man sich denken kann, viel leichter gesagt als getan war. Der im Frühjahr vergangenen Jahres gestartete Bau gestaltete sich so schwierig und zeitaufwendig, dass Marion Noori ihr Beauty-Studio vorübergehend in andere Hände gab und sich ganz der Organisation des Baus widmete. Die größte Herausforderung sei dabei gewesen, die versteckten Mängel zu erkennen. All die Sachen, die vom Bauingenieurbüro nicht als marode eingestuft wurden, sich am Ende aber als mittlere Katastrophe herausstellten. Das alte Fachwerk beispielsweise, das komplett ausgebaut und aufgearbeitet werden musste, weil die Holzbalken faulig waren. Die Probleme wurden am Ende so groß und vielfältig, dass Matthias Noori heute bekennt: "Ich würde solch ein Projekt bestimmt nicht noch einmal übernehmen."

 

Inzwischen aber haben sich die Neu-Eigentümer mit ihrem Haus versöhnt. "Als der Zimmerer die Balken zurückbrachte, war das einfach ein wunderschöner Augenblick", erinnert sich die "Bauleiterin". Das Alte und Historische zu erhalten, auch wenn nicht alles gelang, und es mit Neuem zu kombinieren - das habe einfach Spaß gemacht. So lässt beispielsweise im Erdgeschoss eine große Glastür einen Blick in den Keller des Hauses erhaschen, der definitiv aus dem 15. Jahrhundert stammt. Er sei die Seele des Hauses, sagt Matthias Noori. Über eine moderne Treppe gelangt man in die erste Etage, wo ein Stück alte Mauer mit gebrannten und ungebrannten Ziegeln freigelegt ist. Hinter Glas kann das Werk der Vorfahren betrachtet werden. Unsichtbar hinter Fachwerk verbergen sich hingegen Röntgenapparate.

 

Freilich konnten nicht alle medizinischen Geräte in das alte Gebäude gestellt werden. Für den immerhin fünf Tonnen schweren Magnetresonanztomografen sowie den Computertomografen wurde extra im Hof angebaut.

 

Apropos Hof. Auch wenn die Praxis inzwischen eröffnet und das Haus offiziell eingeweiht ist - fertig sind Nooris mit ihrem Bau noch lange nicht. Denn die hinteren Gebäude harren noch der Sanierung. Hier sollen auf 700 Quadratmetern Gewerbeflächen entstehen und im Innern des historischen Dreiseitenhofes eine kleine grüne Oase mitten in der Stadt. "Bärenkarree" soll das Areal in Erinnerung an die alte Gaststätte heißen und schon im Herbst fertig sein, so das ehrgeizige Ziel.

 

Marion Noori hat selbstverständlich auch dafür den Hut auf und inzwischen so viel Gefallen an der neuen Aufgabe gefunden, dass sie daraus einen Beruf macht. Das Beauty-Studio ist ganz abgegeben und eine Firma für Raum- und Gebäudegestaltung sowie Baubetreuung mit ihrem Sohn gegründet, der sie schon jetzt kräftig unterstützt. Die Büroräume entstehen übrigens im Dachgeschoss, in das sie sich zu Beginn so unsterblich verliebte.

Ellen Paul

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