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Aus der antiken Klamottenkiste

Aus der antiken Klamottenkiste

Vertrottelte Herrscher, launische Götter, und es regiert das Laster. Jacques Offenbach benutzte einen antiken Stoff, um politisches Theater zu machen.

Altenburg.

Peter Hacks schrieb eine nicht weniger brisante deutsche Fassung. Deborah Epstein bringt Werk und Fassung nun weitgehend ohne sozialen Biss oder politischen Witz auf die Bühne des Landestheaters Altenburg. Das Satyrespiel im Rahmen des Antike-Projektes des Schauspielensembles sollte die Operette für Schauspieler eigentlich sein. Eine besondere Note. Sollte.

 

 

 

"Die schöne Helene" setzt die Ereignisse, die zum Trojanischen Krieg führten, unterhaltsam in ein durchaus sozialkritisches Licht. Das könnte nicht nur zeitlos gut, sondern wahrhaft aktuell sein. Doch der sonntägliche Premierenabend überrascht mit richtig netter, bunter Operette - breit gespielt, mit durchaus vorhandenen, aber sparsam gesetzten Pointen. Vordergründig witzig und eher schreiend bunt entspinnt sich die Geschichte um die Folgen der wohl ersten Misswahl der Menschheitsgeschichte, die - ebenfalls signifikant für diese Menschheit - von vornherein auf Bestechung basiert.

 

Die schönste Frau der Welt wird Prinz Paris versprochen, wenn er Venus gewinnen lässt in der Schönheitskonkurrenz mit Juno und Minerva. Egal, dass die schon einem anderen gehört. Na ja, dieser Menelaos, Herrscher über Sparta, war ja auch nicht der Erste.

 

Offenbachs Sparta war eine Parodie auf das Paris seiner Zeit. Hacks' Herrscher hatten deutlich erkennbare Zeitbezüge. Und 2014 in Altenburg? Lustige bunte Griechen aus der antiken Klamottenkiste lässt die Regisseurin über die Bühne tanzen. So bleibt dieses eigentlich großartige Schauspielensemble weit hinter seinen Möglichkeiten. Schade, denn das Stück hätte es verdient und hätte eine wahrhaft schillernde Farbe innerhalb des Antike-Zyklus des Hauses sein können.

 

Witzige Momente hat das Ganze dennoch. Zum Teil wirklich wirkungsvolle Situationskomik, aber auch Einfälle wie die Folienkostüme der Götterfamilie (Ausstattung: Sandra Dehler) schaffen Abwechslung. Und schwungvolle Choreografien (choreografische Unterstützung: Roberto Krieg) bewahren wenigstens ein wenig operettenhafte Leichtigkeit. Theater, das keinem wehtut. Für Offenbach ist das zu wenig, wenn man ihn auch nie ganz tot bekommt.

 

Dafür sorgen auch Darsteller wie Manuel Kressin als überragender Prinz Paris, der singt und tanzt wie es sich gehört. Wenn Ouelgo Téné als Ajax eins und zwei, Jupiter oder gar Euthykles die Bühne betritt, gewinnt die Aktion an Spannung und Tempo, wie im Kräftemessen mit dem Möchtegern Macho Achilles. Dem verleiht Philipp Reinheimer witzige Statur. Viele spielen viele: In intensiver Aktion erlebt man auch Mechthild Scrobanita, Rachelle Emmanuella Rasmata Ouedraogo, Anne Diemer, Johanna Paliege und Manuel Struffolino. Ulrich Milde und Peter Prautsch geben die beiden Herrscher, die schon bessere Zeiten gesehen haben, angemessen vertrottelt. Johannes Geißer als Kalchas bringt etwas von jenem Vaudeville mit, das die treibende Kraft dieser Offenbach-Operetten ist, die ja eigentlich ihre Wurzeln tatsächlich stärker im Schauspiel als im Musiktheater haben. Die man nicht brillant singen muss, aber singen irgendwie schon. Und das ist wohl das Hauptproblem des Abends: Wenn man es nicht schon anders erlebt hätte, könnte man meinen, Vanessa Rose in der Titelpartie sei eben keine begnadete Sängerin. Singende Schauspielerin eben. Aber die Schauspielproduktionen der letzten Monate und Spielzeiten legen eher den Schluss nahe: Nicht ihr Fach ... Redlich müht sie sich mit den schlicht unbequemen Sätzen.

 

Dabei hat Schauspielkapellmeister Olav Kröger, der auch am Pult des in origineller Miniaturbesetzung spielenden Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera steht, bei seiner musikalischen Einrichtung ansonsten offenbar sehr auf Machbarkeit geachtet. Mit Anstand wird im Wesentlichen gesungen und musiziert. Als Chor agieren überzeugend Rebecca Klukas, Marie Klukas, Lydia Wenzel und Christiane Müller.

 

Artiger Beifall am Ende. Die im Programmheft angekündigte drei Stundenmarke erreicht man am Premierenabend nicht. Dennoch: Geschadet hätten mehr Tempo und beträchtliche Straffung der Inszenierung keinesfalls.

 

Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit am Landestheater: 30. März, 14.30 Uhr; 19. April, 19.30 Uhr; 17. Mai, 19.30 Uhr; 19. Juni, 14.30 Uhr, und 20. Juni, 19.30 Uhr. Karten für alle Vorstellungen an der Theaterkasse (% 03447 585160) und in der OVZ-Geschäftsstelle (% 03447 574942) - Abonnenten erhalten an beiden Kassen zehn Prozent Rabatt - sowie im Internet unter www.tpthueringen.de.

Tatjana Böhme-Mehner

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